Di., 07.04.2020

Was hinter den aktuellen vier Corona-Todesfällen im Altkreis steht Erschreckendes richtig einordnen

Eine tröstende und helfende Hand ist auch und gerade in Corona-Zeiten nötig. Die aktuellen Sterbefälle im Altkreis haben viele erschrocken, müssen aber richtig eingeordnet werden.

Eine tröstende und helfende Hand ist auch und gerade in Corona-Zeiten nötig. Die aktuellen Sterbefälle im Altkreis haben viele erschrocken, müssen aber richtig eingeordnet werden. Foto: dpa

Von Stefan Küppers

Altkreis Halle (WB). Die Nachricht vom Tod von gleich drei Bewohnern einer Alten-Wohngemeinschaft der Diakonie in Steinhagen hat viele Menschen im Altkreis beunruhigt. Zusätzlich ist am vergangenen Sonntag auch eine mit dem Corona-Virus infizierte 79-jährige Bewohnerin einer Alten-Wohngemeinschaft des Lebensbaum in Werther gestorben. Recherchen des WB zeigen allerdings, dass bei aller Tragik der Todesfälle eine differenzierte Betrachtung zur Einordnung notwendig erscheint.

In Steinhagen sind nach Auskunft von Olaf Lingnau, Bereichsleiter Pflege bei der Diakonie im Kirchenkreis Halle, zwei Frauen (80 und 95 Jahre alt) und ein Mann (80) gestorben. Sie alle waren Lingnau zufolge mit dem Corona-Virus infiziert. Doch die 95-jährige Frau und der Mann hätten sich bereits vor der Infektion in einer palliativen Situation befunden, mithin habe der Sterbeprozess bei ihnen schon vorher eingesetzt.

Ähnlich verhielt es sich nach Auskunft von Sybille Florschütz, Geschäftsführerin des Lebensbaum, bei dem Tod der 79-jährigen Dame aus Werther. Ergänzend informiert Jan Focken, Sprecher des Kreises Gütersloh, dass jeder Verstorbene, der positiv auf den Corona-Virus getestet wurde, automatisch als Corona-Toter in die amtliche Statistik eingeht. Doch ob jemand mit oder an Corona gestorben ist, lässt sich dann nicht immer feststellen.

Vereinzelt werden ambulante Pflegeleistungen storniert

Gleichwohl sind sowohl pflegebedürftige Menschen als auch Mitarbeiter der Pflegedienste durch die jüngsten Sterbefälle beunruhigt. Nach den veröffentlichten Meldungen haben Lingnau zufolge vereinzelt Kunden die bereits verabredeten Pflegeleistungen wieder abbestellt. Doch gerade auch im Mitarbeiterkreis sei die Betroffenheit groß. „Erschrocken hat Kollegen besonders, dass eine 80-jährige Bewohnerin der Wohngemeinschaft in Steinhagen noch am Donnerstag selbst in den Rettungswagen gestiegen ist und am Samstag schon verstorben ist“, berichtet Olaf Lingnau. Als unmittelbare Reaktion auf die festgestellten Corona-Infektionen sind alle 15 Mitarbeiter der Steinhagener Wohngemeinschaft in Quarantäne geschickt worden. Die übrigen zwei Bewohner werden nunmehr von drei WG-fremden Fachkräften der Diakonie versorgt.

Lob von Pflegediensten für Materiallieferungen vom Kreis Gütersloh

Hierbei hilft auch das vom Kreis Gütersloh zur Verfügung gestellte Schutzmaterial. Nachdem sich die Diakonie auf anderen Kanälen vergeblich um Material bemüht habe, wie Lingnau anmerkt, sind vom Kreis für jede der insgesamt fünf Diakoniestationen im Kirchenkreis sowie der Palliativstation je 20 hochwertige Mundschutz-Masken (FP2-Standard), 20 Schutzkittel sowie ein bis drei Schutzbrillen geliefert worden. Weil bisher nur in Steinhagen besagte Covid-19-Fälle registriert wurden, ist das Schutzmaterial dort konzentriert worden. „Das wird etwa eine Woche reichen“, vermutet Lingnau.

„Wir haben jetzt relativ viel Material vom Kreis Gütersloh bekommen“, sagt Sybille Florschütz anerkennend. Die Lebensbaum-Geschäftsführerin berichtet von weiter ausgebauten Vorsichtsmaßnahmen, damit pflegende Mitarbeiter nicht den Corona-Virus zu ihren Patienten tragen. Dazu gehört laut Florschütz zum Beispiel das Organisieren in festen Teams sowie das Minimieren von Kollegen-Kontakten untereinander, um mögliche Infektionswege gar nicht erst entstehen zu lassen.

Lebensbaum-Geschäftsführerin sieht auch ermutigende Fakten

Doch bei allen berechtigten Sorgen will Sybille Florschütz betonen, dass es eben auch ermutigende Fakten gebe. Ingesamt gab es in der Lebensbaum-Wohngemeinschaft an der Haller Straße in Werther vier positive Covid-19-Fälle, und zwar bereits vor knapp zwei Wochen. Eine 77 Jahre alte Dialyse-Patientin, mithin zur besonderen Risikogruppe gehörend, sei zwar ins Krankenhaus gekommen, halte sich aber sehr wacker. Und das gelte auch für eine weitere 84-jährige Bewohnerin, die trotz einer schweren Lungen-Vorerkrankung und Corona-Infektion auf dem Weg der Besserung sei. Solch gute Nachrichten müssten auch in das Gesamtbild mit einbezogen werden, meint Florschütz.

 

 

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