Diagnosezentrum am Berufskolleg Halle: Neues Formular erleichtert Reisen
Jetzt hat jeder Corona-Test einen Namen

Halle (WB). Erst die Erleichterung über ein negatives Testergebnis, dann die Ernüchterung: Eindeutig lässt sich der digital abrufbare Befund nicht Person und Zeit zuordnen. Als “Passierschein” etwa für einen geplanten Urlaub waren die Ergebnisse, die in den ersten Tagen unter anderem im Abstrich-Zentrum im Haller Berufskolleg ermittelt wurden, damit nicht automatisch nutzbar. Der Kreis Gütersloh hat darauf reagiert: Seit Sonntagvormittag gibt es ein zusätzliches Formular, das vor Ort ausgehändigt wird. Damit wird das 24 bis 48 Stunden später per App übermittelte Ergebnis personalisiert.

Montag, 29.06.2020, 06:00 Uhr aktualisiert: 29.06.2020, 06:33 Uhr
Elke und Klaus-Bernhard Seidel präsentieren die neue Corona Test-Bescheinigung.                                Foto: Malte Krammenschneider
Elke und Klaus-Bernhard Seidel präsentieren die neue Corona Test-Bescheinigung.                               

Dass dies zuvor nicht der Fall war, hat zum Teil für Unmut gesorgt. Die App des Kölner Labors, an das die Teströhrchen aus dem Berufskolleg Halle, dem Reinhard-Mohn-Berufskolleg Gütersloh, der Gesamtschule Verl sowie dem Diagnosezentrum am Flughafen (Drive-In) geschickt werden, zeigt nur an, ob positiv oder negativ. „Bei der kurzfristigen  Auftragsvergabe war es nicht möglich zu kontrollieren, was die App kann oder nicht”, teilt der Kreis Gütersloh dazu  mit und verweist darauf, dass es Ziel der Massentests sei, festzustellen, ob das Coronavirus von den Tönnies-Beschäftigten auf die übrige Bevölkerung übergesprungen ist. Es gehe nicht darum, Bürgern eine Urlaubsbescheinigung auszustellen.

„Kein Reisebüro“

„Wir sind hier leider kein Reisebüro”, sagt auch Oberleutnant Philipp Pankotsch, in Halle derzeit verantwortlich für die Dokumentation der Testungen. Schwerpunkt sei es, das Ausmaß der Infektionen festzustellen. „Gleichwohl freuen wir uns, wenn wir den Menschen jetzt quasi den Weg frei machen können.” Das neu eingeführte Formular werde mit einer Kopie des Personalausweises, dem QR-Code für das Abrufen des Testergebnisses, Datum, Uhrzeit und amtlichem Stempel versehen. Das Ergebnis sei aufgrund des hohen Aufkommens realistischerweise oft erst nach 48 Stunden einsehbar. Dazu unterstreicht Kreis-Sprecherin Beate Behlert: „Die 48-Stunden-Frist, die vielerorts eingefordert wird, läuft ab Befund –  nicht ab Zeitpunkt des Abstrichs.”

Peter Goldbecker, Einsatzleiter am Berufskolleg Halle, weist darauf hin, dass die neuen Papiere eine gewisse Sicherheit bieten, nicht jedoch als „Garantieschein“ zu betrachten sei. „Am besten ist es, sich vor Ort zu erkundigen, welche Unterlagen benötigt werden.“

Andrang lässt nach

Goldbecker beobachtet, dass der Andrang etwas nachlässt. Donnerstagabend, als das Zentrum gerade geöffnet hatte, wurde bis um 22 Uhr von 212 Personen ein Abstrich genommen. Einige Leute mussten nach Hause geschickt werden. Freitag kamen 740 Personen, Samstag waren es 444, der Sonntag lief verhalten an. “Natürlich gab es vereinzelt verärgerte Leute, die einsehen mussten, dass es hier keinen Freifahrtschein für den Urlaub gibt”, berichtet er. Doch insgesamt stelle sich die Situation entspannt da. „Die meisten sind freundlich und diszipliniert, viele auch dankbar. Es gab schon Schokoladenspenden”, erzählt er. Die anerkennende Einschätzung des Feuerwehrmanns: “Was hier vom Kreis Gütersloh auf die Beine gestellt wurde, ist eine echte Hausnummer.”

Werthers Bürgermeisterin Marion Weike, die als SPD-Landrätin kandidiert, hatte den Krisenstab in den sozialen Medien bezüglich der nicht-personalisierten Testergebnisse scharf kritisiert. Sie erntete dafür zum Teil Zuspruch. Sie musste sich umgekehrt aber auch den Vorwurf anhören,  zur Unzeit Wahlkampf zu betreiben.

Auch beim Hausarzt

Die Tests der   Diagnosezentren  Ems-Berufskolleg und Carl-Miele-Berufskolleg  gehen übrigens an ein anderes Labor in Bad Salzuflen. In deren App stehen Name, Geburtsdatum, Datum und Uhrzeit des Tests und natürlich das Ergebnis. Die niedergelassenen Ärzte, bei denen Test ebenfalls kostenlos möglich sind, können jeweils für sich entscheiden, welches Labor sie nutzen wollen.

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