Sa., 15.02.2020

Parkplatz-Suche nervt zunehmend: Halle braucht ein Konzept Wo sollen die Autos hin?

Der Sparkassen-Parkplatz ist werktags sehr gefragt. Tut sich eine Lücke auf, ist die schnell belegt – schließlich ist es von hier nur ein Katzensprung in die Innenstadt. Manch einer dreht hier eine Extra-Runde in der Hoffnung, dass eine Lücke frei wird.

Der Sparkassen-Parkplatz ist werktags sehr gefragt. Tut sich eine Lücke auf, ist die schnell belegt – schließlich ist es von hier nur ein Katzensprung in die Innenstadt. Manch einer dreht hier eine Extra-Runde in der Hoffnung, dass eine Lücke frei wird. Foto: Stefan Küppers

Von Stefan Küppers

Halle (WB). Die Diskussion um den möglichen Wegfall von mehr als der Hälfte der Parkplätze im Zuge eines Umbaus der Alleestraße hat ein nerviges Dauerthema wieder verstärkt in den politischen Fokus gerückt: Wie viele öffentliche Parkplätze braucht Halle? Wie soll der derzeit offenkundige Mangel an Parkflächen gemanagt und wie soll mit der sogenannten Ablösung von Stellplatz-Nachweispflichten in der Innenstadt umgegangen werden?

CDU-Stadtverbandsvorsitzender Axel Reimers kündigt an, in nächster Zeit mit eigenen Fraktionsanträgen das Parkplatzthema politisch aufzugreifen. „Wir brauchen zunächst einmal dringend eine Ist-Analyse, die uns die schwierige Lage vor Augen führt“, sagt Reimers. Und er verweist auf den jüngsten Zukunftsworkshop der CDU, bei dem im Gespräch mit Bürgern die Sicherung und Schaffung von Parkraum eines der dringlichen Themen war.

Für „Kauf im Ort“-Aktion muss die Innenstadt auch gut erreichbar sein

Gerade wenn man als Stadt Kampagnen wie die aktuelle „Kauf im Ort“-Aktion unterstütze, müsse man die Erreichbarkeit der Innenstadt mit ihren Geschäften und Dienstleistungsangeboten sicherstellen, argumentiert Reimers. Wenn die Kunden keine Parkplätze mehr fänden oder dies nur mit großer Mühe, würden diese im Zweifel in andere Orte wechseln.

Sein Fraktionskollege Wolfgang Fritsche, hauptberuflich Architekt, berichtet dem WB von einem mit der Parkplatzfrage verbundenen Teilproblem. Denn nach der Änderung der Landesbauordnung in NRW zum 1. Januar 2019 seien die Kommunen aufgefordert, eigene Stellplatzsatzungen zu erarbeiten. Doch die wenigsten Städte hätten dies bislang getan, weiß Fritsche. In Halle sei die Umnutzung von Geschäfts- und Gewerberäumen in der Kernstadt immer schwieriger geworden, wenn nicht auf eigenem Grundstück die rechnerisch nötigen Parkplätze nachgewiesen werden könnten. In einigen Fällen seien von seinen Kunden angedachte Umnutzungen wegen des nicht lösbaren Stellplatz-Problems wieder aufgegeben worden, berichtet Fritsche.

Michael Flohr, Abteilungsleiter in der Haller Bauverwaltung, hebt darauf ab, dass in stark von Parkdruck belasteten Bereichen wie Alleestraße und Bahnhofstraße bei Um- oder Neunutzungen die Pflicht zum Nachweis von Parkplätzen im Vordergrund stehe. „Es bleibt jedoch immer eine Einzelfallentscheidung“, unterstreicht Flohr. Dabei gehe es um eine objektive Zwangslage für den Eigentümer, nicht um eine eventuell wirtschaftlichere Ausnutzung eines privaten Grundstückes.

Stadtverwaltung verweist auf den derzeitigen Parkplatz-Bestand

Bei der Frage, wie viel öffentliche Parkplätze Halle benötigt, verweist die Verwaltung auf den Bestand. Stichworte sind hier der alte ZOB, große Teile des vermeintlich reinen Sparkassen-Parkplatzes an der Martin-Luther-Straße, städtische Parkplätze rund ums Rathaus, der Lindenplatz, vereinzelt auch am Marktkauf-Parkplatz sowie Einzelstellplätze in verkehrsberuhigten Bereichen der Kernstadt.

Andererseits sind wegen der zunehmenden Parkprobleme von Privatleuten schon Maßnahmen ergriffen worden, wie zum Beispiel vom Modehaus Brinkmann, das auf seinem großen Kundenparkplatz mit neuen Schildern das Hausrecht geklärt hat. Dieser Platz wird täglich von Pkw-Fahrern genutzt, die zum Beispiel das Rathaus oder die anliegenden Arztpraxen und eben nicht das Modekaufhaus aufsuchen. Und auch am Marktkauf Speicher müssen Kunden immer öfter länger suchen, weil Plätze von Nichtkunden dauerhaft belegt sind.

Ein Kommentar von Stefan Küppers

Vorneweg: Es ist immer eine gute Idee, den ÖPNV zu fördern und attraktiver zu machen. Genauso ist es richtig, mehr Menschen davon zu überzeugen, kurze Wege zu Fuß zurückzulegen oder öfter aufs Fahrrad zu steigen.

Doch man kann die Dinge drehen und wenden, wie man will, es bleibt dabei: Halle hat ein Problem mit zu wenigen Parkplätzen in der Kernstadt, und immer mehr Menschen sind davon alltäglich genervt. Und mit dem famosen Nahmobilitätskonzept und den umstrittenen Umbauplänen für die Alleestraße droht sich dieser Mangel noch zu verschärfen. Nicht von ungefähr hat die HIW jetzt eine sehr besorgte Stellungnahme verfasst, warnt eindringlich vor einem Verlust von Erreichbarkeit und damit Kunden.

Über wirksame Maßnahmen und Konzepte (Tiefgaragen, Parkhäuser, wie viel sollte die Stadt selbst investieren) kann man trefflich streiten. Nur eines sollte klar sein: Die Parkplatz-Probleme gehören endlich ernsthaft diskutiert. Und zwar mit einem anderen Geist als dem der bisherigen Haller Verdrängungs- und Vergrämungspolitik gegen das Auto und seine Nutzer.

 

Kommentare

Mit * markierte Felder sind Pflichtfelder

Google-Anzeigen

© WESTFALEN-BLATT
Vereinigte Zeitungsverlage GmbH

Alle Inhalte dieses Internetangebotes, insbesondere Texte, Fotografien und Grafiken, sind urheberrechtlich geschützt. Verwendung nur gemäß der Nutzungsbedingungen.

Mehr zum Thema

Anzeige


https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/7260718?categorypath=%2F2%2F2158585%2F2158590%2F2198384%2F2198389%2F2516076%2F