So., 10.11.2019

Haller Bürger fragen: Dr. Schmitthenners Antworten zu Lungenentzündung Damit ist nicht zu spaßen

Die Lungenentzündung ist die am häufigsten tödlich verlaufende Infektionskrankheit in Westeuropa, informierte Dr. Jörg Schmitthenner bei seinem Arztvortrag im Klinikum.

Die Lungenentzündung ist die am häufigsten tödlich verlaufende Infektionskrankheit in Westeuropa, informierte Dr. Jörg Schmitthenner bei seinem Arztvortrag im Klinikum. Foto: Anna Lisa Tibaudo

Von Anna Lisa Tibaudo

Halle (WB). »Das ist ein anspruchsvolles Thema«, bekennt Dr. Jörg Schmitthenner, Chefarzt der Klinik für Pneumologie, Schlaf- und Beatmungsmedizin im Klinikum Halle, zu Beginn seines Vortrags über die Lungenentzündung.

Dass diese Krankheit nicht nur Fluch, sondern für manchen auch Segen sein kann, war dem Publikum in kleiner Runde in der Reihe ›Bürger fragen – Ärzte antworten‹ so noch nicht bewusst.

Denn für manch alten bettlägerigen Menschen, der sein Leben nicht künstlich in die Länge ziehen möchte, erfährt durch eine unbehandelte Lungenzündung einen ruhigen Tod: Der Patient wird zunehmend komatös und verstirbt sanft. »Dies kann als Segen gesehen werden«, sagt der Arzt.

Gefährliche Infektionskrankheit

Die Lungenentzündung bereitet den Medizinern im Alltag viel Sorge. Denn sie ist die am häufigsten tödlich verlaufende Infektionskrankheit in Westeuropa – noch vor Herzinfarkt und Schlaganfall. Bis zu 500.000 Menschen in Deutschland erkranken jährlich daran. Ein Drittel von ihnen benötigt eine Behandlung im Krankenhaus. Weltweit versterben drei bis vier Millionen Menschen jährlich daran.

Ursache ist meist eine Infektion der Lungenbläschen und -gewebe mit Bakterien, seltener mit Viren, Pilzen oder Parasiten. Auch eingeatmete Gase, Staub oder Strahlen können Auslöser sein. Besonders gefährdet sind Kinder, ältere Menschen, Menschen mit Herz- oder Lungenerkrankungen, Immunschwäche, Diabetes, aber auch Alkoholmissbrauch.

Bei der kniffligen Diagnose ist zu unterscheiden, ob sich der sonst gesunde Patient außerhalb oder im Krankenhauses angesteckt hat. Denn im Krankenhaus gesellen sich oft resistente Keime zu den Bakterien, die die Lungenentzündung hervorrufen. Dadurch kommt es oft zu Komplikationen. Gefahr besteht auch für Patienten mit Vorerkrankungen anderer Art.

Genaue Diagnose nötig

Die Mediziner unterscheiden zwischen der infektiöser, der nicht infektiöser und der aspiranten Lungenentzündung, bei der eingeatmete Mageninhalte in die Lunge geraten.

Typische Symptome bei einer Lungenentzündung sind Fieber, Schüttelfrost, Atembeschweren, Husten und Verwirrtheit. Sind andere Krankheitserreger mit im Spiel, können die Symptome auch untypisch und weniger dramatisch verlaufen.

Bei der Diagnose der Lungenentzündung besteht Verwechslungsgefahr mit einer (chronischen) Bronchitis, Tumoren, Fremdkörper in den Bronchien oder einer Rippenfellentzündung. Wichtige Untersuchungen sind Abhören und Abklopfen der Lunge, Röntgen, Ultraschall oder CT. Behandelt werden Lungenentzündung mit Antibiotika und Bettruhe. Bis zu drei Monaten nach Abklingen der Pneumonie kann der Betroffene die Nachwirkungen wie Abgeschlagenheit noch spüren.

Impfen hilft nur bedingt

Eine Impfung gegen alle möglichen Erreger der Lungenentzündung gibt es nicht. Deshalb werden für Risikogruppen drei verschiedene Impfungen empfohlen: die Pneumokokken-Impfung, die Grippe-Impfung und für Kinder die Haeophilius-Influenzae-Impfung.

Die beste Möglichkeit einer Lungenentzündung vorzubeigen, besteht in einer allgemein gesunden Lebensführung, Vitamin- und abwechslungsreiche Kost und viel Bewegung an der frischen Luft.

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