Gerry-Weber-Beschäftigte starten Fotoaktion – Legen sich 20 Sparkassen quer?
Gerry Weber: Selfie-Aktion für Job-Erhalt

Halle (WB). Möglicherweise hängt die Zukunft des Haller Modeunternehmens Gerry Weber an 20 Sparkassen. Diese sollen bislang ihre Zustimmung zu dem vom Vorstand angestrebten Zahlungsaufschub für 35 Prozent ihrer Forderungen bis Ende des Jahres 2023 verweigern.

Dienstag, 19.05.2020, 20:02 Uhr aktualisiert: 19.05.2020, 20:56 Uhr
Bei Gerry Weber sollen 200 weitere Arbeitsplätze, größtenteils in Halle, abgebaut werden. Foto: dpa
Bei Gerry Weber sollen 200 weitere Arbeitsplätze, größtenteils in Halle, abgebaut werden. Foto: dpa

Das jedenfalls berichtet die IG Metall Textil-Bekleidung-Textile Dienste. Sie hat auf ihrer Facebook-Seite am Dienstag eine Fotoaktion gestartet. Beschäftigte von Gerry Weber – darunter Betriebsratschef Lutz Bormann – posten dort Selfies mit dem an die einzelnen Sparkassen gerichteten Vorwurf, diese riskierten mitten in der Corona-Krise ihren Job.

Nach dem vom Vorstand vorgelegten Rettungspaket sollen bei Gerry Weber 200 weitere Arbeitsplätze zum größten Teil in Halle abgebaut werden. Der Betriebsrat will aber nur zustimmen, wenn andererseits auch die Kreditgeber Rückzahlungen teilweise stunden. Im anderen Fall würde es für Gerry Weber wohl sehr eng werden.

Viele Geldgeber sollen Aufschub zugestimmt haben – aber nicht alle

Für die Verhandlungen hat das Management zu Beginn einen Zeitraum bis Mitte oder Ende Mai genannt. Am Dienstag hat das Unternehmen nur bestätigt, dass die meisten Geldgeber dem Aufschub schon zugestimmt hätten. „Einige wenige“ hätten sich dazu bisher nicht durchringen können.

Namentlich erwähnt werden auf der Facebook-Seite der IG Metall von den Beschäftigten die Kreissparkassen Düsseldorf, Heilbronn und Märkischer Kreis. Sofern mehrere Mitarbeiter gemeinsam auf einem Bild zu sehen sind, tragen sie Masken mit dem Gerry-Weber-Aufdruck. Neben den Sparkassen soll auch eine namentlich nicht genannte Volksbank bislang ihre Zustimmung verweigern.

„Arbeitsplätzen ein Gesicht geben“

Gegenüber dem Fachmagazin „Textilwirtschaft“ erklärte der tarifpolitische Sprecher der IG Metall für den Textilbereich, Manfred Menningen, mehr als 500 Mitarbeiter hätten seit dem Start der Aktion am Dienstagmorgen bereits Fotos auf die Facebook-Seite gestellt. „Wir wollen mit der Selfie-Aktion den Arbeitsplätzen ein Gesicht geben und an das Gewissen der Gläubiger appellieren”, erklärte Menningen dem Magazin.

Laut Gewerkschaft werde das Postfach für die Einsendung der Selfies zeitweise „überrollt. Wir haben Schwierigkeiten, alle Bilder online zu kriegen.” Menningen schätzt, dass bis Ende der Woche bei den Kreditgebern eine Entscheidung fallen muss.

Wegen der Ausfälle durch die Corona-Krise hat Gerry Weber bereits seine Umsatzprognose für das laufende Geschäftsjahr um gut 100 auf 260 bis 280 Millionen Euro gekürzt.

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