VHS sagt alle Kurse bis zum Sommer ab – und die Dozenten stehen ohne Einnahmen und Rettungsschirm da
Teilnehmer spenden ihre Kursbeiträge

Altkreis Halle  (WB/anb). Die Volkshochschule (VHS) Ravensberg hat nun doch alle Kurse bis zu den Sommerferien gestrichen . Und damit bleiben nicht nur die Kursteilnehmer auf der Strecke, sondern auch die Dozenten.

Mittwoch, 29.04.2020, 07:00 Uhr
VHS-Leiter Hartmut Heinze. Foto: Klaudia Genuit-Thiessen
VHS-Leiter Hartmut Heinze. Foto: Klaudia Genuit-Thiessen

Während Erstere zwar ihr wöchentliches Programm missen, aber eine Erstattung der Gebühren für die nicht stattgefundenen Stunden erhalten, trifft es Letztere viel härter. Denn sie sind vielfach freiberuflich beschäftigt und bekommen ihr Honorar nun nur anteilig.

„Wie viele Akteure in Kultur und Bildung fallen auch sie bei den Hilfen von Bund und Ländern durchs Raster“, sagen die Teilnehmer zweier Englisch-Kurse in Werther und eines Niederländisch-Kurses in Steinhagen und haben beschlossen, ihre Erstattungen seitens der VHS ihrem Lehrer Stephen Parsick zukommen zu lassen: „Wir hoffen, damit ein Zeichen zu setzen für andere Kurse, ähnlich zu verfahren.“

Kursleiter sieht keine Probleme der Wiederaufnahme

Stephen Parsick selbst hatte sich in einer E-Mail an seine Kursteilnehmer sehr verärgert gezeigt über die Absage der Sprachkurse. Wenn Läden wieder öffnen könnten, die Schulen den Betrieb wieder aufnehmen und Menschen sich im Öffentlichen Personen-Nahverkehr bewegen dürften, sollte es unter Erwachsenen auch möglich sein, die nötigen Abstände einzuhalten und notfalls mit Mundschutz die Kurse zu absolvieren. Einige der Vollzeit-Dozenten seien nun gezwungen, Hartz IV zu beantragen.

Am Niederrhein, in Moers und Kamp-Lintfort, gibt es eine solche Spenden-Initiative größer angelegt – ins Leben gerufen von Stadt und der dortigen VHS. Der Deutsche Hochschulverband fordert von Bund und Land, den Rettungsschirm auf Lehrkräfte der Volkshochschulen zu erweitern.

Landesverordnung verbitet VHS-Veranstaltungen

VHS-Leiter Hartmut Heinze verweist ebenfalls auf die Initiative des Dachverbandes, sieht aber der VHS Ravensberg die Hände gebunden. Er bedauert die Komplettabsage aller (analogen) Kurse bis zu den Sommerferien: „Wir dürfen gemäß der Landesverordnung keine Veranstaltungen machen. Wir haben lange diskutiert. Doch die Situation ist so unklar, dass wir nicht damit rechnen, im Mai wieder loslegen dürfen. Deshalb der klare Schnitt der Absage.“

Denn die VHS ist angewiesen auf Räume des Kreises und der Kommunen für ihre Kurse. „Das Gesundheitsamt müsste sagen, ob wir Schulen nutzen dürften. Und das müsste so geregelt sein, dass alle Vorschriften eingehalten würden.“ Teilweise seien Abstände schwierig, etwa bei Kursen in kleinen Räumen oder bei Kochkursen. Auch sei vielen Kursteilnehmer das Ansteckungsrisiko zu hoch. Das Gros der Kursleiter hätte Verständnis für die Absage gezeigt.

Online-Kurse sind möglich

Indes steht es laut Heinze den Dozenten frei, ihre Kurse online weiterlaufen zu lassen. Heinze verweist auf entsprechende technische Möglichkeiten über die VHS-Cloud. Japanisch und Italienisch werden derzeit nach seiner Auskunft online gelehrt. „Wir bieten Schulungen an, um die Kursleiter diesbezüglich weiterzubilden“, so Heinze. Und er verspricht, dass die VHS die digitalen Wege nun forcieren wolle.

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