Mi., 15.01.2020

Dieter Jung warnt vor Rattenplage im Laibach-Park und fordert mehr Schutz der Quelle Enten füttern kann teuer werden

Der Quellteich im Laibachpark ist kulturgeschichtlich bedeutsam. Dieter Jung und Andreas Bader hoffen, dass ein Verbotsschild Bürger davon abhält, hier die Enten zu füttern. Dieter Jung: „Das ist ein ganz wertvolles Biotop, das wir schützen müssen.“

Der Quellteich im Laibachpark ist kulturgeschichtlich bedeutsam. Dieter Jung und Andreas Bader hoffen, dass ein Verbotsschild Bürger davon abhält, hier die Enten zu füttern. Dieter Jung: „Das ist ein ganz wertvolles Biotop, das wir schützen müssen.“ Foto: Genuit-Thiessen

Von Klaudia Genuit-Thiessen

Halle (WB). Auch wenn es immer noch viele Bürger gut meinen: Enten füttern am Teich ist kein Kavaliersdelikt! Im neuen Bußgeld-Katalog der Stadt ist das Füttern von Wasservögeln ebenso wie das von Fischen und wild lebenden Katzen aufgeführt. Fahrlässiges Verhalten kann mit 25 bis 250 Euro geahndet werden, vorsätzliches sogar mit einem Bußgeld bis zu 1000 Euro.

Für die Stockenten am Quellteich am Laibach hat schon im Januar und damit mitten im Winter die Balzzeit begonnen, wie Vogel-Experte Andreas Bader sofort am charakteristischen Pfiff hört. Zeigen sie deshalb nur wenig Interesse am Brot, das Tierfreunde immer mal wieder mitbringen?

Als Umweltausschussvorsitzender regt Dieter Jung (die Grünen) jetzt an, ein Verbotsschild im Laibachpark aufzustellen, um die Bürger über das Fütterverbot zu informieren. Denn: „Am Freitag traf ich eine Frau am Quellteich des Laibachs an, die gerade eine ganze Einkaufstüte mit Brot und Brötchen ins glasklare Wasser kippte. Die Enten schwammen desinteressiert davon“, berichtet der grüne Ratsherr. Er habe der Frau zugerufen, dass sie das bitte sein lassen solle. „Sie füttern hier nur die Ratten. Aber ich weiß nicht, ob sie mich verstanden hat. weil sie reglos dastand und mich nur anstarrte.“

Brot ist kein geeignetes Entenfutter

Noch zwei Tage später hätten mehrere Brötchen neben einer Bank gelegen und Küchenabfälle, darunter eine Stange Porree, direkt am Ufer, ärgert er sich über diese „Unsitte“. Enten auf diese Art zu füttern sei ein Ärgernis – auch wenn die Menschen es gut mit Tieren meinen würden. Statt dessen sollte das wertvolle Quellbiotop, wo immer wieder der Eisvogel gesichtet wird, besser geschützt werden, mahnt Dieter Jung das Rathaus. 55 Quellen gebe es auf Haller Gebiet. Diese schütte am stärksten Wasser aus.

Vogelexperte Andreas Bader, der auf Anhieb neben den gut 20 Enten im Wasser auch zwei Teichhühner ausmacht, unterstützt Dieter Jung. „Brot ist wegen des Salzes und der Konservierungs- und Zusatzstoffe kein geeignetes Entenfutter. Die Ente als Allesfresser gründelt eigentlich nach Würmern und Schnecken“. Oder zupft frische Gräser. Wie Dieter Jung befürchtet er, dass verschimmeltes Brot im Wasser fault und bei bestimmten Witterungen im Sommer das Wasser sogar umkippen lassen könnte.

„Weder Obst noch Backwaren haben etwas im Teich zu suchen“, stellt Abteilungsleiter Benjamin Potthoff aus dem Ordnungsamt klar. Nicht zuletzt zum Schutz der Quellen sei das Füttern verboten. Deshalb solle es in den nächsten Wochen in die ordnungsbehördliche Verordnung der Stadt mit aufgenommen werden. Auch wenn Bürger es noch so nett meinten, sollten sie Fütterungen lieber unterlassen. Denn auch Ratten könnten sich herumliegende Reste ganzer Toastbrote holen. Potthoff hofft auf die Einsicht der Bürger. Bevor sie zur Kasse gebeten werden, solle man ihnen die negativen Folgen erklären.

Das sagt der Umweltbeauftragte

„Ich hatte den Eindruck, dass weniger gefüttert wird. Vor zehn Jahren war es schlimm“, seufzt Umweltbeauftragter Stephan Borghoff. Weil man den Enten mit Brot nichts Gutes tue, habe die Verwaltung schon über Infoschilder nachgedacht.

Wegen der starken Schüttung ist die Quelle als Naturdenkmal ausgewiesen, berichtet Borghoff. Allerdings habe die Stadt ein Problem. Gut für die Fauna im Übergangsbereich von Grund- zu Fließwasser, für Strudelwürmer, Stein- und Köcherfliegen, Schnecken und Muscheln wäre es, den Teich im Park zu beseitigen. „Damit wäre aber niemand wirklich glücklich.“

Ein ausgewiesener Fachmann sollte die 55 kartierten Quellen im Stadtgebiet schon vor Jahren peu à peu untersuchen und Verbesserungsvorschläge unterbreiten. Weil sich das endlos hingezogen hat, setzt der Umweltbeauftragte inzwischen auf angehende Biologen der Uni Bielefeld. Stephan Borghoff: „Vielleicht kann man Veränderungen im Rahmen von Masterarbeiten untersuchen lassen.“

 

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