So., 23.02.2020

Gelungener Auftakt der Frauenkulturwochen mit »Female Affairs« Wenn es Männer regnet

Mit guten Stimmen, tollen Songs und einer ansprechenden Performance überzeugte das A Cappella Ensemble »Female Affairs«: (von links) Ute Winkelmann, Renate Schindler, Peter Wehrmann, Almut Treude, Britta Dinkelbach und Jördis Treude.

Mit guten Stimmen, tollen Songs und einer ansprechenden Performance überzeugte das A Cappella Ensemble »Female Affairs«: (von links) Ute Winkelmann, Renate Schindler, Peter Wehrmann, Almut Treude, Britta Dinkelbach und Jördis Treude. Foto: Johannes Gerhards

Von Johannes Gerhards

Halle  (WB). Von Frauen, Männern, der Liebe und gutem Essen handeln die Songs der A Cappella-Gruppe »Female Affairs«. Das fulminante und stimmlich versierte Frauen-Quintett wird dabei vom Quotenmann »Pete, the Beat« begleitet, der ein komplettes Schlagzeug mit dem Mund simuliert. Knapp 150 Zuhörer in der ausverkauften Remise erleben eine vokale Achterbahnfahrt durch nahezu sämtliche Epochen und Stile der Popmusik.

Ob nahe am Original oder mit deutschen Texten unterlegt – die fünf Ladies bezaubern mit extravaganten Arrangements, der nötigen Brise Selbstironie und einer gelungenen Bühnenshow, die unverkrampft, locker und sympathisch daherkommt. Beeindruckend ist neben Renate Schindlers fast bis in die Baritonlage reichender warmen Stimme und dem klaren Sopran von Jördis Treude auch »der ganze Rest dazwischen«.

Britta Dinkelbach bevorzugt die rockigen Stücke wie »Mercy« von Duffy als Introsong oder »Nobody’s wife«. Almut Treude überzeugt mit satirischen Einlagen wie »Alarm«, einer Persiflage über Schneckenplagen im Garten auf Herbert Grönemeyers »Alkohol«, in dem die Viecher schließlich ertränkt werden, nachdem sie mehrmals über den Zaun auf Nachbars Grundstück geworfen wurden und prompt zurück geflogen kamen. Ute Winkelmann gedenkt unterdessen ihrer leider nicht erwiderten großen Liebe zu David Bowie mit dessen »Life on Mars«.

Rap in tiefsten Tönen und sanfte Harmonie

Renate Schindler wandelt in »Via con me« stimmlich auf den Spuren von Paolo Conte und rappt in den tiefsten Tönen, während Jördis Treude für die Harmonie und die sanften Melodien à la »Hunting high and low« oder »Fields of Joy« zuständig ist. Dann kommen immer wieder tolle Ensemblestücke wie »Es regnet Männer« und die sehr egomanische Version eines bekannten Hits von Peter Maffay. Hier ersetzt lediglich das Wörtchen »Ich« das titelgebende »Du«, was zu abstrusen Wendungen des ansonsten unveränderten Originaltextes führt.

Der »Time Warp« aus der Rocky Horror Picture Show wird zu »Outdoor kochen mit Klaus« und widmet sich ausführlich der bald wieder anstehenden Grillsaison. Dabei werden Männer vom Würstchenumdrehen so durstig, dass sie anschließend zu nichts mehr zu gebrauchen sind und die ganze Arbeit wie immer an den Frauen hängen bleibt.

Doch auch die Damen der Schöpfung sind beim verzweifelten Versuch, im Kleiderschrank das passende Outfit zu finden, dem einen oder anderem Schlückchen Likör nicht abgeneigt. Wenn das Dilemma mit »Supreme« von Robbie Williams untermalt wird, garantiert das gewisse Ohrwurmqualitäten.

Was „Cellulite“ mit „Yesterday“ zu tun hat

Der eigentlich viel besser zur Göttin der Morgenröte oder einem Blümchen am Wegesrand passende Begriff »Cellulite« für Orangenhaut entfaltet auf die Melodie von »Yesterday« seine ganz eigene Dynamik. Und auch Männer mit Glatze können trotz allumfassender gegensätzlicher Interessenslagen in Beziehungen mit besonders ausgeprägten emotionalen Fähigkeiten glänzen, das wird zumindest in dem Song »Kahl« kühn behauptet.

Das Spiel mit dem Publikum heißt heute nicht nur »Erkennen Sie die Melodie«. Es geht auch um die fortsetzende Ergänzung der von der Bühne ins Auditorium geworfenen Melodiefragmente, worauf die Zuhörer bereitwillig eingehen.

»Pete the Beat« alias Peter Wehrmann erhält noch ein Solo und darf alle Register seiner virtuellen »Schießbude« ziehen – so die liebevolle Bezeichnung mancher Schlagzeuger für ihr unhandlichen Instrument. Mit zwei Zugaben verabschiedet sich die »Female Family« schließlich von den begeistert applaudierenden Konzertbesuchern.

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