Di., 16.07.2019

Robus und Whitebox stellen bis zu 49,2 Millionen Euro zur Verfügung – Sanierung des Haller Modekonzerns wird wie geplant durchgeführt Investoren wollen Gerry Weber übernehmen

Im Rahmen der Sanierung werden zahlreiche Filialen von Gerry Weber geschlossen.

Im Rahmen der Sanierung werden zahlreiche Filialen von Gerry Weber geschlossen. Foto: dpa

Von Bernhard Hertlein und Oliver Horst

Halle (WB). Von den britisch-amerikanischen Investmentgesellschaften Robus Capital Management und Whitebox Advisors verwaltete Fonds wollen die insolvente Gerry Weber International AG übernehmen. Dafür sind sie bereit, bis zu 49,2 Millionen Euro für eine nachhaltige Sanierung des Haller Modekonzerns aufzubringen.

Voraussetzung ist, dass die Gläubiger auf einen Teil ihrer Forderungen verzichten. Dazu sollen sie noch in diesem Quartal ihre Zustimmung geben. Zusätzliches Kapital soll aus dem geplanten Verkauf des im Dezember 2015 eingeweihten Logistikzentrums im Haller Gewerbegebiet Ravenna Park an der Autobahn 33 fließen.

Weiter ist geplant, das Kapital der Aktiengesellschaft auf voraussichtlich null Euro herabzusetzen. Dies träfe auch die Gründerfamilien Weber und Hardieck. Die Anteilsscheine der Altaktionäre würden dann eingezogen. Die neuen Aktien aus der anschließenden Kapitalerhöhung sollen zunächst vollständig von Robus und Whitebox gezeichnet werden. Gläubiger, die ihre Darlehen in Anleihen umwandeln wollen, könnten danach ebenfalls Aktionäre werden.

Vorstand mit Ergebnis zufrieden

Der amtierende Vorstandssprecher von Gerry Weber, Johannes Ehling, begrüßte das Angebot: »Die heute erzielten verbindlichen Vereinbarungen schaffen Klarheit und Sicherheit für Kunden, Geschäftspartner und Belegschaft. Wir können nun mit großem Elan an die weitere Umsetzung der operativen Neupositionierung und Restrukturierung gehen.«

Auch der Generalbevollmächtigte Christian Gerloff äußerte sich positiv: »Das erreichte Verhandlungsergebnis wird eine für Insolvenzverfahren deutlich überdurchschnittliche Insolvenzbefriedigung ermöglichen.« Der Gläubigerausschuss hat bereits einstimmig seine Zustimmung erteilt.

Ende Januar hatte Gerry Weber Antrag auf Insolvenz in Eigenverwaltung gestellt. Das vereinbarte Sanierungskonzept soll wie geplant umgesetzt werden. Geplant und schon eingeleitet sind die Schließung von 146 Markengeschäften und der Abbau von 454 Vollzeitarbeitsplätzen in Deutschland, etwa ein Drittel davon in der Zentrale. Vor einer Woche hat Robus die Mehrheitsanteile an der Tochterfirma Hallhuber übernommen.

Bis November aus der Insolvenz?

Wie Sachwalter Stefan Meyer (Lübbecke) am Dienstagvormittag in einer Telefonkonferenz erläuterte, ist die Gerry Weber International AG nach aktuellen Stand mit 262 Millionen Euro verschuldet, die ebenfalls insolvente Handelsgesellschaft Gerry Weber Retail mit weiteren 35 Millionen. Die Quote, mit der die Ansprüche der Gläubiger abgegolten werden können, werde überdurchschnittlich sein – das heißt: mit einem deutlich zweistelligen Prozentsatz. Gerloff geht davon aus, dass die Gläubigerversammlung bis Ende September durchgeführt werden kann. Stimme sie dem Insolvenzplan zu, könne das Insolvenzverfahren bis zum 1. November, dem Beginn des neuen Geschäftsjahres 2019/20, beendet werden.

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