Für 90 Millionen Euro hatte der Modekonzern es erbaut, nun soll es nur 25 Millionen bringen
Gerry Weber muss Logistikzentrum an der A33 verkaufen

Halle (WB). Der Insolvenzplan setzt dem Haller Modekonzern Gerry Weber feste Fristen für den Verkauf seiner verbliebenen zwei großen Vermögenswerte: das Logistikzentrum und der 12-Prozent-Anteil an der Münchner Modefirma Hallhuber. Der Erlös soll an die Gläubiger ausgeschüttet werden.

Donnerstag, 29.08.2019, 05:22 Uhr aktualisiert: 29.08.2019, 16:06 Uhr
Das 2014/15 für 90 Millionen Euro erbaute Logistikzentrum an der A 33 in Halle muss bis Ende 2021 verkauft werden. Erwartet wird ein Preis von noch rund 25 Millionen. Foto: Oliver Schwabe
Das 2014/15 für 90 Millionen Euro erbaute Logistikzentrum an der A 33 in Halle muss bis Ende 2021 verkauft werden. Erwartet wird ein Preis von noch rund 25 Millionen. Foto: Oliver Schwabe

Das Logistikzentrum an der A33 muss laut Insolvenzplan bis Ende 2021 verkauft sein. Es habe sich »für die langfristige Fortführung des Unternehmens als wirtschaftlich nicht sinnvoll erwiesen«. Schon länger ist bekannt, dass die Auslastung gering ist und die Kosten zu hoch sind. Die erst 2014/15 für rund 90 Millionen Euro erbaute größte Einzelinvestition in der Firmengeschichte soll nach Abzug aller Kosten zwischen 23,5 und 26 Millionen einbringen. Der Verkaufspreis dürfte noch etwas höher liegen.

In einem Ausschreibungsverfahren hatte Gerry Weber im Frühjahr bereits Angebote für die Vergabe der Logistik an einen externen Dienstleister eingeholt. Zudem sollen sich drei Kaufinteressenten für das Zentrum mit zuletzt 230 Mitarbeitern gefunden haben. Geplant ist eine zweijährige Übergangszeit, damit der Modekonzern seine Logistik geordnet umstellen kann.

Das passiert, wenn die Fristen nicht eingehalten werden:

Den nach dem Teilverkauf im Februar noch verbliebenen 12-Prozent-Anteil an Hallhuber muss der Konzern bis Ende 2024 veräußern. Hier wird ein Nettoerlös von rund 5 Millionen Euro erwartet.

Sollte Gerry Weber die Fristen nicht einhalten, sieht der Insolvenzplan vor, dass ein Treuhänder die Verwertung übernimmt. Die Gläubiger sollen, wie berichtet , mindestens 31,5 Prozent der festgestellten Forderungen von 261 Millionen Euro erhalten. Großgläubiger mit Forderungen von mehr als einer Drittelmillion können sich bei einem Teilverzicht von 70 Prozent auch für fest verzinste Wandelanleihen entscheiden. Ende 2023 können sie diese in bis zu 2,09 Millionen neue Aktien des Modekonzerns eintauschen.

Alt­aktionäre gehen leer aus

Wie berichtet, gehen die Alt­aktionäre leer aus. Ihre Papiere werden eingezogen. Sie dienen im Zuge einer Kapitalherabsetzung zum Ausgleich von Verlusten und Wertminderungen. Nur 8733 alte Aktien bleiben außen vor, um die Börsenzulassung zu erhalten. Diese Aktien werden dann auf die beiden Finanzinvestoren Robus und Whitebox übertragen, die zugleich rund eine Million neue Aktien zeichnen. Die Investoren zahlen dafür rund eine Million als Bareinlage, stellen 31,2 Millionen für die Zahlungen an die Gläubiger zur Verfügung sowie dem Konzern 15 Millionen als Betriebsmittelkredit. Um die Börsenzulassung sicherzustellen und einen Handel zu gewährleisten, werden Robus und Whitebox einen Teil ihrer Aktien für den freien Handel verkaufen müssen. Die Börsenvorgaben sehen im regulierten Markt 25 Prozent als Mindestquote vor – es gibt aber Ausnahmen.

Derweil belaufen sich die Verfahrenskosten laut Insolvenzplan auf 5,275 Millionen Euro. Ein Sprecher von Sachwalter Stefan Meyer (Lübbecke) teilte mit, dass es sich dabei nur um eine »grobe Schätzung« handele. Die Abrechnung erfolge am Ende nach der entsprechenden Vergütungsverordnung.

Abgestimmt wird über den Insolvenzplan am 18. September in der Bielefelder Stadthalle.

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