Sa., 13.04.2019

Mehrere Banken stoppen Handel – Gründerfamilie verkauft Anteile Kaufverbot für Gerry-Weber-Aktie

Die Zentrale der Gerry Weber AG in Halle. Mehrere Banken lassen den Kauf von Aktien des Modekonzerns für Privatkunden aktuell nicht mehr zu. Die Anlage gilt als hochriskant.

Die Zentrale der Gerry Weber AG in Halle. Mehrere Banken lassen den Kauf von Aktien des Modekonzerns für Privatkunden aktuell nicht mehr zu. Die Anlage gilt als hochriskant. Foto: Oliver Schwabe

Von Oliver Horst

Halle (WB). Während sich die Großaktionäre weiter fleißig von Anteilen des Haller Modekonzerns Gerry Weber trennen, wollen einige Wagemutige Aktien kaufen – können dies aber nicht. Bei mehreren Banken sind Käufe von Anteilsscheinen des Unternehmens, das sich in Insolvenz in Eigenverwaltung befindet , aktuell nicht möglich. Sie gelten als hochspekulativ und riskant für Privatanleger.

Bei der Kreissparkasse Halle oder nach Angaben von Kunden auch bei Direktbanken wie Comdirect, DKB oder Onvista können Privatanleger zurzeit keine Aktien des Konzerns kaufen. Durch die Insolvenz in Eigenverwaltung gilt das Papier als so risikoreich, dass diese Banken den Handel für private Kunden ausschließen. Die Volksbank Halle als weiteres ortsansässiges Institut indes wickelt Käufe zwar bei ausdrücklichem Kundenwunsch als Dienstleister ab, rät wegen des Ausfallrisikos aber grundsätzlich davon ab. Die Aktie, die Freitag bei noch 51 Cent notierte, gilt als »Zockerpapier«.

Kinder des Konzern-Mitgründers haben Aktien für 170.000 Euro verkauft

Derweil haben die beiden Kinder des im Juli 2018 verstorbenen Konzern-Mitgründers Udo Hardieck in dieser Woche 316.980 Aktien verkauft. Das entspricht knapp 0,7 Prozent am Konzern. Sie halten nun noch rund 17 Prozent aller Aktien. Nina Lauterbach trennte sich von 96.360 Anteilsscheinen und erlöste dafür knapp 55.000 Euro. Die mit ihrem Bruder Alexander Hardieck gemeinsam kontrollierte Udo Hardieck GmbH & Co. KG verkaufte zudem 220.620 Aktien und nahm damit rund 115.000 Euro ein. Zuvor hatte es schon kleinere Verkäufe gegeben.
Im großen Stil hat sich in den vergangenen Monaten auch Ralf Weber, Sohn des anderen Firmengründers Gerhard Weber, von Aktien des ums Überleben kämpfenden Modekonzerns getrennt. In mehreren Tranchen verkaufte er rund 1,4 seiner einst 1,79 Millionen Anteile. Damit erlöste der im Herbst als Konzernchef abgelöste heutige Aufsichtsrat insgesamt gut 660.000 Euro. Sein Anteil am Konzern sank von 3,9 auf unter ein Prozent. Gerhard Weber selbst hält noch knapp 30 Prozent aller Aktien und ist damit größter Anteilseigner. Der Rest der Papiere ist breit gestreut – vor allem in der Hand von Kleinanlegern.

Gebote von Finanzinvestoren werden bis Ostern erwartet

Verkaufsmotive für die Großaktionäre sind in zwei Richtungen denkbar. Entweder geht es darum, die Aktien noch zu Geld zu machen und dem drohenden Totalverlust zu entgehen, falls ein Investor das operative Geschäft auf eine neue Firma überträgt und die Aktiengesellschaft nur als leere Hülle bliebe. Oder sie beschaffen sich Geld, um mit einem Investor zusammen für einen Neubeginn bereit zu stehen und ihre verbliebenen Aktienpakete werthaltig zu retten.
Wie berichtet, läuft unter Führung der Investmentbank Macquarie weltweit die Suche nach einem Investor, der den hoch verschuldeten Damenmodenkonzern rettet. Mehrere Finanzinvestoren sollen Interesse haben. Deren Gebote werden bis Ostern erwartet. Als Alternative zur Investorenlösung gilt die Entschuldung durch einen Insolvenzplan.

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