Sa., 18.05.2019

Karin Franitza-Oberschelp öffnet ihr Atelier und zeigt den »Grand Pas de Deux« in Ton Die flüchtige Schönheit des Tanzes

Seit mehr als 40 Jahren arbeitet Karin Franitza-Oberschelp mit Terrakotta. Wenn sie am Sonntag, 26. Mai, ihr Atelier in Halle öffnet, zeigt sie erstmals kunstvoll gestaltete Paare im Tanz: den »Grand Pas de Deux«.

Seit mehr als 40 Jahren arbeitet Karin Franitza-Oberschelp mit Terrakotta. Wenn sie am Sonntag, 26. Mai, ihr Atelier in Halle öffnet, zeigt sie erstmals kunstvoll gestaltete Paare im Tanz: den »Grand Pas de Deux«. Foto: Klaudia Genuit-Thiessen

Von Klaudia Genuit-Thiessen

Halle (WB). Erst die schönen Tänzerinnen, jetzt sogar der »Grand Pas de Deux«: Die Skulpturen der Haller Künstlerin Karin Franitza-Oberschelp werden immer raffinierter. Was sie aus dem schwierigen Material Ton herausholt, ist beim Tag des offenen Ateliers am Sonntag, 26. Mai, an der Maximilian-Kolbe-Straße 4 in Halle von 10.30 bis 19 Uhr zu sehen.

Seit mehr als 40 Jahren arbeitet Karin Franitza-Oberschelp jetzt mit Terrakotta. Erst eher handwerklich, seit vielen Jahren ausschließlich als Künstlerin. Gelernt ist gelernt: Die flüchtige Schönheit des Tanzes setzt die gelernte Konstrukteurin für Schwingungsisolierung von Maschinen noch heute mit handfesten Berechnungen um, um ihre Paare gleichmäßig schichtweise aufzubauen. Dreh- und Hebefiguren muss sie schon vor der Gestaltung im Kopf auseinandernehmen, um die Verbindungspunkte zu erkennen. Wo und wie liegt die Hand des Tänzers auf der seiner Partnerin?

»Ich bin immer kurz vor dem Zusammenbruch – genauso wie mein Material«, scherzt die Künstlerin. Die Basis für ihre Arbeit bildet beim »Grand Pas de Deux« eine Ballettaufführung am Zürcher Opernhaus. Der Choreograph Christian Spuck hat mit seinen Tänzern vor geraumer Zeit Verdis »Messa da Requiem« aufgeführt. »So konzentriert habe ich das noch nie erlebt«, sagt Karin Franitza-Oberschelp über die Schönheit und Anmut der Bewegungen.

Rodins Hände und ein Traum

Dabei ist gerade der Tanz seit langem ihr Thema – und zwar nicht nur wegen des Tanztheaters der großen Pina Bausch.

Vor mehr als 40 Jahren hatte die Wahl-Hallerin im Rodin-Museum in Paris ihr ganz persönliches Kunst-Erlebnis: Der berühmte Bildhauer hat zwei überdimensional große Hände aus Stein geschaffen, die sich gegenüberstehen. »Das hat mich beinahe umgehauen«, erinnert sie sich heute an den Besuch. Ganz allein in der Großstadt, fand sie damals nur mit Mühe mit der Métro zurück ins Hotel. Und fiel dort erschöpft in einen Traum. In diesem sah sie zwei Hände, die miteinander tanzen.

»Vielleicht musste ich so viel Erfahrung sammeln, um den Tanz jetzt so darstellen zu können«, sagt Karin Franitza-Oberschelp und zeichnet mit den Fingerspitzen vorsichtig eine zarte Spur auf der Oberfläche der gebrannten Terrakotta nach. Eine lebendige Patina. Wie auf dem Triptychon, das die Künstlerin kürzlich für die große Ausstellung in St. Marien in Osnabrück gestaltet hat. Weil die Tänzerinnen so gut in den Kirchenraum passten, hatte man dort die Ausstellung um zwei Wochen verlängert.

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