Fr., 13.09.2019

Politik gibt dennoch grünes Licht für Storck-Planung – Nur Winter (Grüne) sagt »Nein« Storck: Das Wasser macht manchen Sorgen

Diese Luftaufnahme vom Storck-Gelände ist ziemlich genau ein Jahr alt, wie am Ausbaustand der A33 (unten) zu sehen ist. Der Waldbereich rechts vom Paulinenweg (führt über die Autobahn) wird von Storck mit neuen Produktionshallen überplant.

Diese Luftaufnahme vom Storck-Gelände ist ziemlich genau ein Jahr alt, wie am Ausbaustand der A33 (unten) zu sehen ist. Der Waldbereich rechts vom Paulinenweg (führt über die Autobahn) wird von Storck mit neuen Produktionshallen überplant. Foto: Ulrich Fälker

Von Stefan Küppers

Halle (WB). Das Grundwasser stellt sich nach der Diskussion im Haupt- und Finanzausschuss als einer der zentralen Konfliktpunkte bei der Erweiterungsplanung der August Storck KG dar. Gleichwohl gab es von der Haller Politik am Mittwochabend ein klares unterstützendes Votum für die Erweiterungsplanung mit den vorgelegten Änderungen, allerdings mit einer Gegenstimme.

Wie mehrfach berichtet, läuft bei der Bezirksregierung in Detmold ein durch die Storck-Planung ausgelöstes Änderungsverfahren für den Regionalplan, das sich in einer zweiten Offenlage befindet, und zu dem auch die Stadt Halle gehört wird. Stadtplaner Dirk Tischmann stellte nochmals die wesentlichen Änderungen vor, insbesondere die Ausweitung des Erweiterungsbereiches um 2,5 auf nunmehr 18 Hektar, was dem Unternehmen eine neue Zufahrt an der Westumgehung mit Neuorganisation insbesondere des Lkw-Verkehrs ermöglicht. Tischmann betonte, dass zu diesem Zeitpunkt insbesondere die wasserrechtlichen Fragen noch nicht alle beantwortet werden könnten.

Neue Lkw-Zufahrt von Storck auf Westumgehung wird von allen begrüßt

Beim Thema Schallschutz hingegen sei in der Planung alles fortgeschrieben und geprüft worden. Tischmanns Fazit: »Das funktioniert sehr gut.« Besonders wichtig aber sei das jüngste Gutachten zu den Stickstoff-Einträgen in den nahen FFH-Gebieten gewesen. Hier bleibe Storck weit entfernt von den vorgegebenen Grenzwerten. Tischmann: »Wäre das anders gewesen, hätte dies ein K.O.-Kriterium sein können.« So aber sei damit zu rechnen, dass die Bezirksregierung bis Jahresende oder noch im Winter ihr Planverfahren abschließen könne.

In der Diskussion waren sich alle Fraktionen einig, dass die neue Lkw-Zufahrt mit dortiger Wartezone (inklusive Dusch- und Sozialräume) an der Westumgehung aus vielerlei Gründen eine klare Verbesserung der bisherigen Situation darstellt. Eine Entzerrung der Verkehrsbewegungen am derzeitigen Haupteingang von Storck sei auch deshalb wichtig, weil auf Sicht der »Haller Willem« im Halb-Stunden-Takt fahren soll, meinte Wolfgang Bölling (SPD). Dass der bisher verrohrte Laibach wieder geöffnet werde, sei absolut positiv. Und die künftigen Wasserförderrechte von Storck werde der Kreis Gütersloh schon vernünftig abklären, sagte Bölling.

Wasserfrage ist auch aus Sicht der CDZ »elementar«

Die Wasserfrage bezeichnete Hendrik Schaefer (CDU) als »elementar«. Angesichts der massiven Trockenheit insbesondere der letzten beide Jahre müsse genau geprüft werden, wie die weiteren von Storck beantragten 100.000 Kubikmeter zusätzliche Fördermenge im Jahr aus dem Boden noch rausgeholt werden könnten, meinte der Landwirt. Die CDU will jetzt angesichts der vielen trocken fallenden Bäume im Tatenhauser Wald außerdem geprüft sehen, inwieweit geklärtes Abwasser von der künftigen Zentralkläranlage in Künsebeck zurück in den Bereich Tatenhausen und insbesondere in den Laibach erfolgen kann.

»Das Wasserthema hat uns in der Fraktion intensiv bewegt«, sagte Jochen Stoppenbrink. Die Wasserproblematik müsse nun in den weiteren Schritten gelöst werden, signalisierte er die Zustimmung zumindest der Mehrzahl der Grünen. »Wir als Grüne haben aber die klare Erwartung, dass der Wasserschutz mehr als bisher an die Spitze der politischen Tagesordnung gehört«, fügte Stoppenbrink hinzu.

Grüner Frank Winter setzt den großen Kontrapunkt

Klaus-Peter Kuntze (FDP) wies darauf hin, dass sich Storck in der Vergangenheit beim Umgang mit Natur und Wasser aufgeschlossen und sehr verantwortungsvoll gezeigt habe. Im übrigen sei die unternehmerische Entscheidung, am Standort Halle den Ausbau vorzunehmen, nicht selbstverständlich. Karl-Heinz Wöstmann (UWG) zeigte sich froh, Storck als großen Arbeitgeber im Ort zu haben, mahnte aber ebenfalls eine sehr sorgfältige Befassung mit dem Thema Wasserförderung an.

Den Kontrapunkt des Abends setzte Frank Winter (Grüne), der sein Nein zu der vorgelegten Planung damit begründete, dass es einen geben müsse, der den besorgten und kritischen Menschen eine Stimme gebe. »Wir erleben derzeit einen dramatischen Klimawandel und stehen erst am Anfang«, sagte Winter und verwies auf seine persönlichen Erfahrungen in seinem Wohnort Bokel. Der Ortsteil sei früher eine nasse Ecke gewesen. Vor einiger Zeit habe er 2500 Pappeln und 1000 Erlen gepflanzt. Doch weil der Pegelstand um 25 Zentimeter gesunken sei, seien ihm viele der Bäume vertrocknet. Winter: »Wenn man die 25 Zentimeter weniger Wasserstand in Bokel aufs Stadtgebiet hochrechnet, sind wir schon bei 175.000 Kubikmeter im Jahr«, rechnete Winter vor. Nachgeprüft werden konnten diese Aussagen nicht. Abschließend meinte Winter: »Die Formel Wohlstand durch Wachstum darf nicht von Notstand durch Wachstum abgelöst werden.«

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