Mi., 03.04.2019

Investorensuche schreitet voran – Auslagerung der Logistik wird vorbereitet Gerry Weber: Gebote bis Ostern

Die Zentrale des Modekonzerns Gerry Weber in Halle: Potentielle Käufer sollen bis Ostern ihre Gebote einreichen.

Die Zentrale des Modekonzerns Gerry Weber in Halle: Potentielle Käufer sollen bis Ostern ihre Gebote einreichen. Foto: Ulrich Fälker

Von Oliver Horst

Halle (WB). Der um die Zukunft kämpfende Haller Modekonzern Gerry Weber steht vor den Wochen der Wahrheit: WESTFALEN-BLATT-Informationen zufolge sollen Investoren bis Ostern ihre Gebote für einen Kauf des hoch verschuldeten Unternehmens abgeben. Derweil verdichten sich die Anzeichen, dass die Logistik ausgelagert und das Logistikzen­trum verkauft werden könnte.

Potentiellen Investoren wird dem Vernehmen nach eine Übernahme des Modekonzerns ohne die eigene Logistikgesellschaft und ohne das 2015 für 90 Millionen Euro errichtete Logistikzen­trum an der Autobahn 33 in Halle angeboten. Die Münchner Modetochter Hallhuber ist ohnehin außen vor, weil hier die Investmentgesellschaft Robus vermutlich im Mai eine Kaufoption für bis zu 88 Prozent der Anteile ziehen kann.
Wie berichtet sucht die Investmentbank Macquarie weltweit nach Käufern für den angeschlagenen Haller Damenmodekonzern. Bislang soll es mehrere ernsthafte Interessenten geben – keine Unternehmen aus der Modebranche, sondern allesamt Finanzinvestoren. Sie kaufen in der Regel Firmen mit dem Ziel, sie nach einigen Jahren mit Gewinn wieder abzustoßen. In den kommenden Tagen soll es Gespräche mit Interessenten geben. Die Rede ist auch von Treffen in London. Vorstandschef Johannes Ehling kann dann mit guten Zahlen glänzen. Im eigenen Einzelhandel habe Gerry Weber im ersten Quartal des laufenden Geschäftsjahres 2018/19 von November bis Ende Januar das beste Ergebnis seit acht Jahren erzielt, sagte er dem Fachblatt »Textilwirtschaft«.

Filialschließungen bis Jahresende

Im Juni soll Klarheit herrschen, ob ein Investor einsteigt oder ob der Konzern durch einen Insolvenzplan entschuldet und fortgeführt werden soll. Parallel wird mit der Eröffnung des Insolvenzverfahrens in Eigenverwaltung der Abbau von bis zu 900 der konzernweit 6500 Stellen erfolgen. Erste Kündigungen bei der Konzernmutter wird es noch im April geben. Zudem sollen bis zu 230 unrentable der insgesamt 1200 Filialen geschlossen werden. In Deutschland sollen etwa 130 der 800 Standorte zwischen September und Jahresende aufgegeben werden. Hier besteht, wie auch bei den Arbeitsverträgen, ein dreimonatiges Sonderkündigungsrecht im Insolvenzverfahren. Bis zu 100 weitere Filialen in Europa sollen bis Ende 2020 schließen. Für sie gilt kein Sonderkündigungsrecht. Die Bereinigung des Filialnetzes sei bei den Auslandsgesellschaften aber bereits eingeleitet, sagt ein Konzernsprecher.

Bewegung bei Logistik

Keinen Kommentar gibt es dagegen zur Zukunft der Logistik. WESTFALEN-BLATT-Informationen zufolge hat der Konzern eine Ausschreibung gestartet, um diesen Bereich an einen externen Dienstleister auszulagern. Womöglich könnte dieser das überdimensionierte Logistikzentrum mit 300 Mitarbeitern in Halle kaufen und dieses dann auch mit Aufträgen weiterer Firmen auslasten. Den Verkaufserlös, der dann deutlich unter den 90 Millionen liegen dürfte, könnte an die Gläubiger fließen. Der Konzern hat Schulden von mehr als 200 Millionen Euro. Die Abwicklung von Kundenbestellungen im Onlineshop soll im Herbst von der Bertelsmann-Tochter Arvato zum Logistiker Fiege wechseln. Davon verspricht sich Gerry Weber Einsparungen.

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