Stadt Halle klärt bei Giftzentrale die Gefahren durch bestimmte Pflanzen und Bäume
Robinie darf auf Kinderspielplatz bleiben, Stechpalme muss weichen

Halle (WB). Die vom Grünen-Ortsverband gespendete Robinie, die in diesem Frühjahr auf dem Spielplatz Ravensberger Straße neu gepflanzt wurde, darf an ihrem jetzigen Standort verbleiben. Diesen Beschluss fasste der Ausschuss für Umwelt- und Klimaschutz mehrheitlich mit den Stimmen von SPD, Grünen und UWG, die CDU stimmte mit Nein.

Sonntag, 31.05.2020, 08:00 Uhr
Diese von den Grünen gespendete Robinie auf dem Spielplatz Ravensberger Straße setzte eine Diskussion in Gang. Foto: Küppers
Diese von den Grünen gespendete Robinie auf dem Spielplatz Ravensberger Straße setzte eine Diskussion in Gang. Foto: Küppers

Vertreter der CDU hatten zuvor die Entfernung der Robinie gefordert, weil dieses Gehölz zwar als „Baum des Jahres“ gekürt worden ist, jedoch in einigen Fachpublikationen davon abgeraten wird, diesen Baum wegen giftiger Früchte und Rinde auf Kinderspielplätzen zu pflanzen (www.baumpflegeportal.de, WB vom 27. März).

Giftzentrale hält Robinie auf Spielplätzen für nicht gut geeignet, sieht aber andere Gefahren für Kinder als viel größer an.

Die Haller Stadtverwaltung ging der Frage der angeblichen Giftigkeit jetzt durch Recherchen bei der Giftzentrale in Bonn nach. Dort hat die stellvertretende Leiterin Dr. med. Carola Seidel auf Anfrage des Haller Bauhofes unter anderem erklärt: „Die Robinie gehört sicher nicht zu den Pflanzen, die für Kinderspielplätze gut geeignet sind. Dennoch muss man die Gefahr, die von Pflanzen ausgeht, auch immer mit anderen Risiken vergleichen. Es sterben im Jahr ca. 300 Kinder durch Unfälle im Straßenverkehr. Trotzdem gehen wir mit ihnen tagtäglich raus, auch zum Spielplatz. Auf Spielplätzen gibt es Verletzungen durch Stürze, weit gefährlicher als manche „Giftpflanze“. Die letzte tödliche Vergiftung eines Kindes durch Pflanzen hat sich in den 90er Jahren ereignet. (...) Es sind in den letzten 50 Jahren keine schweren Vergiftungen durch die Robinie aufgetreten.“

Stechpalme (Ilex) muss sofort von Spielplatz entfernt werden

Die Verwaltung verwies in ihrer Argumentation weiterhin auf die gesetzlichen Grundlagen. Danach sind im Bereich von Spielplätzen lediglich vier Pflanzenarten genannt, die nicht gepflanzt werden dürfen oder vorhanden sein sollten (Pfaffenhütchen, Seidelbast, Stechpalme und Goldregen). Bei Befassung mit dem Thema stellte sich aber nun heraus, dass auf besagten Spielplatz seit vielen Jahren eine Stechpalme (Ilex) wächst.

Im Ausschuss gab es dann eine kurze Diskussion, wie schnell die Stechpalme entfernt werden solle. Dieter Jung (Grüne) war sich in diesem Punkt mit Dr. Ute Müller (CDU) einig, dass die Entfernung unverzüglich erfolgen müsse, weil die Politik ja nun Kenntnis von potenziellen Gefahren erlangt habe. So bleibt als Fazit: Die neue Robinie bleibt, aber eine ältere Stechpalme (Ilex) muss weichen.

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