Am Kreisgymnasium Halle und der Gesamtschule wird von heute an vieles ganz anders sein
Unterrichts-Organisation mit Zollstock

Halle (WB). Ein Zollstock war zuletzt ein wichtiges Arbeitswerkzeug von Dorothee Gelfort-Prien, der Oberstufen-Koordinatorin am Kreisgymnasium. Das klingt erst einmal kurios, ist aber kein Witz. Denn den Zollstock hat die Lehrerin benötigt, um den vorgeschriebenen Mindestabstand von 1,5 Metern zwischen einzelnen Schülertischen in jedem benötigten Klassenraum auszumessen. Wenn heute zunächst für die angehenden Abiturienten der Unterricht wieder beginnt, sollen die Infektionsschutz-Vorgaben am KGH penibel umgesetzt sein.

Donnerstag, 23.04.2020, 05:00 Uhr
Dieses Foto mit vier Unterstufen-Schülern in der Notbetreuung sowie Lehrer Barthos Lehmann ist in der Mediothek des Kreisgymnasiums entstanden. Tatsächlich sitzen die Schüler mit Masken im Raum verteilt auf mindestens 1,5 Meter Abstand. Fotos: Stefan Küppers

Ehemaliger chinesischer Gastschüler schenkt dem KGH mehr als 200 Masken

Was jetzt in Lehranstalten passiert, hat mit der Schule in der Vor-Corona-Zeit nur noch wenig zu tun. An jedem Zugang ins Schulgebäude stehen Desinfektionsspender, die auch benutzt werden müssen. Weiterhin sollen sich Schüler mit Mundschutzmasken durchs Gebäude bewegen. Da trifft es sich gut, dass KGH-Direktor Markus Spindler jetzt überraschend Post aus China bekommen hat. Der einstige Gastschüler Mi Chenghui hat mit einer tollen Geste mehr als 200 Masken mit und ohne Filter zugeschickt. Das reicht, um derzeit jeden Lehrer und Schüler zu versorgen.

Von den 85 angehenden Abiturienten haben sich bei Dorothee Gelfort-Prien 68 gemeldet, um einzelne oder auch alle Kursangebote zur Vorbereitung auf die Abiturprüfung anzunehmen. Das Angebot der Unterstützung ist für die KGH-Schüler, die alle Vorabi-Klausuren absolviert haben, eine Option, keine Verpflichtung, bevor am 12. Mai das Abitur startet.

Mögliche Infektionsketten in der Schule müssen nachvollziehbar werden

Schulunterricht nach den Infektionsschutzregeln kann so schon mal geübt werden. Der ist speziell. Die Oberstufen-Koordinatorin hat in kleineren Klassenräumen, in denen früher mal 20 Schüler und mehr saßen, gerade mal Sechser-Gruppen mit den entsprechenden Abständen unterbringen können. Dazu ist ein genauer Sitzplan erstellt worden, wo welcher Schüler Platz zu nehmen hat. Das soll mögliche Infektionsketten nachvollziehbar machen. Und es muss zugleich eine regelmäßige Reinigung der Räume nach Nutzung organisiert werden. Wobei Dorothee Gelfort-Prien festgestellt hat, dass Zeitabstände zu kurz sein werden, um manche Räume durch verschiedene Leistungskurs- und Grundkurs-Gruppen zwei Mal am Tag belegen zu können. Wie das Problem gelöst werden soll, wenn noch mehr Pennäler wieder in den regulären Schulbetrieb eintreten, das steht noch in den Sternen.

Schüler und Lehrer dürfen sich auch beim Erklären nicht mehr nahe kommen

Auch für Almuth Burkhardt-Bader, Direktorin der Haller Gesamtschule, ist unklar, wie es gelingen soll, wenn wieder mehr als die 110 Schüler des 10. Jahrgangs an der Masch unterrichtet werden. Die vier Klassen sind in neun Gruppen unterteilt worden, die abwechselnd ab morgens oder mittags in den Hauptfächern Deutsch, Englisch und Mathe unterrichtet werden. Zur Neustrukturierung gehört, dass die Schulstunden statt 45 nun 60 Minuten lang sind.

Doch auch sonst wird alles anders. Um möglichst wenig Begegnungen untereinander zuzulassen, bekommt jede Schülergruppe einen eigenen Eingang ins Gebäude zugewiesen. Pausen und gemeinsames Mittagessen gibt es nicht mehr. Und selbst in den Klassen sollen sich Schüler und Lehrer nicht mehr nahe kommen. Hat ein Schüler ein Problem, geht er zu einem abgesonderten Tisch mit seiner Aufgabe. Der Schüler tritt zurück und der Lehrer tritt vor, um zu korrigieren. Nachdem der Lehrer zurückgetreten ist, nimmt der Schüler seine Aufgabe wieder mit an seinen Tisch. Unterricht in Corona-Zeiten erfordert damit ein so wohl noch nie gekanntes Maß an Disziplin.

 

 

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