Ausbau der großen überirdischen Höchstspannungsleitungen ist laut Amprion im Plan
Die neuen Strom-Riesen kommen

Halle-Hesseln/Altkreis (WB). Sie gilt laut der Amprion GmbH als eine der „neuen Hauptschlagadern der Stromversorgung“. Und in diesen Wochen und Monaten zeigt sich mehr und mehr, was der große Übertragungsnetzbetreiber aus Dortmund damit meint. Denn an verschiedenen Stellen in Halle aber auch in Nachbarorten auf dem 20 Kilometer langen Abschnitt zwischen Gütersloh und dem Umspannwerk in Halle-Hesseln liegen die Trägerkonstruktionen für die künftigen 380-kV-Leitungen bereit, die es ermöglichen werden, die bisherige Stromlast auf den Leitungen um etwa das Siebenfache zu vergrößern.

Mittwoch, 29.04.2020, 05:00 Uhr aktualisiert: 29.04.2020, 07:48 Uhr
Wie hier an der Tatenhausener Straße sind an mehreren Stellen in Halle und im Umkreis die Standorte für die neuen Masten der 380-kV-Stromleitungen zu sehen. Daneben steht noch der alte, bereits abgekabelte Mast und sieht geradezu klein aus. Foto: Ulrich Fälker
Wie hier an der Tatenhausener Straße sind an mehreren Stellen in Halle und im Umkreis die Standorte für die neuen Masten der 380-kV-Stromleitungen zu sehen. Daneben steht noch der alte, bereits abgekabelte Mast und sieht geradezu klein aus. Foto: Ulrich Fälker

Pläne seit sieben Jahren

Nach dem GAU im japanischen Atomkraftwerk von Fukushima 2011 und der grundlegenden Umstellung der Energiepolitik in Deutschland sollten die sogenannten Stromautobahnen in Deutschland ausgebaut werden, um zum Beispiel den überschüssigen Windstrom aus dem Norden Deutschlands schnell im Süden der Bundesrepublik verfügbar zu machen. Der Ausbau der Stromleitungen zwischen Gütersloh und Wehrendorf bei Osnabrück von bislang 220 Kilovolt auf künftig 380 kV ist ein Teil dieses großen Plans. Und Amprion hat bereits vor sieben Jahren die ersten Anträge für den Ausbau in diesem Teilabschnitt gestellt.

Auf einer Seite abgeklemmt

Nach erheblichen Protesten aus Teilen der Bürgerschaft und vielen Diskussionen über die Sinnhaftigkeit und Umsetzbarkeit von Erdverkabelungen ist nach einem ersten Planfeststellungsbeschluss der Bezirksregierung Detmold bereits im vergangenen Jahr im Ergebnis eine zweitgeteilte Vorgehensweise beim Ausbau im Kreis Gütersloh festgelegt worden. Demnach wird zwischen Gütersloh und dem Umspannwerk in Halle-Hesseln eine Strecke mit bis zu 80 Meter hohen Masten für eine ausschließlich überirdisch verlegte 380-kV-Leitung verlegt. Dazu wurde bereits im vergangenen Jahr die bisherige 220-kV-Stromtrasse zwischen Gütersloh und Hesseln zurückgebaut, sodass zum Beispiel Halle derzeit nur von Norden (Wehrendorf) kommend über das Umspannwerk in Hesseln mit Strom versorgt wird. Wenn dann die aufgerüstete Stromleitung von Gütersloh bis Hesseln fertig ist (geplant ist dies bis Mitte 2021), kann mit dem Weiterbau von Hesseln bis zur Landesgrenze von NRW und Niedersachsen in Borgholzhausen begonnen werden. Für diesen Abschnitt ist bekanntlich eine teilweise Erdverkabelung vorgesehen.

Vorbereitungen laufen

Bislang seien in dem Abschnitt Gütersloh bis Hesseln vorwiegend vorbereitende Arbeiten angegangen worden, wie zum Beispiel temporärer Wegebau, erforderlicher Holzeinschlag und Montage, erläutert Katrin Schirrmacher, die für die Projektkommunikation bei Amprion verantwortlich zeichnet. An einigen Stellen in Halle und Steinhagen, zum Beispiel bei Storck oder auch an der Tatenhausener Straße sowie in der Patthorst, liegen auch schon die großen Stahlträgerkonstruktionen für die 380-kV-Masten bereit. Auch an Fundamenten ist schon gearbeitet worden. Damit der Zeitplan für die Fertigstellung bis Mitte 2021 eingehalten werden kann, seien auch mehrere Bautrupps für Amprion im Einsatz, erläutert Schirrmacher. Die Firma Storck ist derzeit selbst mit neuen Hochbauten auf ihrem Gelände befasst und muss fertig werden, bevor die neuen 380-kV-Stromleitungen verlegt werden. Denn unter diesen darf nach Fertigstellung nicht mehr gebaut werden.

Amprion baut trotz Klage

Von Seiten einer Bürgerinitiative in Gütersloh-Isselhorst gibt es auch nach dem Planfeststellungsbeschluss weiterhin Ablehnung und Widerstand gegen das Ausbauprojekt. Schirrmacher rechnet damit, dass die Planung im Zuge einer Klage letztlich vom Bundesverwaltungsgericht in Leipzig überprüft werden wird. Dennoch setze Amprion seine Bautätigkeit fort. Das unternehmerische Risiko, bei einem eventuellen Scheitern vor Gericht wieder rückbauen zu müssen, nimmt die Amprion GmbH Schirrmacher zufolge bewusst in Kauf.

Bis Pium ab 2021

Unterm Strich sieht Amprion seine Zeitpläne bislang nicht gefährdet. „Es läuft alles nach Plan“, sagt die Verantwortliche für die Projektkommunikation und kann auch durch die Corona-Krise bedingt keine Verzögerungen erkennen. Dieser Planung zufolge soll noch im Sommer 2020 die Einleitung des Planfeststellungsverfahrens für den Abschnitt vom Umspannwerk Hesseln bis zur Landesgrenze in Borgholzhausen beantragt werden. Bei einer Verfahrensdauer von etwa einem Jahr könnte demzufolge von Mitte 2021 an der Weiterbau in Borgholzhausen erfolgen.

Noch fehlen Grundstücke

Die Teilerdverkabelung in Borgholzhausen über einen etwa vier Kilometer langen Abschnitt entlang eines geschlossenen Siedlungsbereiches bezeichnet Katrin Schirrmacher als „bautechnische Herausforderung, aber machbar“. Bekanntlich müssen bei der Ein- und Ausleitung ins und vom Erdreich Kabelübergabestationen gebaut werden, die jeweils etwa so groß wie ein Fußballfeld sind. Die dafür notwendigen Grundstückskäufe in Borgholzhausen sind offenbar noch nicht alle unter Dach und Fach, so ist Schirrmacher zu verstehen. „Doch wir werden eine Lösung finden“, zeigt sich die Kommunikationsverantwortliche bei Amprion optimistisch.

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