Di., 14.01.2020

In der Ortsdurchfahrt sinkt die Verkehrsmenge nach dem A33-Lückenschluss lediglich um 15 Prozent Nur geringe Entlastungseffekte auf B68

In Höhe des Autohauses Orth & Nagel sind bei aktuellen Verkehrszählungen des Straßenverkehrsamtes die höchsten Kfz-Belastungen festgestellt worden. Die Stadt plant auf der B68 im Zuge der Ortsdurchfahrt bislang Tempo-30- und Tempo-20-Zonen.

In Höhe des Autohauses Orth & Nagel sind bei aktuellen Verkehrszählungen des Straßenverkehrsamtes die höchsten Kfz-Belastungen festgestellt worden. Die Stadt plant auf der B68 im Zuge der Ortsdurchfahrt bislang Tempo-30- und Tempo-20-Zonen. Foto: Hagemann

Von Stefan Küppers

Halle(WB). Der Entlastungseffekt auf der B68 in der Haller Ortsdurchfahrt durch den Lückenschluss der A33 ist weitaus geringer, als ihn sich manche Haller wohl vorgestellt haben. Das ist das Ergebnis zweier Verkehrszählungen, die das Straßenverkehrsamt des Kreises Gütersloh aus eigenem Antrieb im Zuge der Ortsdurchfahrt kurze Zeit vor dem Lückenschluss sowie im Dezember wenige Wochen nach der Autobahnfreigabe durchgeführt hat. Im Durchschnitt liegt der Entlastungseffekt der Zählung zufolge gerade mal bei 15 Prozent.

Im großen Gespräch zum Jahreswechsel mit dieser Zeitung hatte Bürgermeisterin Anne Rodenbrock-Wesselmann noch darauf abgehoben, dass die B68 ja nur noch ein Drittel des früheren Verkehrsaufkommens habe (WB vom 11. Januar). Die aktuellen Zahlen des Straßenverkehrsamtes sagen etwas anderes. Demnach sind an der höchst belasteten Stelle (Höhe Autohandel Orth & Nagel) eine Woche vor dem Lückenschluss 15748 Kfz in 24 Stunden gezählt worden. Vier Wochen später im Dezember (nach der A33-Freigabe) waren es dann immer noch 13275 Kfz am Tag. Das entspricht einem Rückgang um nur 15 Prozent.

Zählung soll wiederholt werden

An zwei anderen Zählstellen (Einmündung am Laibach, Höhe Amtsgericht) wurden Rückgänge bei der Verkehrsbelastung um 13 beziehungsweise 18 Prozent festgestellt (siehe Tabelle unten). Die Zählungen waren jeweils an einem Mittwoch und Donnerstag in der 46. beziehungsweise 51. Kalenderwoche durchgeführt worden. Um genauere Werte zu ermitteln, hat das Straßenverkehrsamt von den technischen Vorrichtungen in beide Fahrtrichtungen zählen lassen. Die ebenfalls ermittelten Geschwindigkeiten waren dabei eher unauffällig. In 85 Prozent aller Fälle fuhren Kraftfahrer nicht schneller als Tempo 50 bei Orth & Nagel, Tempo 42 bzw. 41 in Höhe Amtsgericht sowie 54 bzw. 56 km/h in der Höhe Einmündung Am Laibach (Fachgeschäft Witte). Der zuständige Sachgebietsleiter im Straßenverkehrsamt, Bernhard Riepe, kündigte auf WB-Anfrage an, weitere Zählungen in zwei bis drei Monaten an der B68 zu veranlassen, um weitere Entwicklungen nachzuvollziehen.

Straßenverkehrsamt zeigt sich vom Ergebnis wenig überrascht

Dass der Verkehr nicht stärker abgenommen hat, überrascht Riepe nach eigenem Bekunden nicht wirklich. Eine große Entlastung der B68 habe es vor Jahren mit der Umsetzung des Luftreinhalteplanes und der Auslagerung von Schwerlastverkehr auf die Umgehungsstraßen gegeben. Die weiterhin hohen Kfz-Belastungen im Zuge der Ortsdurchfahrt führt Riepe auf die vielen Ein- und Auspendler in Halle zurück (Arbeitsstätten, Schulen, Geschäftswelt, Ärzte etc.). Detaillierte Untersuchungen könnten laut Riepe Aufschluss darüber geben, wer wo in Halle auch in Zukunft auf das Auto und damit die Nutzung zum Beispiel der Ortsdurchfahrt B68 angewiesen bleibe.

Ein Kommentar von Stefan Küppers

Für diejenigen, die täglich mit dem Auto in Halle unterwegs sind, ist das Ergebnis der Verkehrszählungen in der Ortsdurchfahrt (B68) keine Überraschung. Das persönliche Erleben hat einem schon lange signalisiert, dass der Verkehr auf Halles wichtigsten Straßen durch den A33-Lückenschluss nicht wirklich gravierend abgenommen hat. Und alte Verkehrsprognosen, die noch von 9500 Fahrzeugen statt jetzt gezählten 13200 auf der B68 ausgingen, erweisen sich im Nachhinein als fromme Wünsche.

Die Frage ist, was aus dem aktuellen Verkehrsbefund im Jahr der Kommunalwahl nun für die politischen Diskussionen folgt. Bekanntlich verfolgt die Ratsmehrheit die Umsetzung eines Nahmobilitätskonzeptes, das nicht nur wegen des umfänglichen Verzichts auf Parkplätze umstritten ist. Gleichzeitig hat das Rathaus Pläne für Tempo-30- und gar Tempo-20-Zonen an der B68 skizziert.

Doch wo bitteschön sollen die vielen Autofahrer künftig ihre Wege finden, wenn auf den wichtigsten Straßen immer mehr Staus und Kriechverkehre organisiert werden? Halle muss doch auch in Zukunft noch funktionsfähig bleiben. Wer nach den neuen und beunruhigenden Erkenntnissen immer noch gegen die Erarbeitung eines Generalverkehrsplanes eintritt, der alle Aspekte in dieser Stadt zusammenfassend und gründlich untersucht, dem ist wohl nicht mehr zu helfen.

 

 

 

 

Kommentare

Doch der Verkehr wird sinken : Alle Navi und Landkarten sind noch nicht aktuell, so fahren weiterhin Fernfahrer über Halle irrtümlicherweise. Aber wir brauchen weiterhin auch 50 km/h im Stadtzentrum, als Alternative zur Autobahn : Was passiert denn, wenn die Autobahn infolge eines Unfalls oder einer Baustelle gesperrt wird ? soll der Verkehr dann durch Halle 20 km/h fahren ? dann hätten wir einen Stau von 10 Kilometer Länge.

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