Di., 04.06.2019

Modekonzern gibt sechs Standorte in der Region auf – Gläubiger fordern 275 Millionen Euro Gerry Weber schließt Filialen in OWL

Die Gerry-Weber-Filiale in Bielefeld wird zum 31. Oktober geschlossen.

Die Gerry-Weber-Filiale in Bielefeld wird zum 31. Oktober geschlossen. Foto: Bernhard Pierel

Von Oliver Horst

Halle (WB). Die Krise beim Haller Modekonzern Gerry Weber hat jetzt auch Auswirkungen auf die Kunden in OWL. Das Unternehmen, das sich seit Januar in der Insolvenz in Eigenverwaltung zu sanieren versucht, wird sechs Filialen in der Region schließen. 1500 Gläubiger haben Forderungen von 275 Millionen Euro angemeldet.

Vom Sparkurs betroffen sind in der Bielefelder Innenstadt das Flaggschiff »House of Gerry Weber« ebenso wie eine nahegelegene Filiale der Konzernmarke »Samoon«. Beide Standorte werden Ende Oktober geschlossen. Schon Ende Juli wird die Filiale in Bad Lippspringe aufgegeben. In Bad Salzuflen wird der Laden der Marke Taifun integriert in die Gerry-Weber-Filiale. Ende September werden die Modehäuser am Stammsitz Halle sowie in Versmold geschlossen. Letzteres gilt als Keimzelle des Konzerns. Firmengründer Gerhard Weber hatte in Versmold 1965 sein erstes Geschäft eröffnet.

Modekonzern schließt in drei Phasen 146 von 450 Filialen

Insgesamt schließt der seit Jahren mit hohen Schulden und Verlusten kämpfende Modekonzern in drei Phasen von Ende September bis Ende November 146 von rund 450 Filialen in Deutschland. Weil viele Beschäftigte in Teilzeit arbeiten, sind etwa 650 Mitarbeiter betroffen. Für sie werden derzeit Abfindungsregelungen ausgearbeitet.

Zuvor ist bereits 145 von rund 800 Mitarbeitern in der Zentrale in Halle mitgeteilt worden, dass sie gehen müssen. Die meisten von ihnen haben die Kündigung bereits erhalten, knapp 90 sind in eine Transfergesellschaft gewechselt.

1500 Gläubiger mit Forderungen von gut 275 Millionen Euro

Derweil haben im Insolvenzverfahren der Gerry Weber International AG rund 1500 Gläubiger inzwischen Forderungen von gut 275 Millionen Euro angemeldet. Mit dieser Größenordnung sei gerechnet worden, teilte ein Unternehmenssprecher nach einer Gläubigerversammlung in der Bielefelder Stadthalle mit. Dabei stimmten die Gläubiger dem vom Gericht bestellten Sachwalter Stefan Meyer zu.

Es gebe gut eine Handvoll Angebote von potenziellen Investoren, hieß es bei der Gläubigerversammlung. Auf welchem Weg die Sanierung erfolgt, solle wie geplant noch in diesem Monat entschieden werden. Denkbar ist neben dem Einstieg von Investoren auch die Umsetzung eines Insolvenzplans zur Entschuldung, bei dem die Gläubiger auf Teile ihrer Forderungen verzichten – oder eine Mischform aus beidem. Die Umsetzung der Lösung soll bis Jahresende abgeschlossen sein.

 

 

Kommentare

Diese Diskussion ist geschlossen. Kommentieren ist nicht mehr möglich.

Google-Anzeigen

© WESTFALEN-BLATT
Vereinigte Zeitungsverlage GmbH

Alle Inhalte dieses Internetangebotes, insbesondere Texte, Fotografien und Grafiken, sind urheberrechtlich geschützt. Verwendung nur gemäß der Nutzungsbedingungen.

Mehr zum Thema

Anzeige


https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/6666328?categorypath=%2F2%2F2158585%2F2158590%2F2198384%2F2198389%2F2516076%2F