Mi., 04.03.2020

Für die Haller-Willem-Strecke sind auch Akku-Triebwagen im Gespräch „Talent“-Flotte unter Diesel läuft aus

Ist der „Talent“ in Pium bald Geschichte? (Axel Taschka (links) und Helga Lange (Mitte) von der Initiative Haller Willem haben sich mit Nordwestbahn-Geschäftsführer Ulrich Ehrhardt (rechts) und Regionalleiterin Kathrin Redecker sowie Dirk Speckmann getroffen.

Ist der „Talent“ in Pium bald Geschichte? (Axel Taschka (links) und Helga Lange (Mitte) von der Initiative Haller Willem haben sich mit Nordwestbahn-Geschäftsführer Ulrich Ehrhardt (rechts) und Regionalleiterin Kathrin Redecker sowie Dirk Speckmann getroffen. Foto: Klaudia Genuit-Thiessen

Von Klaudia Genuit-Thiessen

Halle (WB). Mehr Klimaschutz im Nahverkehr: Der Haller Willem fährt bald wahrscheinlich stromgetrieben und hängt nachts in Osnabrück und Bielefeld „am Ladekabel“. Schon in diesem Jahr soll die Ausschreibung für die Flotte auf der Strecke RB 75 „neu definiert werden“, wie Ulrich Ehrhardt, der Geschäftsführer der Nordwestbahn, bei einem Gespräch mit Mitgliedern der Initiative Haller Willem sowie Borgholzhausens Bürgermeister Dirk Speckmann sagte. In Frage kommen für die Strecke über die Landesgrenze auch Akku-Triebwagen.

Damit sind die Tage der „Talent“-Züge auf der Haller-Willem-Strecke gezählt. Die Verkehrswende nimmt in der Region Gestalt an. Noch läuft in Norddeutschland ein Test. Ulrich Ehrhardt: „Man will jedoch generell weg von Diesel und hin zu einer grünen Antriebstechnologie“. Der derzeit gültige Verkehrsvertrag, in dem die Nordwestbahn als Betreiberin festgelegt ist, läuft noch bis 2025.

Triebwagenführer gesucht

Pünktlichkeit ist ein großes Thema, bei dem die Nordwestbahn die DB Netz gefordert sieht. Denn das Teilstück zwischen Brackwede und Bielefeld ist wegen der hohen Zugfolge „sehr verspätungsauffällig“, wie Kathrin Redecker, Regionalleiterin OWL, sagte. Die Verspätungen auf dem kurzen Abschnitt übertragen sich jedoch auf die gesamte Strecke.

Um den Fahrgastverlust aus 18 Monaten Brückenbau in Bielefeld auszugleichen und neue Fahrgäste zu gewinnen – erst recht vor dem Hintergrund, dass bei Storck und im Interkommunalen Gewerbegebiet Pium neue Arbeitsplätze entstehen – sei noch sehr viel zu tun, weiß man. Vor allem braucht die Nordwestbahn neue Triebwagenführer. 150 „Lokführer“ und Kundenbetreuer sollen 2020 und 2021 ausgebildet werden.

Andererseits ist eine bessere technische Ausstattung in den Zügen erforderlich, bei den Anschlüssen und im gesamten ÖPNV-Netz. „Wir müssen endlich im digitalen Zeitalter ankommen, damit Reisende, die am Bahnhof ankommen, nicht nur die Heckleuchten des Busses sehen, der gerade abfährt“, betonte Ulrich Ehrhard. Das Ganze sei eine Herausforderung, „ein infrastruktureller Knoten“, in den er auch DB-Netz und DB-Station & Service eingebunden sieht. „Wir müssen Instandhaltungen und technische Wartungen sauber durchlaufen. Zudem müssen die Informationen zwischen Zug, Bus und Betriebsleitzentrale stark fließen“, sagte der NWB-Geschäftsführer auch im Hinblick auf den angestrebten 30-Minuten-Takt zwischen Halle und Osnabrück.

Mobilstation soll 2021 fertig sein

Ein Beispiel für optimistische Planungen liefert die Stadt Borgholzhausen. Dort soll bekanntlich noch 2021 eine Mobilstation am Bahnhof fertiggestellt sein. Drei Geldgeber und fünf Programme haben Fördermittel für das innovative Projekt bereitgestellt. Derzeit läuft die Ausschreibung für den barrierefreien Umbau des Bahnhofsgeländes samt Ladestationen für Pkw, hochwertigen Fahrradboxen, selbstreinigenden Sanitäranlagen, einem „Kiss- & Ride-Parkplatz“, einem zweiten Bus-Haltepunkt und mehr, wie Dirk Speckmann sagte.

Für den Halbstundentakt zwischen Halle und Osnabrück müssen bekanntlich mindestens zwei neue Begegnungspunkte enstehen, zusätzlich zu den dreien in Wellendorf, Halle und Quelle. Im Gespräch sind Standorte zwischen Oesede und Sutthausen sowie zwischen Dissen und Borgholzhausen. „Für einen stabileren Betrieb und ein besseres Störungsmanagement wäre ein dritter Begegnungspunkt zwischen Borgholzhausen und Halle wünschenswert“, sagte Ehrhardt.

Ziel ist mehr Tempo auf der Strecke. Dabei geht es auch um drei Langsamfahrstellen: Bahnübergänge auf Borgholzhausener Gebiet, an denen der Zug nur 60 Stundenkilometer fahren darf. Bei den Übergängen am Holzweg bei Marienbrunnen und hinter dem Cooks ist das kein Problem. Doch für ein Privathaus muss sogar eine 200 Meter lange Straße gebaut werden.

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