Di., 26.02.2019

Mit Insolvenz kämpfender Konzern erbittet Übernahme des kompletten Trägeranteils Stadt soll der Gerry-Weber-Betriebskita helfen

3,3 Millionen Euro sind 2012 in die Betriebskita von Gerry Weber investiert worden, im Hintergrund ist die Konzernzentrale zu sehen. Die »Kid’s World« gilt von der Ausstattung her als Vorzeige-Kita. Jetzt möchte sich der Konzern von den eigenen jährlichen Trägerkosten von geschätzt 50.000 Euro befreien.

3,3 Millionen Euro sind 2012 in die Betriebskita von Gerry Weber investiert worden, im Hintergrund ist die Konzernzentrale zu sehen. Die »Kid’s World« gilt von der Ausstattung her als Vorzeige-Kita. Jetzt möchte sich der Konzern von den eigenen jährlichen Trägerkosten von geschätzt 50.000 Euro befreien. Foto: Gerry Weber

Von Stefan Küppers

Halle (WB). Die Gerry-Weber-Kita »Kid’s World« gilt als eine der am besten ausgestatteten Kindertagesstätten in Halle und erfreut sich großer Beliebtheit bei Eltern und ihren Kindern. Doch weil der Gerry Weber Konzern mit einer Insolvenz zu kämpfen hat, hat jetzt auch die Betriebskita Probleme. Die Stadt Halle soll nun helfen.

An diesem Mittwoch, 27. Februar, 17.15 Uhr im Rathaus berät der Ausschuss für Jugend und Soziales einen Antrag der Gerry Weber International AG, die quasi parallel zur Anmeldung des Insolvenzverfahrens in Eigenverwaltung einen Brief an die Stadt Halle zwecks Übernahme des eigenen Trägeranteils verfasst hat. »Um die wirtschaftliche Tragfähigkeit der Gerry Weber Kita weiterhin zu sichern«, so heißt es in dem Schreiben, möge die Stadt bitte zusätzlich den Anteil des Trägers der Kita übernehmen und dies in den Haushalt 2019 mit einplanen.

Über Kostenübernahme müssen jetzt Halles Politiker entscheiden

Die kritische Lage des Unternehmens ist bekannt. Was passieren würde, wenn die zusätzliche Hilfe der Stadt Halle nicht käme, ist bislang unklar. Anfragen der WB-Redaktion dazu sowohl im Unternehmen als auch beim Träger der Gerry-Weber-Kita, der PME Familienservice gGmbH, blieben dazu zunächst erfolglos. Die Stadt Halle hingegen hat in ihrer jetzt veröffentlichten Verwaltungsvorlage eine weitere Zahlung aus verschiedenen Gründen zunächst abgelehnt. »Das wird aber politisch zu entscheiden sein«, verweist Fachbereichsleiterin Regina Bresser auf die Ausschusssitzung am Mittwoch.

Gerhard Weber ließ 2012 für 3,3 Millionen Euro eine Betriebskita mit Top-Ausstattung bauen

Als Gerhard Weber noch als Vorstandschef die Betriebskita 2012 ins Leben rief, scheute er bei der Ausstattung und der Konzeption wenig Kosten und Mühen. Insgesamt wurden für die Vorzeige-Kita in unmittelbarer Nachbarschaft zur Konzernzentrale an der Neulehenstraße 3,3 Millionen Euro investiert. Daran beteiligte sich die Stadt Halle mit einem Zuschuss von 850.000 Euro, für den sich die Stadt zugleich ein Belegungsrecht für 20 Prozent der Plätze sicherte, also für 18 Kinder aus Halle, deren Eltern nicht auch schon Mitarbeiter der Gerry Weber AG sind. Der Vertrag dazu ist auf 20 Jahre angelegt. In der Kita sind derzeit 85 Plätze belegt, etwa 50 davon sind Haller Kinder.

Hoher Zuschuss der Stadt an Gerry Weber war vor Jahren politisch umstritten

Die Höhe des städtischen Zuschusses war 2012 durchaus politisch umstritten. Die Grüne Helga Lange verwies seinerzeit darauf, dass es zwar üblich sei, dass die Stadt 25 Prozent einer Investitionssumme als Bauzuschuss zahle, aber nicht 25 Prozent von einer »Luxusausstattung«. Eine normale Kita mit sechs Gruppen koste etwa 2,2 Millionen Euro, die Gerry-Weber-Kita hingegen 3,3 Millionen. Grüne und UWG enthielten sich vor sechs Jahren der Zustimmung.

Wie bei anderen Kitas auch übernimmt die Stadt einen Anteil der nicht vom Land über das Kinderbildungsgesetz (Kibiz) gedeckten laufenden Kosten. Bei der Gerry-Weber-Kita sind das für 2019 rund 47.000 Euro, womit die Hälfte Kosten abgedeckt wären, die dem Kita-Träger anfallen. Die Stadt, so der Antrag des Unternehmens und des Trägers PME, soll nun auch die anderen 50 Prozent übernehmen. Dies aber wird in der Verwaltungsvorlage abgelehnt. Begründung: Da durch das Land NRW ohnehin eine neue Regelung der Kita-Bezuschussung in Arbeit sei, solle dieser Prozess zunächst abgewartet werden.

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