Bundesstraße zwischen Pium-Bahnhof und Quelle soll Velo-Route werden
Mit dem Rad über die B 68 zur Arbeit

Altkreis Halle (WB). Über die holländischen „Fietspads“ flitzen schon längst E-Bikes und Pedelecs, hierzulande will man nachziehen: Die alte B 68 soll in wenigen Jahren zur Velo-Route werden. Von Borgholzhausen-Bahnhof durch die Haller Innenstadt und Steinhagen soll ein zügig zu befahrener Alltags-Radweg bis zur Auffahrt auf den Ostwestfalendamm in Quelle ausgewiesen werden – eine Herausforderung für Planer und Politiker. Denn bei der Umsetzung gibt es Widerstände und Probleme quasi an jeder Grundstückszufahrt.

Samstag, 11.07.2020, 06:00 Uhr aktualisiert: 11.07.2020, 17:54 Uhr
Das Nadelöhr in der Haller Innenstadt schlechthin: Die Engstelle am Amtsgericht bietet schon für Autofahrer wenig Platz. Für einen Radweg bleibt schon überhaupt kein Platz. Hier dürfte dann höchstens mit Tempo 30 gefahren werden.         Foto: Klaudia Genuit-Thiessen
Das Nadelöhr in der Haller Innenstadt schlechthin: Die Engstelle am Amtsgericht bietet schon für Autofahrer wenig Platz. Für einen Radweg bleibt schon überhaupt kein Platz. Hier dürfte dann höchstens mit Tempo 30 gefahren werden.          Foto: Klaudia Genuit-Thiessen

„Bis Ende des Jahres soll eine Machbarkeitsstudie vorliegen, die dann in den politischen Gremien beraten wird“, sagt Eckhard Hoffmann. Der Abteilungsleiter Technik und Umwelt im Haller Rathaus ist Projektleiter für die Mammutaufgabe, bei der derzeit 30 Beteiligte im Boot sind. Das Büro Röwer aus Gütersloh hat den Auftrag für die Studie bekommen, die als Grundlage für den Förderantrag dient. Ein erster Schritt auf dem Weg zu einem „regiopolen Radwegenetz“, das – möglicherweise schon ab 2022/23 vielen Menschen den täglichen Weg zur Arbeit mit dem Fahrrad erleichtern könnte.

Viele steigen um auf E-Bike und Pedelec

„Ich glaube schon, dass da Drive hineinkommen könnte“, sieht Steinhagens Bürgermeister Klaus Besser das Projekt nicht nur vor dem Hintergrund Klimaschutz, sondern auch im Hinblick auf die Corona-Krise durchaus Fahrt aufnehmen. „Viele Menschen meiden lieber den ÖPNV und steigen aufs Rad um“. Wenn man die Konzepte jedenfalls ernst nehme, müsste zügig etwas passieren, hofft er, dass der Förderantrag 2021 auf den Weg geschickt werden kann.

Die Regiopole – das ist ein Zusammenschluss zwischen Bielefeld und umliegenden Städten. Ein interkommunales Radverkehrsnetz für den Alltag ist eines ihrer Ziele, um die Nachbarstädte mit dem Zentrum Bielefeld zu verbinden. Dabei soll das Fahrrad als attraktives, sicheres und gleichberechtigtes Verkehrsmittel in der Region gefördert werden: für den Weg zur Arbeit, zur Ausbildung, zum Einkaufen, zum Sport oder ins Theater.

Ausbau auf 19 Kilometer

Eine schwierige Kiste für die knapp 19 Kilometer auf oder an der alten B 68. Denn dort, wo es heute schon so etwas ähnliches wie einen Radweg gibt, ist er zu schmal für Gegenverkehr und/oder das Überholen langsamerer Radler. Und wo keiner existiert, ist womöglich überhaupt kein Platz, um Radfahrer separat zu führen. „Der Haller Stadtrat hat dem Projekt kürzlich zugestimmt“, erinnert Eckhard Hoffmann. Die B 68 habe als eine ganz wichtige Route die Priorität 1 und werde damit als einer der wichtigsten Radwege in der Region eingestuft.

Die Arbeitsgruppe setzt sich aus Anrainerkommunen Halle, Borgholzhausen, Steinhagen und Bielefeld zusammen. Dazu kommen Vertreter des Kreises Gütersloh und des Landesbetriebes Straßen NRW. „Unser Ansinnen ist es, den Radweg dort zu verbreitern, wo Grundstücke zur Verfügung stehen, oder aber den vorhandenen Straßenraum umzugestalten“, stellt der 54-Jährige klar. Außerorts solle der Radweg möglichst vier Meter breit sein.

Anbindung an Mobilstation

Vor allem muss für die Strecke zwischen Ortsausgang Quelle und Ortseingang Halle entschieden werden, auf welcher Seite der alten B 68 der kombinierte Rad-/Gehwegweg geführt werden soll. Baulich einfacher sei es im Hinblick auf die großen Knotenpunkte auf Steinhagener Gebiet (Bielefelder Straße/Bahnhofstraße/Upheider Weg) vermutlich, ihn überhaupt auf der Nordseite zu führen, sieht Bürgermeister Klaus Besser darin durchaus einen Vorteil. Denn „mehr Verkehr kommt von Süden. Aber das würde es andererseits bei einer südlichen Führung auch einfacher machen, die Wohngebiete anzubinden“.

Zwischen Halle und Pium verläuft der Radweg bereits nördlich und man braucht dort nur zu verbreitern. Zudem kann die Mobilitätsstation am Bahnhof Kreuzungspunkt für Autofahrer, Bahnkunden und Radfahrer werden, sieht Ralf Vieweg als Allgemeine Vertreter des Borgholzhausener Bürgermeisters darin große Chancen. Auch auf dem Lande müsse man neu denken. „Wir haben jetzt die Autobahn, brauchen aber für die Zukunft auch eine Autobahn fürs Fahrrad: schöne, glatte Wege, möglichst ohne Kreuzung“, sagt er im Hinblick auf den „technologischen Schub“ durchs E-Bike. Die Kunst bestehe darin, Aufmündungen und Einfahrten so sicher zu machen, dass ein Fahrradfahrer oder E-Biker auch mit Speed unterwegs sein könne.

Widerstände sind zu erwarten

Mit der Öffnung der Autobahn ist der alte Osning-Hellweg zwischen Bielefeld und dem Schnatweg bekanntlich nur noch Landesstraße. Auf Haller Gebiet wird sie einmal Gemeinde- und/oder Kreisstraße. Zwischen Auffahrt zur Westumgehung und Borgholzhausen-Bahnhof soll sie vorerst noch Bundesstraße bleiben.

„Einfach wird es nirgends, einen Radweg zu bekommen“, rechnet Eckhard Hoffmann mit vielen Widerständen. Mehrspuriger Verkehr sei zu berücksichtigen, Sicherheitsabstände einzuhalten. Vor allem in der Haller Innenstadt sieht er „keinen separaten Radweg“ – wie immer der Stadtrat auch im Hinblick auf den innerstädtischen Verkehr und die alten Häuser entscheide. Hoffmann: „Radfahrer dort auf die Straße zu bringen ist nur möglich, wenn die Geschwindigkeiten reduziert werden. Bei höchstens 30 Stundenkilometer ist es verträglich.“

Kommentare

Christoph  schrieb: 13.07.2020 08:00
Schon jetzt wäre was möglich
Klingt toll, wie ich die Mühlen der Verwaltung in OWL kennen gelernt habe wird es bestenfalls eine halbgare Lösung, vermute ich zumindest...
Auch und gerade da wo der Radweg schon heute existiert wird man als Radler systematisch und ohne Not ausgebremst. Beispielsweise sind an den Abzweigungen Ascheloher Weg und Teichstraße die Fahrradampeln nur auf Anforderung grün, wenn man also bei grün für den Autoverkehr dort ankommt mit dem Rad findet man eine rote Ampel vor, drückt und wartet einen kompletten Zyklus. Das, neben vielen anderen Dingen, frustriert und führt zu meiner wenig optimistischen Einschätzung.
Tom Meister  schrieb: 12.07.2020 12:13
Radweg Bergstraße / Peter auf dem Berge
Kommt dann auch endlich ein Radweg Bergstraße / Peter auf dem Berge ?
Leider gibt es da nämlich keine Alternative als sich täglich in Lebensgefahr zu begeben.
2 Kommentare
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