Haller Modekonzern erwartet wegen Corona-Krise hohen Verlust
Gerry Weber braucht neues Geld

Halle (WB). Der erst zu Jahresbeginn aus der Insolvenz in Eigenverwaltung entlassene Haller Modekonzern Gerry Weber muss wegen der Folgen der Corona-Krise erneut ums Überleben kämpfen. Weite Teile der Belegschaft wurden in Kurzarbeit geschickt. Der Vorstand spricht auch angesichts der angeordneten Ladenschließungen von einer „existenzbedrohenden“ Situation. Das gelte insbesondere, wenn begonnene Verhandlungen über zusätzliche Finanzmittel in niedriger zweistelliger Millionenhöhe scheitern, sagte Finanzvorstand Florian Frank.

Freitag, 10.04.2020, 03:06 Uhr aktualisiert: 10.04.2020, 05:01 Uhr
Ware des Haller Modekonzerns Gerry Weber wartet auf Käufer. Der Vorstand spricht angesichts der Ladenschließungen in der Corona-Krise von einer existenzbedrohenden Situation. Foto: dpa
Ware des Haller Modekonzerns Gerry Weber wartet auf Käufer. Der Vorstand spricht angesichts der Ladenschließungen in der Corona-Krise von einer existenzbedrohenden Situation. Foto: dpa

Nach einem guten Jahresstart erwartet der Damenmode-Konzern statt 370 bis 390 Millionen Euro Umsatz im laufenden Jahr nun nur noch 260 bis 280 Millionen. Und das auch nur unter der Voraussetzung, dass die Läden spätestens Anfang Mai wieder öffnen dürfen. Die Reduzierung der Prognose um rund 30 Prozent begründet das Unternehmen mit der Einschätzung, dass sich die Umsätze im Kernmarkt Deutschland nur schrittweise erholen werden. Auch deshalb sei die Zukunftsplanung überarbeitet worden. „Der Vorstand ist zum aktuellen Zeitpunkt davon überzeugt, dass dieses neue Zukunftskonzept dafür sorgen wird, die Geschäftstätigkeit von Gerry Weber bis in das Jahr 2021 hinein zu sichern“, teilte das Unternehmen mit.

Kaum noch Umsatz

„Bis Mitte März waren wir auf gutem Weg“, sagte Frank. Dann habe der Ausbruch der Corona-Krise und die tief greifenden Folgen das Unternehmen „mit aller Wucht“ getroffen. In den vergangenen Wochen habe der Konzern zahlreiche Maßnahmen ergriffen, um sein Überleben zu sichern. Anfang 2020 verfügte Gerry Weber über liquide Mittel von 127 Millionen Euro. Seit der Schließung der Geschäfte Mitte März werde kaum noch Umsatz erzielt. Diese Ausfälle seien im Onlinehandel nicht zu kompensieren. Im zurückliegenden Geschäftsjahr lag der Anteil der Online-Umsätze bei knapp sieben Prozent.

Für den Großteil der noch 3400 Mitarbeiter wurde Kurzarbeit angeordnet. Das gelte für die Beschäftigten in den rund 370 eigenen Modeläden in Deutschland, für viele Mitarbeiter der Zentrale in Halle sowie je nach Auslastung für das Personal im Logistikzentrum an der Autobahn 33. Zudem verhandelt das Unternehmen mit allen Vermietern über Entlastungen bei den Mietkosten und etwaige Stundungen. In diesem Falle könnten Vermieter Verzugszinsen von rund 4 Prozent auf Jahressicht fordern. Mit den Lieferanten werde über Preisreduzierungen und Stornierungen verhandelt und seien diese teils vereinbart.

„Kerngeschäftsmodell intakt“

Zum Ende des Rumpfgeschäftsjahres von April bis Ende 2019 betrieb Gerry Weber noch 624 eigene Shops – das waren 174 weniger als zu Beginn. Die Zahl der Verkaufsstellen im Fachhandel sank von 2437 auf 2279. Der Umsatz lag mit 330,5 Millionen Euro im Rahmen der Erwartungen. Das um Sonderfaktoren bereinigte operative Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) lag bei minus 6,2 Millionen Euro. Für das laufende Jahr war eine leichte Verbesserung angestrebt worden. Nun wird ein operativer Verlust im mittleren zweistelligen Millionenbereich erwartet.

„Das Kerngeschäftsmodell von Gerry Weber ist intakt. Das Potenzial aus diesem Geschäftsmodell vollends zu heben, daran werden wir mit voller Kraft arbeiten“, gibt sich Interims-Vorstandschef Alexander Gedat kämpferisch.

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