Sa., 09.11.2019

Wie sich die Arbeit von Kulturmanagerin Susanne Debour über die Jahre in Halle ausgewachsen hat Die Allesmacherin nimmt bald Abschied

Susanne Debour (63) hat über mehr als 20 Jahre das Haller Kulturleben vom Rathaus aus mit geprägt. Schon bald geht sie in den Ruhestand. Doch wer und was kommt nach ihr?

Susanne Debour (63) hat über mehr als 20 Jahre das Haller Kulturleben vom Rathaus aus mit geprägt. Schon bald geht sie in den Ruhestand. Doch wer und was kommt nach ihr? Foto: Genuit-Thiessen

Von Klaudia Genuit-Thiessen

Halle (WB). Wenn nur die Sache mit dem Theater nicht so dramatisch gescheitert wäre. Ist Halle womöglich doch ein Pflaster ohne Drang nach Kultur? Das kann Susanne Debour nicht wirklich glauben nach Jahrzehnten voller Bach-Tage und offenen Künstler-Ateliers, Veranstaltungen wie Unikat, Konzerten, Ausstellungen und anderen Terminen, wo sich halb Halle gern zu treffen pflegt.

Und sogar die andere Hälfte lockt Halles Kulturfrau seit fast 20 Jahren mindestens zu Himmelfahrt auf die Straße, die in wenigen Monaten im Frühjahr 2020 in den Ruhestand wechseln wird und für deren Nachfolge bereits eine Stellenausschreibung von der Stadt gestartet worden ist. Denn nicht nur Kirmes, Kletterei und leckerer Kuchen, sondern auch Kleinkunst und Kabarett haben das Stadtfest Haller Willem zur festen Größe im Terminkalender der Stadt gemacht.

Eine feste Größe

Ist es deshalb schon ein Selbstläufer? Wer die Großveranstaltung auf die Beine stellen will, braucht mehr als nur Pläne für Standplätze und Gebührensatzung – auch von Amts wegen. Eine Portion Organisationstalent gehört dazu, Kontakte zu Vereinen, Organisationen und in die (Kultur-)Szene. Und ein guter Name. Denn was die (technischen) Möglichkeiten angeht, brauchen Kreative jeder Couleur nicht nur himmelblaue Ideen, sondern auch erdverbundene Verlässlichkeit.

Genau darum klingelt nämlich ständig das Telefon bei der 63-jährigen Bielefelderin: wegen 1000 kleiner Sachen und weil das Kulturbüro Kompliziertes einfach macht. Kunst ist schön, macht aber viel Arbeit, hat schon Karl Valentin gesagt. Der Puppenspieler will irgendwann wissen, wann er seinen Kasper zum Theaterfest in der Lederfabrik abstellen kann.

Immer neue Ideen

Der Haller, der die Bands zum Fabrikfestival eingeladen hat, und die Flüchtlingsberatung haben Interesse an musisch-szenischen Ergänzungen. Und erinnern sich an ein früheres Heimatprojekt, wo die Stadt… Die Kinder-Rock-Band Randale hat wieder wegen eines Festivals angefragt. Und die Kabarett-Nummer hat sich längst etabliert. »Ich muss mir nicht alles selbst ausdenken, was in Halle kulturell läuft. Wenn ich die Ideen anderer interessant finde, steige ich aber gern ein«, sagt Susanne Debour.

Die Haller profitieren von der Vielfalt auf der Kultur-Bühne der Stadt – ganz egal wo die gerade aufgebaut wird: auf dem Kirchplatz, wie zum Bach-Tage-Jubiläum bei »Orpheus im Taubenhaus«, in der Remise oder der Alten Lederfabrik. Oder gar auf dem Friedhof. Eine sagenhafte Inszenierung samt Illumination beim ersten Stadtfest ist unvergessen: Elfen vom SC Halle, Blechbläser von Megaforte, die Schreibwerkstatt, der Opernchor Megaforte. Feuerjonglage, Wasserorgel und Rockmusik haben den Abend zu etwas Ungewöhnlichem gemacht. Nur die Harfinistin ist damals im Regenguss abgeschmiert.

Vom Klassenzimmer ins Rathaus

Susanne Debour ist eigentlich studierte Lehrerin mit den Fächern Geschichte und Kunst und gelernte Kulturfrau. Eingestellt worden ist sie mal im Rathaus, um im Bürgerzentrum ein Programm anzubieten. Die Arbeit hat sich dann ausgewachsen. Wohin mit den Bach-Würfeln vom Kirchplatz? Oder mit dem Hochkreuz von Schepp? Der Kirchenmusikdirektor war schon oft froh, wenn das Kulturbüro eine pragmatische Lösung gefunden hat. Dass Halle dadurch einen Skulpturenpark bekommen hat, ist geradezu ein Abfallprodukt. Debour hat damit die Kulissen ein wenig verschoben – damit viele Haller auf und hinter der Bühne mitmachen können. Vielleicht auch mal als Theaterpublikum.

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