Warum historisches Gehöft weichen muss und zum Beispiel keine neue Kita werden sollte
Hunderte Jahre alter Hof verschwindet

Halle (WB). Die sogenannten Plaggenesch-Untersuchungen in diesem Jahr haben erwiesen, dass auf dem Boden in dem Bereich zwischen Künsebecker Weg und Bahntrasse sowie Schloerstraße und Neulehenstraße seit etwa 1000 Jahren Landwirtschaft betrieben worden ist.

Dienstag, 24.12.2019, 04:00 Uhr
Es war einmal am Gartnischkamp: Bis auf die geschätzt 200 Jahre alte Linde im Vordergrund werden das Haus, die Hecken und die Bäume beseitigt. Foto:
Es war einmal am Gartnischkamp: Bis auf die geschätzt 200 Jahre alte Linde im Vordergrund werden das Haus, die Hecken und die Bäume beseitigt.

Hier wird demnächst das Neubaugebiet Gartnischkamp mit 100 Bauplätzen entstehen. Und dafür ist in diesen Tagen mit dem Abriss eines Bauernhofes begonnen worden, der eine mehrere hundert Jahre alte Geschichte aufweist. Wie alt der Hof genau ist, ist auch den letzten Eigentümern nicht bekannt. Doch er dürfte wesentlich älter sein, als das was als Jahreszahl 1811 auf einer alten Bank unter einer geschätzt über 200 Jahre alten Linde eingraviert ist.

Viele Leute, die den Hof auch von innen kennen zum Beispiel mit seiner alten Deele und seiner ursprünglichen Einrichtung, bedauern sehr, dass das westfälische Gehöft mit seinem Ensemble wie einer alten Hecke um den Garten oder auch den übrigen Bäumen (die prägende Linde soll erhalten bleiben) nun dem Abrissbagger weichen muss. Und eine vormalige Mitbesitzerin, die nicht namentlich genannt werden möchte, ist emotional zutiefst betroffen. Ihr war es nicht möglich, den Hof zu halten. Zum einen weil es in der Erbengemeinschaft mit ihren Geschwistern zu keiner Einigung über ein gemeinsames Vorgehen im von der Stadt Halle angestrengten Umlegungsverfahren kam.

Zum anderen muss der alte Hof am Ende weichen, so der gefestigte Eindruck eben dieser Mitbesitzerin, weil Verantwortliche in der Stadt Halle kein Interesse daran hatten, das mutmaßlich historischen Gebäude einer öffentlichen Weiternutzung zum Beispiel als Kindergarten (Kita) zuzuführen. Noch vor 1,5 Jahren, erzählt die Frau, habe sie der Fachbereichsleitung den Aufbau einer Kita im Hof vorgeschlagen, was im Rathaus jedoch auch mit Blick auf den hohen Aufwand bei der Herrichtung einer weiteren städtischen Kita in einem ehemaligen Bauernhof (Kita Beckmanns Hof) abgelehnt worden sei.

Kita im Neubaugebiet immer wieder Thema

Die Kita-Frage ist auch von politischer Relevanz wie am Wochenende spontane Diskussionen auf Facebook zwischen Vertretern der Grünen und der CDU zeigten. Im Gartnischkamp könne endlich dringend benötigter Wohnraum entstehen, und mit dem von den Grünen durchgesetzten Förderprogramm für klimaschonendes Bauen würden es hoffentlich viele Häuser in Holzrahmenbauweise sein, erklärte Grünen-Fraktionschef Jochen Stoppenbrink. CDU-Stadtverbandsvorsitzender Axel Reimers hingegen erinnerte an die verschiedenen Vorstöße der CDU für einen Kindergarten in dem Neubaugebiet, die auch schon mehrere Jahre zurückreichten.

Eine Kita im Neubaugebiet Gartnischkamp war in der Tat schon Thema, als die Stadt als Standort für die VKM-Kita am Künsebecker Weg das städtische Grundstück direkt an den Sportplätzen und gegenüber vom Aldi-Markt bevorzugte. Seinerzeit gab es insbesondere von der CDU viel Kritik am verkehrsreichen Kita-Standort Künsebecker Weg und auch die Frage nach Gartnischkamp. Erst später stellte sich heraus, dass die Stadt dort bereits die Verlegung der Sportplätze und das Neubaugebiet Masch plante.

Fachbereichsleiter sah keinen politischen Auftrag

Im März 2018 (nachlesbar übers Ratsinformationssystem) gab es dann einen formellen CDU-Antrag, ein ausreichend großes Grundstück für eine Kita im Gartnischkamp vorzuhalten. Seinerzeit gab es eine größere Diskussion im Sozialausschuss, in dem sich die ev. Kirchengemeinde und das DRK um den Bau einer weiteren Kita in Halle bewarben. Weil die Kirche ein eigenes Grundstück an der Neustädter Straße mitbrachte, fiel die Entscheidung letztlich für sie als Träger. Der Kita-Bau hat freilich bis heute nicht begonnen.

In der damaligen Sitzung zitierte das WB Fachbereichsleiter Keil als Reaktion auf den Standort-Wunsch der CDU. In dem Neubaugebiet gebe es aus verschiedenen Gründen keinen Platz für eine Kita. „Keil verwies auf derzeit 355 Bewerber bei knapp 100 zur Verfügung stehenden Baugrundstücken, warnte vor einer großen Umplanung („Das kann ein Jahr Verzögerung bedeuten“) und sagte: „Ich habe von der Politik keinen Auftrag für eine Kita-Planung Gartnischkamp bekommen.“

 

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