Sa., 08.06.2019

Vorstandschef kritisiert Krisenmanagement der Gründerfamilie Gerry Weber: Aktionäre vor Totalverlust

Vorstandschef Johannes Ehling (rechts) und Sanierungsexperte Christian Gerloff.

Vorstandschef Johannes Ehling (rechts) und Sanierungsexperte Christian Gerloff. Foto: Küppers

Halle (WB/OH). Beim insolventen Haller Modekonzern Gerry Weber wird weiter unter Hochdruck an einer Zukunftslösung gearbeitet. Immer mehr spricht inzwischen für den Einstieg eines Investors.

Möglichst Ende Juni, spätestens Mitte Juli solle der Vertrag mit einem Käufer unterschrieben sein, bekräftigte der Generalbevollmächtigte Christian Gerloff gegenüber der »Wirtschaftswoche«. Schon zuvor hatte der hoch verschuldete Konzern als Ziel genannt, die Sanierung und die Insolvenz in Eigenverwaltung bis Jahresende abzuschließen.

Aktionäre stehen möglicherweise vor einem Totalverlust

Die Aktionäre stünden indes vor einem Totalverlust, sagt Gerloff. Sie »können nur dann etwas erhalten, wenn zuvor die Forderungen aller Gläubiger befriedigt worden sind. Dass wir bei Gerry Weber die Gläubiger zu 100 Prozent befriedigen können, sehe ich nicht«, erklärt er. Dass der Aktienkurs noch immer bei rund 40 Cent steht, bezeichnet der Sanierungsexperte als »wilde Spekulationen ohne jede Substanz«.
Wie berichtet, wird derzeit mit einer guten Handvoll Interessenten verhandelt, darunter die Gründerfamilie Weber. »Es gibt einen fairen Wettbewerb zwischen den Bietern – nicht nur um den Preis, auch um das Konzept«, sagt Gerloff.

Vorstandschef kritisiert Krisenmanagement der Gründerfamilie

Vorstandschef Johannes Ehling kritisiert derweil das Krisenmanagement der Gründerfamilie Weber in den vergangenen Jahren und auch jetzt. Die früheren Sanierungsprogramme bezeichnet er als »rückwärtsgewandte Konzepte. Kosten drücken, Mitarbeiter entlassen, aber kaum Ideen für die Zukunftsfähigkeit der Marke.«
Das Geschäft mit den Großhandelskunden sei »wie in den 80er Jahren« geführt worden. Gerloff sagt, dass erst spät erkannt worden sei, dass das Produkt das Problem sei. Als aus Unternehmenssicht »alles sehr unglücklich« bezeichnet Ehling den medial ausgetragenen Streit zwischen Ralf Weber und Textilunternehmer Wolfgang Grupp.

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