Mehr als 4500 Menschen nutzten das Corona-Diagnosezentrum am Berufskolleg in Halle
Ehrenamtliche Hilfe führte an Grenzen

Halle (WB). Neun Tage lang drehte sich im Haller Berufskolleg alles um kleine Stäbchen. Mit ihnen wurden im Corona- Diagnosezentrum die Proben genommen. Am Freitagabend hat das Diagnosezentrum in Halle ebenso wie das in Verl wie vorgesehen seinen Betrieb eingestellt. Die Auslastung der Diagnosezentren insgesamt hätten einen weiteren Betrieb nicht gerechtfertigt, hieß es.

Montag, 06.07.2020, 07:41 Uhr aktualisiert: 06.07.2020, 07:44 Uhr
Oberleutnant Christian Berghaus (Bundeswehr), Einsatzleiter Peter Goldbecker (Feuerwehr), Zugführerin Kristina Stadelhofer (Malteser) und der stellvertretende Einsatzleiter Björn Holtmann (Feuerwehr) besprechen den anstehenden Abbau. Fotos: Kerstin Panhorst

Im Schnitt haben sich 500 Personen am Tag testen lassen

Wenn es allerdings nach den Zahlen aus Halle geht, wäre eventuell ein Weiterbetrieb gerechtfertigt gewesen. „Es war sehr gut besucht, die Zahlen sind konstant geblieben so dass im Schnitt 500 Personen pro Tag hier waren, um sich testen zu lassen“, erzählt Peter Goldbecker, Einsatzleiter am Berufskolleg Halle. Vor allem an den letzten beiden Tagen sei noch einmal ein kleiner Ansturm zu verzeichnen gewesen, am vorletzten Tag (Donnerstag) kamen 700 Menschen. „Wir haben unsere Kapazitäten da schnell wieder hochgefahren damit keine Wartezeiten entstehen“, sagt Goldbecker.

Der Löschzugführer der Freiwilligen Feuerwehr Hörste ist dennoch froh, dass das Diagnosezentrum nun geschlossen wurde: „Wir benötigen pro Tag ca. 60 freiwillige Helfer, da stoßen wir schon an unsere Grenzen“. Neben den hauptberuflichen Bundeswehrsoldaten aus Ahlen waren freiwillige Helfer der Feuerwehrlöschzüge Halle, Hörste und Kölkebeck, des DRK, der Johanniter, des Arbeitersamariterbundes und der Malteser im Einsatz, die für einen reibungslosen Ablauf sorgten.

Diagnosezentrum praktisch aus dem Boden gestampft

Ein paar Probleme gab es dennoch, als zum Beispiel am Eröffnungsabend die Teströhrchen mit einer Stunde Verspätung eintrafen und trotz Testung von 212 Personen gegen 22 Uhr einige Wartende wieder nach Hause geschickt werden mussten. „Obwohl wir vorher darauf hingewiesen hatten, das das passieren würde, wurde eine Familie dann sehr ruppig und war aufgebracht. Sonst haben wir aber eher eine positive Resonanz bekommen“, berichtet Goldbecker. Obwohl er als Löschzugführer eine Ausbildung für die Stabsführung hat, war die Organisation des Zentrums auch für ihn Neuland: „Ich habe Mittwochs abends den Anruf bekommen, dass hier ein Testzentrum entsteht. Und gleich am nächsten Vormittag haben wir es aufgebaut mit Hilfe von Polizei und Bauhof. Wir mussten uns ja erst einmal alle auf die Situation einstellen, niemand von uns hat vorher etwas ähnliches gemacht und wir hatten nur eine grobe Marschrichtung“.

Die Zusammenarbeit mit der Bundeswehr und den anderen Organisationen sei allerdings sehr gut gewesen. Weniger zufriedenstellend fanden viele Getestete am Anfang ihre Befunde, da sich diese nicht eindeutig der getesteten Person und der Zeit zuordnen ließen. Die App des zuständigen Kölner Labors zeigte nur an, ob das Ergebnis positiv oder negativ ausfiel. Dadurch war der Testbefund als Negativ-Beweis für einen geplanten Urlaub, für medizinische Untersuchungen oder Beleg für berufliche Weiterbildungen außerhalb des Kreises nicht nutzbar.

Sogar Menschen aus Bayern und Osnabrück wollten sich testen lassen

Erst vier Tage nach der Eröffnung des Testzentrums wurde ein zusätzliches Formular eingeführt, mit dem das per App übermittelte Ergebnis personalisiert wurde. Dadurch kamen viele Menschen ein zweites Mal zum Test, um doch noch ihren „Freifahrtschein“ zu bekommen. Durchschnittlich mussten die insgesamt mehr als 4500 Getesteten 48 Stunden auf ihr Ergebnis warten. Einige versuchten sich sogar testen zu lassen, obwohl sie nicht aus dem Kreis Gütersloh stammen. „Ich weiß von einem jungen Paar aus Bayern und von Personen aus dem Kreis Osnabrück, aber die wurden direkt am Eingang abgewiesen“, berichtet Peter Goldbecker.

Auch für viele freiwillige Helfer stand am Ende ihres Dienstes der Test. Denn ihre Arbeitgeber verlangen einen negativen Nachweis nach ihrem Aufenthalt im „Krisengebiet“.

“Mulmiges Gefühl” bei Fahrt in den Kreis Gütersloh

„Als wir hörten, es geht in den Kreis Gütersloh, waren wir schon angespannt und hatten ein mulmiges Gefühl. Es ist schon etwas anderes als wenn man bei einem Brand oder Unfall im Einsatz ist. Aber nachdem wir hier waren und uns klar wurde, wie gering die Ansteckungsgefahr hier im Norden des Kreises ist, waren wir schon entspannter“, berichtet Kristina Stadelhofer von den Maltesern. Die Zugführerin der 5. Einsatzeinheit der Bezirksregierung Arnsberg meldete sich nämlich mit ihren Kollegen nicht wie die anderen Einsatzteams aus der Umgebung freiwillig, sondern wurde mit ihrer Truppe offiziell über den Brand-und Katastrophenschutz alarmiert und für Halle eingeteilt.

Obwohl das Haller Zentrum nun geschlossen ist, gibt es weiterhin die Möglichkeit zu kostenlosen Corona-Tests. Drei Diagnosezentren bleiben vorerst für die Bürger des Kreises geöffnet.

Drei Diagnosezentren im Kreis bleiben offen

Im Ems-Berufskolleg in Rheda-Wiedenbrück (täglich 8 bis 20 Uhr), im Carl-Miele-Berufskolleg in Gütersloh (täglich 8 bis 20 Uhr) und auf dem Flughafen in Gütersloh an der Marienfelder Straße (täglich 8 bis 20 Uhr) kann man sich weiterhin kostenlos auf das Coronavirus testen lassen.

Für Menschen mit einer Gehbehinderung sind die Diagnosezentren in den Berufskollegs bedingt geeignet. Für sie ist der Flughafen die beste Alternative, da dieses in Form einer Zeltdurchfahrt möglich ist und man im Auto sitzen bleiben kann, während man auf den Abstrich wartet. Zudem bieten viele Hausärzte den Test an.

 

 

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