Do., 06.06.2019

Ralf Weber hat »abgeschlossen« – regionaler Sponsor für Stadion gesucht Bruch mit dem Konzern

Ralf Weber und sein Vater und Firmengründer Gerhard Weber sind von der Ankündigung, dass Gerry Weber mehrere Filialen auch in OWL schließt, überrascht worden. Für das Tennisturnier und das Stadion in Halle werden neue Namensgeber gesucht.

Ralf Weber und sein Vater und Firmengründer Gerhard Weber sind von der Ankündigung, dass Gerry Weber mehrere Filialen auch in OWL schließt, überrascht worden. Für das Tennisturnier und das Stadion in Halle werden neue Namensgeber gesucht. Foto: imago

Von Oliver Horst

Halle (WB). Die Nachricht von der Schließung mehrerer Filialen des Modekonzerns Gerry Weber in OWL hat die Gründerfamilie völlig unvorbereitet getroffen. »Wir sind vorab nicht informiert worden. Auch nicht mein Vater, dass die ersten von ihm gegründeten Geschäfte geschlossen werden«, sagt Ralf Weber dem WESTFALEN-BLATT. Zugleich deutet er den Rückzug der Familie aus dem Konzern an.

Am Dienstag hatte, wie berichtet, die Gerry Weber AG mitgeteilt, dass unter den bundesweit 146 Filialen, die bis Ende November geschlossen werden, auch sechs Standorte in OWL sind . Auf der Liste finden sich Geschäfte mit besonderer Symbolkraft: In Versmold hatte Gerhard Weber 1964 seinen ersten Laden überhaupt eröffnet. Das Modehaus in Halle, der Heimatstadt des Konzerns, wird ebenso Ende September aufgegeben. Und das »House of Gerry Weber« in Bielefeld war 1999 als erste eigene Flaggschiff-Filiale von Gerhard Weber und seinem langjährigen Kompagnon Udo Hardieck eröffnet worden.

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Die Entwicklungen beim Modekonzern erfahre ich momentan mehr oder weniger auch nur aus der Presse. Da gibt es gar keine Kommunikation

Ralf Weber

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Die Entscheidungen haben die Gründerfamilie Weber, die zugleich mit fast 30 Prozent größter Aktionär ist, ins Mark getroffen. »Die Entwicklungen beim Modekonzern erfahre ich momentan mehr oder weniger auch nur aus der Presse. Da gibt es gar keine Kommunikation«, sagt Ralf Weber, der bis Ende Oktober 2018 noch Vorstandschef der Gerry Weber AG war. Dass das Ende der Ära Weber spätestens mit der im Januar beantragten Insolvenz in Eigenverwaltung eingeläutet wurde, scheint unausweichlich. »Es ist wie es ist und jeder muss lernen, mit der Situation umzugehen. Wir sind aus dem Unternehmen raus und es treffen jetzt andere die Entscheidungen – Gläubiger, Sachwalter, Vorstand, Anwälte«, sagt Ralf Weber. »Ich habe mit der Sache abgeschlossen.«

Ambitionen scheinen nicht mehr groß zu sein

Zwar führe auch die Familie noch Gespräche im laufenden Investorenprozess zur Rettung des Konzerns. Die Ambitionen scheinen aber nicht mehr groß zu sein: »Gerade was die aktuelle Entwicklung angeht, bin ich außen vor«, sagt Weber. Er widme sich stattdessen seinen Aufgaben als Chef der eigenständigen, von ihm geführten bisherigen »Gerry Weber World« in Halle mit Stadion, Eventcenter, Hotel und Sportpark. »Das alles habe ich quasi seit der ersten Stunde mit aufgebaut. Das ist mein Baby, das ich seit 1992 begleite. Und darauf liegt jetzt mein Hauptaugenmerk.«

Weber kündigt »zeitnah die komplette Trennung« an

Weber kündigte am Mittwoch »zeitnah die komplette Trennung« zwischen der Gerry Weber AG und den Aktivitäten der Firmen der »Gerry Weber World« an. Die 27. Auflage des Rasentennisturniers »Gerry Weber Open« vom 15. bis 23. Juni werde definitiv die letzte mit dem Modekonzern als Hauptsponsor sein. »Der Name Gerry Weber ist nach dem Turnier Geschichte. Der Konzern fällt nach der Insolvenz als Sponsor aus. Die völlige Trennung wird zeitnah erfolgen. Die Zukunft ist aber auf jeden Fall auch ohne Gerry Weber gesichert.«

Neue Sponsoren für Tennisturnier und Stadion gesucht

Nach dem Abschied vom allgegenwärtigen Namensgeber sollen für das Tennisturnier und das Stadion jeweils unterschiedliche Sponsoren gefunden werden . Für das Turnier wird ein nationaler oder internationaler Partner als Titelsponsor gesucht. »Es haben sich einige Interessenten für die Turnierwoche angekündigt, die sich vor Ort ein Bild machen wollen«, sagt Weber.

Beim Stadion setzt der 55-Jährige auf ein Unternehmen aus OWL, um den »Stadionnamen langfristig in der Region zu verankern«. Weber: »Wir spüren sehr große Unterstützung von Unternehmen in der Region und dass sie es zu schätzen wissen, was wir hier auch hinsichtlich des Standortmarketings aufgebaut haben.«

Die Trennung beider Namensrechte habe den Vorteil, »dass wir nicht mehr von einem einzigen Sponsor so abhängig sind«. Es liefen intensive und gute Gespräche. »Ich denke, dass wir in den nächsten Monaten Abschlüsse verkünden können«, sagt Weber.

Kommentare

Warum sollten die Webers informiert werden?

Sind die Webers Gläubiger? Wenn nicht, sind sie rechtlich nur einfache Aktionäre - und sie dürfen nicht besser behandelt werden, also nicht mehr Informationen bekommen, als andere Aktionäre. Alle müssen gleich behandelt werden. Herr Weber hätte ein komisches Verständnis von Aktengesellschaften, sollte er meinen, er hätte Anspruch auf mehr Informationen als andere oder Anspruch auf einen direkten Kontakt.

Gegen die Wand ...

Fehler Nummer eins ist einem Unternehmen seinen Familienamen zu geben. Eine tolle Sache, wenn "der Laden lauft", sehr negativ, wenn nicht. Habe ich selbst erlebt. Bei einer Pleite haben IMMER die Chefs die Schuld, nie Politik, Wirtschaftslage oder Mitarbeiter (und Betriebsrat und Gewerkschaften schon garnicht. Und DANN kommen die Insolvenzhaie, ziehen riesige Summen "zur Rettung des Unternehmens" an Land, bringen i. d. R. wenig zustande, verscherbeln den Rest "für einen Appel und ein Ei" machen u. U. Deals im Graubereich - und verschwinden wieder. Der Name, in diesem Fall WEBER ist für alle Zeiten ruiniert. NUR die Familie hat Schuld. Ich könnte ein Buch schreiben. Die Familie tut gut daran schob jetzt den Schlussstrich zu ziehen und wirklich keinen Cent mehr zu investieren. Das Geld wäre zu 100 % vernichtet. Also: Die Webers machen alles richtig: Sich emotional trennen, wo es schob lange keine Bindung mehr gibt. Carpe diem.

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