Was Thomas Tappe (CDU) als Haller Bürgermeister angehen würde und wo er Gefahren sieht
Maß halten und maßvoll entwickeln

Halle (WB). Ein Rathaus nur zu verwalten, das ist Thomas Tappe, der sich als Kandidat der CDU um das Amt des Haller Bürgermeisters bewirbt, zu wenig. „Wer keinen Draht zu den Menschen hat, sollte ein solches Amt nicht annehmen. Denn die Leute haben schnell raus, ob da jemand wirklich Interesse an ihnen hat“, sagt der 49-Jährige. Und deshalb will der Diplom-Verwaltungswirt und Fachbereichsleiter in Versmold den Umgang mit Bürgern einerseits sowie den Umgang mit Mitarbeitern im Rathaus andererseits zu seinem Thema machen.

Freitag, 10.07.2020, 05:00 Uhr aktualisiert: 10.07.2020, 16:12 Uhr
CDU-Bürgermeisterkandidat Thomas Tappe, hier in seinem Garten in Hörste vor einem Hühnerstall, hat vor seiner Karriere als Verwaltungsfachmann Landwirt werden wollen. Natur- und Umweltfragen bei Stadtentwicklung sind ihm auch politisch wichtig. Foto: Stefan Küppers
CDU-Bürgermeisterkandidat Thomas Tappe, hier in seinem Garten in Hörste vor einem Hühnerstall, hat vor seiner Karriere als Verwaltungsfachmann Landwirt werden wollen. Natur- und Umweltfragen bei Stadtentwicklung sind ihm auch politisch wichtig. Foto: Stefan Küppers

Tappe ist der Überzeugung, dass hier Handlungsbedarf besteht. In der Wirkung nach innen glaubt er daran, dass man als Chef Vorbild sein und tatkräftig mit ins Rad greifen sollte (Beim Umzug fragen „Wo steht das Klavier?“). Genauso wenig solle Verwaltung nach außen hin den Bürger „von oben herab“ betrachten. In diesem Sinne ist dem Kandidaten wichtig, ein ehrlicher Ansprechpartner im Rathaus sein zu wollen und als Bürgermeister auf einen verbesserten Informationsaustausch und eine stärkere Einbindung in Entscheidungsprozesse hinzuwirken. „Das heißt, dass sich die Verwaltung als Dienstleister versteht und nicht nach dem Motto verfährt: Lass die Bürger mal kommen.“

Moderator zwischen Interessen von Verwaltung und Bürgern

Was bedeutet das konkret für eine Stadt, bei der auch Tappe in den vergangenen Jahren festgestellt hat, dass sehr viele Bürger deutlich kritischer geworden sind? „Ein Bürgermeister sollte als Moderator zwischen den Interessen von Verwaltung und Bürgern wirken“, sagt er. Bei Konfliktthemen bedeute dies, dass sie vernünftig besprochen und alle Beteiligten in gleicher Weise informiert werden. Und in Verwaltungsvorlagen müsse das Für und das Wider eines Themas ausführlich dargelegt werde. Die Bürger würden ordentlich beteiligt und am Ende werde eine Mehrheitsentscheidung getroffen. „Und wenn diese Entscheidung dann nicht im Sinne aller ist, können diese ja eine neue Idee entwickeln und es erneut versuchen“, meint Tappe.

Und wie würde Thomas Tappe komplexe Vorhaben wie die Erweiterung von Storck als Bürgermeister begleiten? Kontroverse Debatten um Wasserförderung kenne er bereits vom Versmolder Wasserbeschaffungsverband, sagt Tappe. Man müsse sich hier von Experten gut beraten lassen. Und Naturgesichtspunkten müsse mehr Raum als noch vor 20 Jahren gegeben werden. „Andererseits hat Storck über Jahrzehnte eine Tradition in Halle und hat hier verantwortungsvoll agiert. Wenn es für Storck die letzte Chance ist, sich am Standort weiter zu entwickeln, dann müssen wir sagen, ob wir das unterstützen oder ob wir wollen, dass die Pläne zum Beispiel in Ohrdruf realisiert werden.“ Und welche Grundhaltung hat Tappe? „Ich sehe Storck als einen verlässlichen Partner, der sich immer einen Kopf um Umwelt- und Naturaspekte gemacht hat. Aber natürlich bleibt es ein großer Eingriff, den wir vernünftig abwägen müssen. Und wäre es nicht Storck, sondern eine neue Firma, würde ich mich schon fragen: Müssen wir uns das wirklich antun?“

Maß halten und sich als Stadt maßvoll weiterentwickeln: Das ist Tappes Credo. „Unser Flächenverbrauch ist insgesamt zu hoch.“ Mindestens für die nächste Wahlperiode sieht er angesichts der bereits in die Wege geleiteten Vorhaben eine Phase der Konsolidierung für Natur und Finanzen. „Wir dürfen nicht alles mögliche neu ausweisen und uns damit überfordern. Wir sind Kleinstadt und wollen keine Weltstadt werden.“

Erweiterung des Ravenna-Parks zunächst kein Thema

Eine Erweiterung des Ravenna-Parks sieht Tappe in den nächsten Jahren nicht als Thema. Im übrigen sei die Anmeldung von Flächen für den Regionalplan nur eine Option für künftige Generationen von Ratsmitgliedern, wenn diese neue Gewerbeflächen für nötig erachteten, stellt Tappe klar.

Maß halten, das hat er zuletzt bei der Entscheidung für den elf Millionen Euro teuren Neubau der Grundschule Gartnisch vermisst. Für die Umsetzung eines pädagogischen Konzeptes habe man nicht versucht, mit den Gegebenheiten zurecht zu kommen, statt Anbau gebe es den Neubau. Wenn Gartnisch neue Standards setze, könnten auch andere Schulen Forderungen stellen. Angesichts hoher Überschüsse in der Stadtkasse herrsche bei einigen die Meinung vor, Halle könne keiner was anhaben. Doch das sei gefährlich.

Innenstadt und alte Häuser

Bei großen Konfliktthemen wie dem Verkehrsfragen vertritt Tappe klare Positionen. Es brauche endlich eine ganzheitliche Betrachtung. „Wenn wir weiterhin so viel Verkehr auf der B68 und Lange Straße haben, können wir dort nicht Tempo 30 einführen. Wo sollen die Verkehre sonst hingeführt werden?“, fragt Tappe. „Und wenn es keine vernünftige Erreichbarkeit der Innenstadt gibt, sind die Geschäfte tot.“ Deshalb brauche es eine langfristige Verkehrsachsenplanung. Der Bau von Lärmschutzwänden am Künsebecker Weg bei nachträglicher Einführung von Tempo 30 in diesem Bereich sei ein Beispiel für Fehlplanung durch mangelnde Gesamtbetrachtung. Natürlich gehe es auch um die Schaffung von mehr Aufenthaltsqualität in der Innenstadt, aber dafür dürfe der Rathaus-Vorplatz nicht dicht gemacht werden.

Beim Konflikt um den Erhalt alter Häuser an der Langen Straße sieht sich Tappe durch das vorgelegte Architektengutachten ermutigt, dass der Erhalt wenigstens eines Teils der historischen, stadteigenen Häuser zwar teuer, aber möglich ist. Tappe: „Eine Kommune ist in vielen Dingen nicht immer kostendeckend unterwegs. Und wenn ich wirksam das alte Gesicht Halles erhalten will, dann muss man sich als Stadt wohl auch selbst engagieren.“

Was der alte Landrat seinem Enkel Thomas mit auf den Weg gegeben hat

Bürgermeister? Thomas Tappe (49) weiß, dass man sich die Kandidatur für ein solches Amt gut überlegen muss. Die Familie müsse das mittragen, vor allem Ehefrau Sonja, sagt der Vater von drei Kindern (Zwillingssohn und -tochter 20 Jahre, sowie Sohn 18 Jahre). Denn so richtig sei man als Bürgermeister eben nicht mehr privat. Thomas Tappe hat selbst erfahren, was Ämter und Ehrenämter bedeuten. Seit Jahrzehnten ist er ehrenamtlich engagiert im Posaunenchor Hörste-Hesselteich-Bockhorst, als Unterbrandmeister in der Feuerwehr Hörste oder eben in der Haller Ratsarbeit.

Was es heißt, ein politisches Spitzenamt zu bekleiden, hat der junge Thomas Tappe bei seinem Großvater mütterlicherseits bei Familienfeiern persönlich mitbekommen. Fritz Ostmeyer, ein Landwirt aus Westbarthausen, war von 1958 bis 1972 Landrat des alten Kreises Halle und nach der Gebietsreform von 1983 bis 1988 auch Landrat des neugebildeten Kreises Gütersloh. Zwei Jahre saß der CDU-Mann auch im Düsseldorfer Landtag. „Da konnte es auch mal passieren, dass Opa auf einer Konfirmationsfeier eines Enkels zwischendurch schnell mal weg musste, um eine Ehrung durchzuführen“, erinnert sich Thomas Tappe. Eine Aussage des alten Landrates hat Thomas Tappe zu seiner eigenen Richtschnur gemacht: „Man muss in der Gesellschaft Verantwortung übernehmen. Wenn sich alle wegducken, funktioniert das alles nicht.“

„Eigentlich wollte ich Landwirt werden”

Dass sich Thomas Tappe heute als gestandener Fachbereichsleiter in Versmolds Stadtverwaltung um das Amt des hauptamtlichen Verwaltungschefs im Haller Rathaus bewerben würde, war in jungen Jahren nicht vorgezeichnet. „Ich wollte anfangs eigentlich immer Landwirt werden“, berichtet Tappe, der in seiner Jugend auf benachbarten Höfen in Hörste regelmäßig mit Hand angelegt hat, früh mit dem Trecker fahren konnte und sich bei Erntearbeiten was dazu verdient hat. Bis zu seiner Hochzeit mit 28 Jahren habe er regelmäßig auf drei Höfen ausgeholfen. Die Liebe zu Natur und Tieren lebt Thomas Tappe nicht nur privat mit großem (Nutz-)Garten, eigenen Hühnern und Schafen, sondern spielt auch in seinen politischen Überzeugungen eine Rolle (siehe oben).

„Fachlich gut sein, reicht alleine nicht“

Dass Thomas Tappe nach dem Abitur am KGH dann doch kein Landwirt wurde, hatte u.a. zwei Gründe. Erstens hatte er keinen eigenen Hof und als Angestellter zu einem Gut wollte er nicht gehen. Und dann war da noch der Großvater und Landrat, der ihm zu einer Ausbildung in der Verwaltung riet. Tappe entschied sich für eine Ausbildung in der Stadtverwaltung Versmold, denn die Übersichtlichkeit, die weiter einen guten Kontakt untereinander erlaubt, kommt Tappe von seiner Einstellung zu Menschen her entgegen. Über 30 Jahre lang hat er in der Verwaltung schon viele Aufgaben übernommen, hat sich fortgebildet und ist schließlich zum Leiter eines großen Fachbereiches aufgestiegen. „Man muss fachlich schon gut sein“, sagt Tappe. „Aber noch viel wichtiger ist es, das Gespür für den Menschen gegenüber zu haben. Fachlichkeit alleine reicht nicht aus.“

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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