Fr., 17.01.2020

Franz Ziesché hat eine bedarfsgerechte Heizungssteuerung für die „Oase“ entwickelt Ausgezeichnete Idee auch für den „Dom“

Mit dem Telefon kann Franz Ziesché jetzt den Betrieb der Heizung im Keller des Pfarrheims “Oase” regeln. Das Erzbistum Paderborn prämiierte die Idee: Allein der Gasverbrauch konnte um 45 Prozent zurückgeschraubt werden.

Mit dem Telefon kann Franz Ziesché jetzt den Betrieb der Heizung im Keller des Pfarrheims “Oase” regeln. Das Erzbistum Paderborn prämiierte die Idee: Allein der Gasverbrauch konnte um 45 Prozent zurückgeschraubt werden. Foto: Klaudia Genuit-Thiessen

Von Klaudia Genuit-Thiessen

Halle (WB). Seit der Klimaschutzdebatte hält wohl kaum noch jemand Franz Ziesché für den Sparkommissar der Katholischen Herz-Jesu-Gemeinde Halle. Mit begrenzten Ressourcen verantwortungsvoll umgehen – das ist das Ziel des Energiebeauftragten. Seine bedarfsgerechte Heizungssteuerung für das Gemeindezentrum hat das Erzbistum Paderborn als gelungenes Beispiel für Klimaschutz ausgezeichnet. Jetzt will er sich die Anfang des 20. Jahrhunderts gebaute Kirche anschauen.

„Unsere Herz-Jesu-Kirche mit ihren 360 Quadratmetern hat weder Doppelfenster noch eine niedrige Decke. Energetisch ist das ein kaum zu beherrschender Raum“, weiß der 62-jährige diplomierte Elektrotechniker, dass er sich mit dem „Dom“ wirkliche eine große Nummer vorgenommen hat.

Eine neue Heizung kann jeder einbauen

Sein Erfolg in der „Oase“ beflügelt ihn ebenso wie die Hoffnung, dass alle Welt die katholische Kirche nicht nur mit Verschwendung im Stile eines Tebartz-van Elst und Schlimmerem in Verbindung bringt. Für Franz Ziesché begann alles 2014 im Rahmen einer Energieoffensive im Erzbistum Paderborn. Als frisch gebackener Energiebeauftragter schaute er sich die Verbrauchszahlen für Gas, Strom und Wasser an und beschloss, sie mit möglichst geringen Investitionen zu verringern. Was ihm gelungen ist: Mit einer dreistelligen Summe hat er 45 Prozent eingespart: 5,7 Tonnen CO2 weniger als im Zeitraum 2011 bis 2013. Franz Ziesché: „Eine neue Heizung einbauen kann jeder“.

Energie sparen, ohne Komfort zu verlieren. Weder Kommunionkinder noch Messdiener sollten oder die Leute von der Gütersloher Tafel sollten frieren. Konkret hat der Familienvater, der seit 2007 im Kirchenvorstand für die Sicherheit und Technik zuständig ist, erst einmal „eine Schwachstelle nach der anderen abgearbeitet“. Dauerverbraucher wie Kühlschränke, die man nicht wirklich benötigte, wurden deaktiviert, Energiesparleuchten eingebaut und Aushänge angebracht, damit niemand vergisst, die Fenster zu schließen. Vor allem die Heizung der Oase war ein Ansatzpunkt. Denn sie war für ein normales Wohnhaus eingestellt: von sechs bis 22 Uhr an sieben Tagen auf Betrieb. Jeder Versuch, die tatsächlichen Nutzungszeiten zu erfassen und die Schaltuhr passend einzustellen, missglückte: Weil Termine kurzfristig verschoben oder abgesagt wurden, war keiner zufrieden. Statt einer normalen Nachtabsenkung entschied sich Franz Ziesché deshalb letztendlich für ein Vier-Stunden-Fenster, das den Faktor Flexibilität berücksichtigt.

Mit kleinen Mitteln viel erreichen

Die Nutzer des insgesamt 364 Quadratmeter großen Gebäudes steuern die Heizung inzwischen mit einem Telefonanruf aus der Ferne. Mit Hilfe eines Zusatzmoduls kann der Tagbetrieb mit einem potenzialfreien Kontakt oder Schalter ausgelöst werden. Dazu kam die eigentliche Nutzersteuerung aus einem Netzteil und dem Zeitrelais. Zum Auslösen der Nutzungszeit per Telefon wurde noch ein GSM-Modul benötigt. Jetzt müssen die Nutzer nur noch die Ventile an den Heizkörpern aufdrehen, wenn sie es wärmer möchten ....

Das System hat sich eingespielt. Die Pfarrsekretärin stellt die Heizung im Gemeindezentrum ebenso an wie weitere 43 Personen, die sich dort treffen. „Und dieses Wunderwerk der Technik kostet den Anrufer nicht einmal Geld“, freut sich Franz Ziesché, dass alles klappt, auch wenn irgendwelche Treffen verschoben werden.

Mit kleinen Mitteln viel erreichen. Der Stromverbrauch fürs Pfarrheim ist von 3600 Kilowattstunden im Jahr 2014 auf knapp 2300 für 2019 zurückgegangen, der Gasverbrauch der Heizung von 44.700 auf 28.700 Kilowattstunden, also um satte 45 Prozent. Das macht seit 2014 eine CO2-Ersparnis von 222 Tonnen. „Nur durch diese kleine Maßnahme“.

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