Mi., 14.08.2019

Neue Werkszufahrt und mehr: Erweiterungsplanung wird wieder offengelegt So sieht Storcks Zukunft aus

Von Stefan Küppers

Halle (WB). Für die geplante Erweiterung des Süßwarenriesen Storck, Halles mit Abstand größtem Arbeitgeber, sind jetzt mehr als 350 Seiten Planunterlagen veröffentlicht worden. Darin einbezogen ist eine neue Verkehrsanbindung an die Haller Westumgehung.

Wegen zahlreicher Veränderungen und Ergänzungen im laufenden Planverfahren hat die Bezirksregierung in Detmold die durch Storck ausgelöste Änderung des Regionalplanes noch einmal öffentlich ausgelegt. Im Dezember 2018 gab es eine erste Auslegung. Jetzt haben Bürger und Behörden sowie andere Beteiligte vier Wochen Zeit, um eventuell Einwendungen zu erheben. Dies ist auch online auf der Homepage der Bezirksregierung möglich.

 

Neue Lkw-Parkplätze

Wie bereits berichtet, plant Storck eine neue Zufahrt von der Westumgehung aus. In den Planunterlagen wird das Vorhaben konkretisiert und eine kurzfristigen Realisierung in Aussicht gestellt. Durch die neue Werkszufahrt im Osten werde eine Neuordnung des Erschließungskonzeptes möglich. Der Lkw-Verkehr solle künftig zu einem erheblichen Teil darüber abgewickelt werden. Dort könnten kontrollierte Lkw-Parkplätze mit Sozial- und Waschräumen angelegt werden. Damit werde eine Entzerrung an der bisherigen Werkszufahrt möglich. An der Margarethe-Windthorst-Straße, angrenzend an bisherige Parkplätze, plant Storck zudem ein neues Parkhaus mit 1000 Stellplätzen, auch um Fläche einzusparen (siehe Karte).

 

Erweiterung um 18 Hektar

Storck will mehr Trinkwasser fördern

Storck benötigt für seine Fertigung künftig mehr Trinkwasser. Derzeit wird laut Planunterlagen die Anlage eines neuen Brunnens südlich der A33 beziehungsweise die Versorgung durch mehr Stadtwasser seitens der TWO geprüft. 2018 hat die Storck 450.000 Kubikmeter Trinkwasser aus sechs Brunnen auf dem Werksgelände gefördert. Hinzu kamen 100.000 Kubikmeter Fremdbezug. Ein Antrag auf dauerhafte Erhöhung der Förderrechte auf 550.000 Kubikmeter jährlich soll bis Ende September gestellt werden. Die Wasserbedarfe rühren aus hohen Hygienestandards bei der Herstellung hochwertiger Produkte sowie aus der stetig gewachsenen Zahl von Fertigwaren.

Storck verweist gleichwohl auf seine Anstrengungen beim Wassersparen. Seit den 80er Jahren sei die Frischwassermenge von damals 6 Kubikmeter je Tonne Fertigware auf 3,3 Kubikmeter je Tonne in den letzten zehn Jahren gesunken. Zum Vergleich wird Nestlé angeführt, das 2017 5,2 Kubikmeter je Tonne Fertigware verbraucht habe.

Durch den Ankauf des Grundstückes der Familie Rieke an der Arrode in einer Größenordnung von 2,5 Hektar sowie weitere Zukäufe steigt die Erweiterungsfläche auf rund 18 Hektar. Bekanntlich sind dem Bereich zwischen dem Paulinenweg und dem Steinhausener Weg insgesamt vier neue Werkhallen und ein Verwaltungsgebäude geplant. Unternehmenssprecher Dr. Bernd Rößler hat in diesem Zusammenhang dem WB gegenüber klargestellt, dass die vermutete Zahl von 1700 neuen Arbeitsplätzen (400 pro Werkhalle und 100 in der Verwaltung) sehr spekulativ sei. Denn der Effekt der Digitalisierung könne noch nicht beziffert werden. Etwa 1000 Arbeitsplätze mehr hält Rößler jedoch für möglich.

 

Neue Zufahrt löst Probleme

Die neue Werkszufahrt könnte gleich mehrere Probleme lösen. Da der bislang öffentliche Paulinenweg künftig ins Werksgelände mit einbezogen wird, können über die neue Anbindung auch die wenigen Häuser südlich der A33 mit angeschlossen werden. Der Steinhausener Weg, derzeit ein Waldweg, müsste daher nicht ausgebaut werden. Eine Anbindung der Siedlung Arrode an die neue Zufahrt ist nicht vorgesehen, um neue Schleichverkehre aus der Kernstadt zu vermeiden. Die grundsätzliche Umsetzbarkeit der neuen Zufahrt an der Theenhausener Straße ist laut Planunterlagen vom Landesbetrieb Straßen NRW bereits bestätigt worden.

 

Gutachten entlastet

Die Planunterlagen enthalten auch eine umfängliche Umweltstudie, die im Ergebnis zu einer Verträglichkeit des Vorhabens kommt. Wegen der Nähe des besonders geschützten FFH-Gebietes Tatenhauser Wald wurde im Juli noch ein Gutachten zu voraussichtlichen Stickstoff-Lasten aus dem Kfz-Verkehr und durch den künftigen Gesamtbetrieb vorgelegt. Ergebnis: Der Verkehr und auch ein Drei-Schicht-Betrieb von Montag bis Samstag führe nicht zu einer relevanten Zusatzbelastung für die stickstoff-empfindlichen Lebensraumtypen im FFH-Gebiet. Neben einem Konzept für den Ausgleich des Eingriffs legt der Umweltbericht auch dar, wie der Artenschutz zum Beispiel für Fledermäuse sichergestellt werden kann (Schaffung von Ersatzquartieren). Weil durch die Erweiterung auch wertvolle Plaggenesch-Böden verloren gehen, soll nach Empfehlungen des Geologischen Dienstes dieses kulturhistorische Bodenarchiv durch Aufgrabungen dokumentiert werden.

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