Fr., 11.10.2019

»Frühe Hilfen«: Was Einrichtungen tun können – mehr als 80 Teilnehmer in Halle Netzwerk soll Eltern entlasten

Die Mitarbeiter vom Kreis führten durch das 9. Netzwerktreffen Frühe Hilen mit dem Schwerpunkt »Ein-Eltern-Familien und die besonderen Belastungen«: (von links) Ingrid Klefke, Lisa Wendt, Ina Hirch, Melanie Schlüter, Heinrich Ordelheide.

Die Mitarbeiter vom Kreis führten durch das 9. Netzwerktreffen Frühe Hilen mit dem Schwerpunkt »Ein-Eltern-Familien und die besonderen Belastungen«: (von links) Ingrid Klefke, Lisa Wendt, Ina Hirch, Melanie Schlüter, Heinrich Ordelheide. Foto: Anna Lisa Tibaudo

Von Anna Lisa Tibaudo

Halle (WB). »Ich würde gerne weniger arbeiten, aber man braucht ja jeden Cent«, ist die Aussage vieler Alleinerziehenden, die sich wenigstens abends gern ihren Kindern widmen würden. Aber zuhause angekommen, geht es gleich mit der Arbeit weiter. Was Einrichtungen tun können, um den Ein-Eltern-Familien etwas Druck von den Schultern zu nehmen, darüber informierten sich über 80 Teilnehmer bei dem 9. Netzwerk-Fortbildungstreffen Frühe Hilfen in der Remise.

Manchmal hilft schon eine Tasse Tee, die man anbieten kann, um den Druck etwas rauszunehmen. Hilfreich ist auch eine großzügige Haltung, wenn das Elternteil es wiedermal nicht rechtzeitig geschafft hat, einen Termin einzuhalten. Verlängerte Öffnungszeiten sind ebenfalls Thema gewesen. Diese und noch viele weitere Ideen sammelten die Teilnehmer diese Netzwerktreffens, das den Charakter einer Fortbildung hat.

Arbeitsgruppen je Kommune

In Arbeitsgruppen, die nach den jeweiligen Kommunen Steinhagen, Halle, Werther und Borgholzhausen aufgeteilt waren, erörterten die Teilnehmer ihre jeweilige Sachlage. »Jede Einrichtung muss für sich gucken, was in ihrem Fall passen könnte, um ein gutwollendes Umfeld zu schaffen«, sagt Heinrich Ordelheide von der Netzwerk-Koordination der Regionalstelle Nord, Abteilung Jugend des Kreises Gütersloh, der gemeinsam mit seiner Kollegin Lisa Wendt diese Veranstaltung organisiert hat.

Wie sich die Problematik von Alleinerziehenden im Detail darstellt, berichteten die Fachfrauen vom Kreis Gütersloh Melanie Schlüter, Abteilung Arbeit (Jobcenter), Barbara Grube, Abteilung Jugend (Kindertagesbetreuung) und Helga Kießling, Abteilung Jugend, (Unterhaltsvorschuss).

Der Tag von Alleinerziehenden ist dicht getaktet

Es gibt vieles, womit sich Alleinerziehende herumplagen müssen und in der Regel alles selbst managen müssen.« Der Tag von Alleinerziehenden ist dicht getaktet. Es gibt unfassbar viele Termine, die nebenbei wahrgenommen werden müssen. Das sind echte Zeitfresser«, sagt Ordelheide. Beispielsweise Arzttermine, Schultermine, Anträge, die stets neu beantragt werden müssen, Gerichtstermine, Sorgerechtsangelegenheiten, der Ex-Mann, der sich einmischt, dann - nicht zu vergessen – Haushalt machen. Neben dem Zeitmangel und Geldmangel ist das schlechte Gewissen ein ständiger Begleiter.

Studien belegen erhöhte psychosoziale und gesundheitliche Belastungen für Alleinerziehende und ihre Kinder. »Man steht ständig unter Strom und steht oft alleine da«, ist eine weitere Aussage von Alleinerziehenden, die den Teilnehmern präsentiert wird. Dabei ist es wichtig, das Kind mit seinen Bedürfnissen nicht zu vergessen und eine gute Bindung zu ihm aufzubauen. Dafür brauchen Ein-Eltern-Familien qualitative Zeit.

Bindung aus wissenschaftlicher Sicht

Wie sich das Thema Bindung aus wissenschaftlicher Sicht darstellt, referierte auf Einladung des Netzwerktreffen Frühe Hilfen Prof. Dr. Peter Zimmermann, Inhaber des Lehrstuhls Entwicklungspsychologe an der Universität Wuppertal. Sein Vortrag lautete: »Bindung und Autonomie als Resilienz Faktoren beim Aufwachsen von Kindern unter familiären Belastungen.«

Die Teilnehmer dieser Fortbildung kamen beispielsweise aus den Bereichen Erziehung, Sozialarbeit, Polizei, Geburtshilfe, Jobcenter, Ambulante Dienste, Psychologie, Familienzentren, Kitas, Offener-Ganztag.

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