Internetmuseum „Haller Zeiträume“ erinnert an Besonderheiten zum Kriegsende 1945
Als auf dem Haller Schützenberg geplündert wurde

Halle (WB). Eine weiße Milchkanne aus Porzellan mit einem ziegelroten, schmalen Randstreifen und ein vergessener Grabstein auf dem Friedhof III an der Alleestraße erinnern im Internetmuseum Haller Zeiträume an das Kriegsende in Halle. Vor 75 Jahren sind beim Einmarsch der US-Truppen zwei Wehrmachtshelferinnen an einer Panzersperre in Tatenhausen gestorben. In jenen Tagen haben die Haller die Bestände des Reichsarbeitsdienstlagers auf dem Schützenberg geplündert. Beide Geschichten sind jetzt online nachzulesen. Das Museumsteam hofft noch auf weitere Berichte von Zeitzeugen.

Sonntag, 19.04.2020, 06:12 Uhr aktualisiert: 19.04.2020, 06:20 Uhr
Der Schützenberg im Januar 1950: Fünf Jahre zuvor hatten die Haller dort das Lager des Reicharbeitsdienstes für die weibliche Jugend geplündert. Einzelne Stücke der „Arbeitsmaiden“ haben in vielen Haller Haushalten überlebt.                                       Foto: Stadtarchiv Halle
Der Schützenberg im Januar 1950: Fünf Jahre zuvor hatten die Haller dort das Lager des Reicharbeitsdienstes für die weibliche Jugend geplündert. Einzelne Stücke der „Arbeitsmaiden“ haben in vielen Haller Haushalten überlebt.                                       

Ein Anruf aus Kölkebeck soll in Halle des Vormarsch der Alliierten angekündigt haben. Die „5th Armored Victory Division“ war am 2. April 1945 über Harsewinkel vorgerückt. „Die Spitze dieser Panzerdivision bildete die kampferprobte Task Force Hamberg, benannt nach ihrem Befehlshaber Oberstleutnant William A. Hamberg“, heißt es in den Haller Zeiträumen auf der „Kriegs-Wand“ im Raum Nationalsozialismus. Offenbar sei die Panzersperre schon von ihren Bewachern aufgegeben worden. Ungeklärt sei es, warum dort die beiden jungen Frauen ums Leben gekommen seien. „Ein namenloser Grabstein … erinnert noch heute an das sinnlose Sterben“.

Die US-Panzer sind über die damalige „Straße der SA“, die Alleestraße in Halle eingerollt. Die Soldaten waren an der Panzersperre Langer Brink/Straße der SA abgesprungen und flankierten die Kolonne zu Fuß. Um die Haller – einige hatten weiße Fahnen ins Fenster gehängt – einzuschüchtern, feuerten sie Warnschüsse ab. Weil die Besatzung ohne Gegenwehr verlief, erscheint der Tod von Steinmetz Wilhelm Schmidt umso tragischer, erinnern die Historiker daran, dass der Haller vor dem Bunker in seinem Garten von einer einzelnen Gewehrkugel getroffen wurde.

Kurz nach Ostern 1945 hatte es sich wie ein Lauffeuer herumgesprochen, dass das Lager des „Reichsarbeitsdienstes für die weibliche Jugend“ auf dem Schützenberg geplündert wurde. Fünf Jahre war der Berg für die Öffentlichkeit gesperrt gewesen. Unterkünfte für die „Arbeitsmaiden“ zwischen 17 und 25 Jahren, die man dienstverpflichtet hatte, und Lagerräume für Auskünfte und Uniformen waren in Baracken unterhalb der Schützenhalle. Nebenbei: Trupps von „Arbeitsmännern“, die unter anderem die bis dahin „Kahle Egge“ mit jungen Fichten aufforsteten, waren im Lager Ravensberg in Hesseln stationiert.

Dass es auf dem Schützenberg etwas zu holen gab, sprach sich blitzschnell herum. Einheimische und ehemalige Kriegsgefangene kamen mit Bollerwagen oder Pferdefuhrwerken, um nach den Jahren der Mangelwirtschaft Mäntel, Decken und Geschirr zu „organisieren“. Als jemand die Schützenhalle aufbrach, standen die verblüfften Haller nicht nur vor einem Berg von Tabakballen, „sondern auch vor zwei Automobilen des Bielefelder Zigarrenfabrikanten Crüwell, die unter der kostbaren Ware versteckt worden waren“.

Wer seine persönlichen Erinnerungen und Eindrücke aus den letzten Kriegstagen in Halle schildern kann, hat die Möglichkeit, immer samstags zwischen 10 und 12 Uhr während der Museumssprechstunde der Haller ZeitRäume unter Telefon 05201/183 256 anzurufen.

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