Do., 04.04.2019

Krise des Modekonzerns Gerry Weber könnte nicht nur Tennisturnier treffen Neuer Name auch fürs Stadion?

Die für Konzerte und Sportveranstaltungen genutzte Veranstaltungsstätte in Halle trägt seit der Eröffnung 1993 den Namen Gerry-Weber-Stadion. Durch die Krise des namensgebenden Modekonzerns könnte dieses Sponsoring aber in den kommenden Monaten enden.

Die für Konzerte und Sportveranstaltungen genutzte Veranstaltungsstätte in Halle trägt seit der Eröffnung 1993 den Namen Gerry-Weber-Stadion. Durch die Krise des namensgebenden Modekonzerns könnte dieses Sponsoring aber in den kommenden Monaten enden. Foto: Oliver Horst

Von Oliver Horst

Halle (WB). Der Sanierungskurs des Haller Modekonzern Gerry Weber könnte weitreichende Auswirkungen auf das Sponsoring haben. Als so gut wie sicher gilt längst, dass das Rasentennisturnier in Halle von 2020 an nicht mehr den Titel Gerry Weber Open tragen wird. Jetzt verdichten sich die Anzeichen, dass künftig auch die Multifunktionsarena nicht mehr Gerry-Weber-Stadion heißt.

»Das Tennisturnier wird in diesem Jahr zu 100 Prozent den Namen Gerry Weber Open tragen«, sagt Sascha Detlefsen, Pressesprecher der ausrichtenden und eigenständigen Gerry Weber Management und Event GmbH & Co. OHG. Deren Chef ist der im Herbst 2018 als Vorstandsvorsitzender des Modekonzerns ausgeschiedene Ralf Weber (55). Allein das zeigt neben den Firmennamen die bislang enge Verzahnung.

Als im September die Finanzprobleme des Damenmodeherstellers offen zu Tage traten, kam die Diskussion um die Fortsetzung des für den Konzern pro Jahr 4,15 Millionen Euro teuren Sponsorings auf. Der Fünfjahresvertrag läuft bis 2022 und beinhaltet die Namensrechte am Turnier sowie an der »Gerry Weber World« mit Stadion, Eventcenter, Hotel und Sportpark. Der Modekonzern könnte wegen seiner Insolvenz in Eigenverwaltung jetzt aber ein Sonderkündigungsrecht nutzen.

Hauptsponsor für das Tennisturnier gesucht

Deshalb sucht der Stadionbetreiber seit Monaten einen neuen Hauptsponsor für das Tennisturnier. Eingeschaltet ist auch eine weltweit tätige Marketingagentur mit Kontakten zu globalen Konzernen. Im Idealfall soll der neue Partner schon in diesem Jahr beim Turnier Mitte Juni als Co-Sponsor auftreten und 2020 dann Namensgeber sein. Gespräche mit Interessenten laufen, heißt es.

»Wenn der neue Titelsponsor Interesse am Namensrecht für das Stadion hat, verschließen wir uns Gesprächen darüber nicht«, sagt Detlefsen. Der neue Konzernchef der Gerry Weber AG, Johannes Ehling , hatte schon im Januar gegenüber dem WESTFALEN-BLATT deutlich gemacht, dass er im Marketing andere Schwerpunkte setzen will. Statt Sponsoring zur Pflege und Steigerung der Markenbekanntheit will er stärker produktbezogene Werbung machen. So soll im Herbst eine große Marketingkampagne auch mit TV-Spots starten. Ehling: »Das Budget erhöhen wir nicht, wir verteilen es nur anders.« Dieser Schritt gehe auch zu Lasten des Sponsorings.

Ein Konzernsprecher sagte am Mittwoch, dass in der aktuellen Lage »alle Kosten auf dem Prüfstand stehen«. Gleichwohl habe das Sponsoring einen »Wert für das Unternehmen und Strahlkraft«. Ob Gerry Weber die Namensrechte am Turnier und auch am Stadion abgibt, wird letztlich aber wohl erst entschieden, wenn die Zukunft des Konzerns geklärt ist.

Auf Konzerte, Sportveranstaltungen und weitere Aktivitäten gebe es keine Auswirkungen, betont Detlefsen. Der Stadionbetrieb entwickele sich positiv und sei auch 2018 profitabel gewesen. 2017 waren 18,4 Millionen Euro umgesetzt und ein Überschuss von 692.000 Euro erzielt worden.

Kommentare

Diese Diskussion ist geschlossen. Kommentieren ist nicht mehr möglich.

Google-Anzeigen

© WESTFALEN-BLATT
Vereinigte Zeitungsverlage GmbH

Alle Inhalte dieses Internetangebotes, insbesondere Texte, Fotografien und Grafiken, sind urheberrechtlich geschützt. Verwendung nur gemäß der Nutzungsbedingungen.

Mehr zum Thema

Anzeige


https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/6517990?categorypath=%2F2%2F2158585%2F2158590%2F2198384%2F2198389%2F2516076%2F