Do., 11.04.2019

Chefarzt Dr. Michael Thiemann informiert in Halle über künstliche Gelenke Prothesen müssen immer mehr leisten

Dr. Michael Thiemann zeigt hier das Modell eines künstlichen Hüftgelenks.

Dr. Michael Thiemann zeigt hier das Modell eines künstlichen Hüftgelenks. Foto: Anna Lisa Tibaudo

Von Anna Lisa Tibaudo

Halle (WB). Sind künstliche Gelenke ein wahrer Fortschritt? Diese rhetorische Frage beantwortet Dr. Michael Thiemann, Chefarzt der Klinik für Unfall­chirurgie am Klinikum Halle, mit einem klaren Ja. In der Reihe »Patienten fragen – Ärzte antworten« vertieft der Mediziner das Thema in kleiner Runde.

Meistens betrifft es die Hüftgelenke, Knie, Schultern, Ellenbogen oder Sprunggelenke: Das Gelenk ist dort verschlissen oder kaputt, und ein neues, künstliches soll es ersetzen. Besonders der Ersatz von Hüftgelenken wird in Deutschland im Operationssaal rund 200.000 Mal im Jahr durchgeführt, gefolgt von Knien (170.000) und Schultern (10.000). Von einer englischen medizinischen Zeitung ist der Ersatz von Hüftgelenken zur »Operation des 20. Jahrhunderts« gewählt worden. »Weil er den Patienten von Schmerzen befreit und für Mobilität bis ins hohe Alter sorgt«, erklärt Thiemann.

Nach 15 bis 30 Jahren lockert sich ein Implantat oft

Aber eine Prothese hält nicht ewig. »Es ist völlig normal, dass sich ein Implantat nach 15 bis 30 Jahren lockert. Das liegt am normalen Knochenabbau und Abrieb. Der altersbedingte Muskelverlust kommt hinzu«, sagt der Mediziner. Die Gelenkpflege in Form von kontinuierlichem Muskeltraining sei unerlässlich. Ein erneuter Gelenkaustausch betrifft jede zehnte Operation (55 Prozent wegen Lockerung, unter einem Prozent wegen Implantatversagen).

Waren früher die Patienten froh, mit dem neuen Gelenk besser gehen und sitzen zu können, sind die Ansprüche nun höher geworden. Denn die heutigen 75-Jährigen seien ähnlich sportlich aktiv wie die 55-Jährigen. Deshalb müssen Endoprothesen auch mehr leisten. Und die extrem hohe Erwartung seitens der Patienten führe dazu, dass sie Komplikationen und Fehler nicht mehr tolerieren.

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Mit modernen Implantaten sind nahezu alle Belastungen realisierbar. Manche Sportler nehmen damit sogar an Weltmeisterschaften teil.

Dr. Michael Thiemann

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»Insgesamt ist die Geschichte der Endoprothetik in den vergangenen 20 Jahren aber eine Erfolgsgeschichte«, betont Thiemann. »Mit modernen Implantaten sind nahezu alle Belastungen realisierbar. Manche Sportler nehmen damit sogar an Weltmeisterschaften teil.« Die früher gelebte Angst, die Patienten könnten ihre Prothesen überlasten, ist der Feststellung gewichen, dass etwa 90 Prozent aller Prothesenträger ihr Implantat nicht in dem Maße nutzen, wie es möglich wäre.

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