„Reh-Pflegemutter“ Renate Jürgensmann-Bülter zieht in Halle derzeit drei Kitze auf
Alle zwei Stunden gibt’s das Fläschchen

Halle  (WB). Alle zwei Stunden will es gefüttert werden, abends mit aufs Sofa und nachts mit ins Bett: Ihr Jüngstes hält Renate Jürgensmann-Bülter derzeit ordentlich auf Trab. „Es ist fit wie ein Turnschuh“, sagt die Hallerin. Und dabei war es Dramatik pur, es auf die Welt zu bringen. Doch es ist nicht der einzige Nachwuchs, der versorgt werden will. Derzeit zieht Renate Jürgensmann-Bülter als Reh-Pflegemutter gleich drei Rehkitze auf.

Montag, 25.05.2020, 03:30 Uhr aktualisiert: 25.05.2020, 09:06 Uhr
Zwei von mittlerweile drei Kitzen, die sie derzeit großziehen: André Bülter und seine Mutter Renate Jürgensmann-Bülter freuen sich über ihre neuen beiden Schützlinge. Die Kitze machen einen lebendigen und verspielten Eindruck. Foto: Malte Krammenschneider
Zwei von mittlerweile drei Kitzen, die sie derzeit großziehen: André Bülter und seine Mutter Renate Jürgensmann-Bülter freuen sich über ihre neuen beiden Schützlinge. Die Kitze machen einen lebendigen und verspielten Eindruck. Foto: Malte Krammenschneider

Die beiden älteren „Findelkinder“ sind auch erst wenige Wochen alt. Das jüngste Kitz aber wurde der anerkannten Pflegemutter vor einer guten Woche vom Jagdpächter gebracht. Die trächtige Ricke war totgefahren worden, das Junge musste aus ihrem Leib herausoperiert werden. Und es überlebte – dank der jahrzehntelangen Erfahrung der Hallerin. „Ich bin sofort zum Landwirt und habe Biestmilch besorgt“, sagt die 60-Jährige.

Labrador und Dackel spielen mit

Drei Kitze also tollen inzwischen im Wohnzimmer der Jürgensmann-Bülters umher. Unter Aufsicht ist sogar das Spielen mit Labrador-Hündin Lotta und Dackeldame Babsi möglich. Aber nach zwei Stunden machen sie sich bei ihrer „Mama“ durch intensives Fiepen bemerkbar – auch nachts. „Das gehört nun mal dazu. Es steckt schon ein großer Aufwand dahinter“, gesteht Renate Jürgensmann-Bülter, die nicht nur Zeit, sondern auch einiges Euros für ihre Schützlinge opfert.

„Pro Tier können sich die Futterkosten auf 700 bis 1000 Euro belaufen, denn sie bekommen spezielle Nahrung“, erklärt Sohnemann André Bülter, der seiner Mutter gerne unter die Arme greift und sich seinerseits der Aufzucht von verletzten Greifvögeln verschrieben hat. Das Fläschchen mit einer Katzenmilchmischung darf jedoch nur „Mama“ Renate den jungen Rehen geben, denn auf sie sind die Tiere besonders fixiert.

Große Wiese als Riesen-Gehege

Mit Milch werden die Kitze nun etwa drei Monate gefüttert, bevor nach und nach auf Grünzug und Früchte umgestellt wird, denn in der freien Wildbahn ernähren sich die Tiere vorwiegend von Gräsern, Früchten, Knospen und Blumen. Auch räumlich erfolgen mit der Zeit Veränderungen, denn hinter dem Hof befindet sich eine große, eingezäunte Wiese, auf der die Jungtiere in Gesellschaft zweier erfahrener Ricken neue Erfahrungen sammeln können. Ein Riesengehege. Es geht um eine schrittweise Entwöhnung vom Menschen, sodass die Tiere bestenfalls in die Natur zurückkehren können.

„Es macht immer wieder Spaß zu sehen, wie sie groß werden und sich entwickeln“, sagte Renate Jürgensmann-Bülter, die sich schon seit über 25 Jahren als Reh-Pflegemutter engagiert und in dieser Zeit laut eigener Aussage etwa 150 Kitze großgezogen hat. Bei Ricken funktioniere dies übrigens etwa leichter. „Die Böcke werden irgendwann geschlechtsreif und teils unberechenbar. Sie gehen dann schon früher“, so die Jägerin, die ihre Leidenschaft für Rehe von ihrem Vater Herbert geerbt hat und der es ganz wichtig ist, darauf hinzuweisen, dass gefundene Kitze nicht angefasst werden. „Kontaktieren Sie den Jagdpächter oder notfalls die Polizei. Die Leute wissen dann schon, was zu tun ist“, appelliert Jürgensmann-Bülter an Spaziergänger, die in der Brut- und Setzzeit möglichst auf den Wegen bleiben sollen.

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