Fr., 05.04.2019

Haller Modekonzern will Personalkosten um mehr als 10 Millionen senken Gerry Weber streicht hunderte Jobs

Die Personalkosten des Haller Modekonzerns sollen durch Einsparungen dauerhaft um mehrere Millionen Euro im Jahr sinken.

Die Personalkosten des Haller Modekonzerns sollen durch Einsparungen dauerhaft um mehrere Millionen Euro im Jahr sinken. Foto: Oliver Schwabe

Von Oliver Horst

Halle (WB). Der ums Überleben kämpfende Haller Modekonzern Gerry Weber hat sich mit den Arbeitnehmervertretern auf Eckpunkte für Einsparungen beim Personal geeinigt. Bundesweit sollen demnach bis Jahresende 120 von rund 450 Filialen geschlossen werden sowie 454 Vollzeitstellen wegfallen – etwa ein Drittel davon in der Verwaltung am Stammsitz mit 800 Beschäftigten. Weil in den Filialen viele Teilzeitkräfte arbeiten, soll die Zahl der betroffenen Mitarbeiter bei rund 750 liegen.

Die Personalkosten sollen damit nach WESTFALEN-BLATT-Informationen dauerhaft um mehr als 10 Millionen Euro pro Jahr sinken. Zu der Summe soll auch die Aufgabe von 60 der europaweit weiteren 300 Läden beitragen. Damit würden nochmals Stellen wegfallen. Bei den Firmen in Insolvenz in Eigenverwaltung kann Gerry Weber Arbeits- und Mietverträge mit dreimonatiger Frist kündigen. Geplant sind dem Vernehmen nach Abfindungen von insgesamt rund 3 Millionen Euro und die Einrichtung einer Transfergesellschaft für die Weiterqualifizierung und Vermittlung betroffener Mitarbeiter in neue Jobs.

Ab 2022 soll Flächentarifvertrag wieder gelten

Die ursprünglichen Sanierungspläne des Konzerns sahen die Schließung von bis zu 230 Filialen und den Abbau von bis zu 900 der konzernweit 6500 Mitarbeiter vor. Bestandteil war seinerzeit die Schließung von 50 der rund 450 Filialen der Tochter Hallhuber mit entsprechendem Stellenabbau. Die Münchner Firma ist bei den neuen Plänen außen vor. Der Finanzinvestor Robus kann – wahrscheinlich im Mai – eine Kaufoption für bis zu 88 Prozent der Hallhuber-Anteile ziehen und dann die weitere Strategie bestimmen.

Einschnitte müssen zudem, wie berichtet, etwa 1000 Tarifbeschäftigte bis Ende 2021 bei Urlaubs- und Weihnachtsgeld sowie Lohnerhöhungen hinnehmen. Das Einsparvolumen dieses Pakets soll bei gut 3 Millionen Euro liegen. Ab 1. April 2022 soll wieder der Flächentarifvertrag gelten.

Rückenwind von eigenem Einzelhandel erhalten

Der Restrukturierungsvorstand des Konzerns, Florian Frank, sagte über die Einigung, er sei »zuversichtlich, dass wir die Gerry-Weber-Gruppe auf dieser Grundlage zurück in die Erfolgsspur führen können«. Vorstandschef Johannes Ehling ergänzte, der Konzern habe aufgrund der bereits ergriffenen Maßnahmen zur Neupositionierung insbesondere im eigenen Einzelhandel Rückenwind erhalten. »Die Effekte aus den leider unverzichtbaren Sanierungsmaßnahmen werden diesen Rückenwind sicherlich verstärken.«

Sachwalter Stefan Meyer (Lübbecke) erklärte: »Die Gerry-Weber-Gruppe befindet sich auf einem guten Weg, um die angestrebten Sanierungsziele zu erreichen.« Der Generalbevollmächtigte Dr. Christian Gerloff sagte, die Einigung biete Gläubigern und potentiellen Investoren bei der Suche nach einer Zukunftslösung für den Konzern Planungssicherheit.

Kaufinteressenten sollen, wie berichtet, bis Ostern erste Gebote abgeben. Bis zum Sommer soll sich dann entscheiden, ob der Konzern durch den Einstieg eines Investors oder durch einen Insolvenzplan entschuldet und fortgeführt werden kann.

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