Di., 04.06.2019

Gerry Weber schließt Geschäfte – Gläubiger fordern 275 Millionen Euro Aus für sechs Filialen in OWL

Das 1999 eröffnete erste »House of Gerry Weber« in Bielefeld galt einst als Flaggschiff und Vorzeigefiliale des Haller Modekonzerns. In den kommenden Monaten wird dieser Standort neben fünf weiteren in OWL geschlossen.

Das 1999 eröffnete erste »House of Gerry Weber« in Bielefeld galt einst als Flaggschiff und Vorzeigefiliale des Haller Modekonzerns. In den kommenden Monaten wird dieser Standort neben fünf weiteren in OWL geschlossen. Foto: Thomas F. Starke

Von Oliver Horst

Halle (WB). Die Krise beim Haller Modekonzern Gerry Weber hat jetzt auch Auswirkungen für Kunden in OWL. Das Unternehmen, seit Januar in Insolvenz in Eigenverwaltung, schließt sechs seiner 15 Filialen in der Region . 1500 Gläubiger haben indes Forderungen von 275 Millionen Euro angemeldet.

Vom nächsten Einschnitt in das Filialnetz betroffen sind in der Bielefelder Innenstadt das 1999 eröffnete Flaggschiff »House of Gerry Weber« ebenso wie ein nahegelegener Laden der Konzernmarke »Samoon«. Beide Standorte werden zum 31. Oktober geschlossen. Ende September werden die Modehäuser am Stammsitz Halle sowie in Versmold aufgegeben. Letzteres gilt als Keimzelle des Konzerns. Firmengründer Gerhard Weber hatte 1965 als 23-Jähriger in Versmold sein erstes Geschäft überhaupt eröffnet.

Schon Ende Juli wird die Filiale in Bad Lippspringe aufgegeben. In Bad Salzuflen wird ein Laden der Marke » Taifun « in die Gerry-Weber-Filiale integriert.

Modekonzern schließt in drei Phasen 146 von 450 Filialen

Insgesamt schließt der seit Jahren mit hohen Schulden und Verlusten kämpfende Modekonzern in drei Phasen von Ende September bis Ende November 146 seiner noch rund 450 Filialen in Deutschland. Zunächst sollte es rund 120 nicht rentable Verkaufsstellen treffen. Weil viele Beschäftigte in Teilzeit arbeiten, sind nach Angaben eines Konzernsprechers etwa 650 Mitarbeiter betroffen. Für sie werden derzeit Regelungen zur Sozialauswahl und für Abfindungen ausgearbeitet.

Zuvor ist, wie berichtet, bereits 145 von rund 800 Mitarbeitern in der Zentrale in Halle mitgeteilt worden, dass sie gehen müssen. Die meisten von ihnen haben die Kündigung bereits erhalten, knapp 90 sind in eine Transfergesellschaft gewechselt.

1500 Gläubiger mit Forderungen von gut 275 Millionen Euro

Einen weiteren Sparkurs mit Stellenabbau und Filialschließungen hatte der Modekonzern schon im vergangenen Jahr angekündigt. Durch die im Januar angemeldete Insolvenz lassen sich die Maßnahmen nun schneller umsetzen. In dem Verfahren gelten Sonderkündigungsfristen von drei Monaten.

Derweil haben rund 1500 Gläubiger der Gerry Weber International AG inzwischen Forderungen von gut 275 Millionen Euro angemeldet. Das teilte der vom Gericht bestellte Sachwalter Stefan Meyer (Lübbecke) am Dienstag bei einer Gläubigerversammlung in der Stadthalle Bielefeld mit. Meyer wurde von den 70 anwesenden Gläubigern offiziell bestätigt. Der Großteil der in der Höhe erwarteten und bekannten Forderungen geht auf Schuldscheine und Bankkredite zurück. Um dies angemessen im Gläubigerausschuss zu repräsentieren, wurde das Gremium von ursprünglich sieben auf nun zehn Mitglieder erweitert.

Eine Handvoll Angebote potenzieller Investoren

Vorstand und Generalbevollmächtigter Dr. Christian Gerloff berichteten über den Geschäftsverlauf, die Sanierungsmaßnahmen und den laufenden Investorenprozess. Es gebe gut eine Handvoll Angebote potenzieller Investoren, hieß es bei der Gläubigerversammlung. In den nächsten Tagen würden verbindliche Angebote erwartet. Im Falle des Einstiegs von Investoren gilt als wahrscheinlich, dass das operative Geschäft auf eine neue Gesellschaft übertragen wird und die börsennotierte Aktiengesellschaft als leere Hülle bestehen bliebe. Den Aktionären droht dann der Totalverlust.

Aktienkurs um 18 Prozent nach oben

Parallel wird aber auch weiter an einer Sanierung über einen Insolvenzplan gearbeitet, um das Fortbestehen des Konzern zu sichern. »Wir werden beide erarbeiteten Lösungen gegenüberstellen«, kündigte Meyer an. Mit dem Gläubigerausschuss solle wie geplant noch im Juni eine Entscheidung getroffen werden. Dabei sei auch eine Mischform aus Investoreneinstieg und Insolvenzplan denkbar. »Wir sind angehalten, die beste Option für die Gläubiger umzusetzen«, betont Meyer. Die Umsetzung der Zukunftslösung solle bis Jahresende abgeschlossen sein. Der Aktienkurs schoss am Dienstag um 18 Prozent auf 42 Cent nach oben.

Vorstandschef Johannes Ehling berichtete derweil von einer weitgehend nach Plan verlaufenden Geschäftsentwicklung. Im Großhandel hätten die Bestellungen die Planungen übertroffen. Im eigenen Einzelhandel habe die Marge gegenüber Vorjahr deutlich und gegenüber der Planung leicht gesteigert werden können.

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