Fr., 24.05.2019

Betriebsleiter aus ganz Deutschland sind zu Gast bei Exkursion in Hesseln Wie Falter wieder auf den Acker fliegen

Wie passen Naturschutzmaßnahmen in die betrieblichen Abläufe und ziehen möglichst wenig finanzielle Einbußen nach sich? Wie diese Ziele auf den Flächen von Jürgen Freiherr von Morsey-Picard umgesetzt werden, darüber informierten sich die Beteiligten des Projektes in Hesseln.

Wie passen Naturschutzmaßnahmen in die betrieblichen Abläufe und ziehen möglichst wenig finanzielle Einbußen nach sich? Wie diese Ziele auf den Flächen von Jürgen Freiherr von Morsey-Picard umgesetzt werden, darüber informierten sich die Beteiligten des Projektes in Hesseln. Foto: Klaudia Genuit-Thiessen

Von Klaudia Genuit-Thiessen

Halle (WB). Die ersten Kuckuckslichtnelken in der Triticale auf dem Acker nebenan sind schon gesichtet worden. Schafgarbe, Margeriten und ein bisschen Hahnenfuß werden noch erwartet: Auf dem Land von Jürgen von Morsey-Picard in Hesseln zeigt der Einsatz für die Natur erste, leise Wirkung. Davon überzeugen konnten sich jetzt die Teilnehmer einer zweitägigen Exkursion im Rahmen eines deutschlandweiten F.R.A.N.Z.-Projektes.

Der Landwirt ist einer von zehn Landwirten in Deutschland, die sich im Rahmen eines Projektes des Deutschen Bauernverbandes und der Umweltstiftung Michael Otto gemeinsam für mehr Vielfalt in der Agrarlandschaft einsetzen. Er hat bekanntlich einen Milchviehbetrieb, auf dem er auch auf 170 Hektar Mais, Getreide, Zuckerrüben und Kartoffeln anbaut. Daneben bewirtschaftet er 60 Hektar Grünland und betreibt eine Biogas-Anlage.

Westfälische Kulturlandschaft

Betreut wird der Betrieb in Hesseln von der Stiftung Westfälische Kulturlandschaft. Sie berät den Landwirt zehn Jahre lang bei Auswahl und Planung der verschiedenen Maßnahmen unter dem Dach der Biodiversität, und stellt dem Landwirt einen Ansprechpartner für die Pflege der Flächen und bei der Organisation vor Ort zur Seite. Denn Ziel des Projektes ist es, praxistaugliche und wirtschaftliche tragfähige Naturschutzmaßnahmen zu erproben. Auf konventionell und intensiv bewirtschafteten Flächen Lebensräume schaffen für typische wild lebende Tier- und Pflanzenarten – darum geht es bei dem Projekt, das wissenschaftlich begleitet wird.

Dr. Philip Hunke vom Michael-Otto-Institut sowie die Biologinnen Laura Sutcliffe und Lisa Schnee von der Universität Göttingen waren für ein Monitoring von Pflanzen, Tagfaltern und Samenbank vor Ort. Geleitet wurde die Tagung von Franziska Gawlik und Maria Klaudies vom Deutschen Bauernverband sowie Sibylle Duncker als Projektleiterin der Umweltstiftung. »Die Stimme der Landwirte ist in diesem Dialogprojekt ganz wichtig, um am Ende Maßnahmen zu bekommen, die auch wirklich akzeptiert werden in der Landwirtschaft«, sagte sie.

Samen aus Hörste

Als heimische Fachleute informierten sich Umweltbeauftragter Stephan Borghoff sowie Bernhard Walter von der Biologischen Station auf den fünf Flächen. Die Bio-Station hat beispielsweise aus den Hörster Feuchtwiesen die Samen der typischen Wiesenpflanzen besorgt, die sich auf einer Fläche in der Nähe des Hesselner Bahnhofes wieder etablieren sollen. Neben dieser Grünlandmaßnahme begutachteten die Teilnehmer ein »Erbsenfenster« für die Feldlerche, strukturreiche Blühstreifen, Extensivgetreideflächen und Feldvogelinseln für Kiebitz, Rebhuhn & Co.

Sibylle Duncker: »Wir sind jetzt im dritten Jahr der Maßnahmen. Weil wir statistisch abgesicherte Ergebnisse veröffentlichen wollen, können wir noch nicht ganz viel sagen. Aber es sieht schon so aus, dass die betreuten Flächen größere Blühangebote für Schmetterlinge bieten und dass auf Extensivgetreide-Äckern die Ansiedlung von Wildkräutern höher ist als auf herkömmlichen.«

Das Projekt

Der Name F.R.A.N.Z: klingt dank der Punkte etwas sperrig, kann als Dialog- und Demonstrationsprojekt Impulse in der Agrar- und Umweltpolitik setzen. Er steht für Ressourcen, Agrarwirtschaft,& Naturschutz mit Zukunft. Entwickelt werden sollen effiziente Naturschutzmaßnahmen und Bewirtschaftskonzepte. Praxistauglich und wirtschaftlich tragfähig. Das Verbundprojekt der Umweltstiftung Michael Otto im NABU und des Deutschen Bauernverbandes wird wissenschaftlich begleitet durch die Thünen-Institute für Ländliche Räume und die Uni Göttingen.

 

Kommentare

Diese Diskussion ist geschlossen. Kommentieren ist nicht mehr möglich.

Google-Anzeigen

© WESTFALEN-BLATT
Vereinigte Zeitungsverlage GmbH

Alle Inhalte dieses Internetangebotes, insbesondere Texte, Fotografien und Grafiken, sind urheberrechtlich geschützt. Verwendung nur gemäß der Nutzungsbedingungen.

Anzeige


https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/6633798?categorypath=%2F2%2F2158585%2F2158590%2F2198384%2F2198389%2F2516076%2F