Do., 15.08.2019

Haller Modekonzern macht auch im Marketing einen Neuanfang Gerry Weber wirbt grauhaarig

Gerry Weber wirbt mit Milva Spina (52). Die gebürtige Italienerin färbt ihre Haare seit 2014 nicht mehr – seither häufen sich die Aufträge.

Gerry Weber wirbt mit Milva Spina (52). Die gebürtige Italienerin färbt ihre Haare seit 2014 nicht mehr – seither häufen sich die Aufträge.

Von Oliver Horst

Halle (WB). Der Modekonzern Gerry Weber will nach der Rettung durch den geplanten Einstieg zweier ­Finanzinvestoren mit einer veränderten Marketingstrategie neu durchstarten. Erstmals wird das Haller Unternehmen, das Mode für Frauen ab 40 und vor allem 50 aufwärts macht, auch mit einem grauhaarigen Model werben.

Der Konzern legt von September an eine millionenschwere Kampagne auf – mit TV-Spots, 35 Millionen Beilagen in Frauenzeitschriften im Herbst 2019, Frühjahr und Herbst 2020 sowie Aktivitäten in sozialen Netzwerken. Verbunden ist dies auch mit einem neuen Slogan: »Gerry Weber – ich lebe meinen Stil.« Viel stärker als zuvor soll die Werbung auf die Kernzielgruppe ausgerichtet sein: die selbstbewusste Frau 50plus. Das hatte Konzernchef Johannes Ehling (52) schon im Januar angekündigt. Gerry Weber wolle »einen Aha-Effekt erzielen«.

Vorbei die Zeit, in der nur relativ junge, dünne Frauen die Kleidung zur Schau trugen, die im realen Leben auch die Seniorin von nebenan kaufen soll. Zuletzt hatte das ins reifere Alter gekommene Top-Model Eva Herzigova (46) der Marke ein Gesicht gegeben. Nun will Gerry Weber nahbarer werden. »Wir müssen neu denken, um unsere Kundinnen zeitgemäß anzusprechen«, erklärt Marketingleiter Simon Hoecker.

Grauhaarig und blond

Das gilt insbesondere für die Marke Gerry Weber. Die Herbst-/Winterkollektion wird in den zwölfseitigen Beilagen von Milva Spina (52), dem grauhaarigen Model im besten Alter, aber auch einer jüngeren, blonden Frau präsentiert. In den TV-Spots indes, die im Oktober und November bei ARD, ZDF sowie Privatsendern laufen und so 90 Prozent der Zielgruppe erreichen sollen, spielen nur Models mittleren Alters eine Rolle: die der selbstbewussten Frau, die Männern Paroli bieten. Bei der sportiveren Marke »Taifun« sowie »Samoon«, dem Label für größere Größen, die beide ihre Zielgruppe bei Frauen ab 40 definieren, kommen weiterhin keine Best-Ager-Models zum Einsatz.

Der Konzern, der noch immer in der Insolvenz in Eigenverwaltung steckt, werde für die Kampagne das Werbebudget nicht erhöhen, hatte Ehling angekündigt. Das Geld werde nur anders verteilt. Der Modekonzern ist als Titelsponsor beim unter dem Namen »Gerry Weber Open« bekannten Haller Rasentennisturnier ausgestiegen. Auch als Namensgeber der Multifunktionsarena scheidet das Unternehmen aus. Für beide Werbe-Aktivitäten hatte Gerry Weber in Spitzenzeiten mehr als vier Millionen Euro pro Jahr ausgegeben.

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