Waldspaziergang der Klimaschützer im Vorfeld der Storck-Erweiterung
„Kahlschlag ersten Ranges“

Halle (WB). Eine Allee mit nahezu 200 Jahre alten Bäumen geht ebenso verloren wie ein einmaliges Biotop mit Röhricht- und Schilfbeständen und ein gesunder Mischwald, wie er im Buche steht – jedenfalls wenn die Erweiterungspläne der Firma Storck im Tatenhausener Wald so umgesetzt werden wie vorgesehen. Das wurde am Sonntag deutlich bei einem Waldspaziergang, zu dem die Friday-for-Future-Gruppe Altkreis Halle (FFF) eingeladen hatte.

Montag, 13.07.2020, 05:00 Uhr
Die Fridays-for-Future-Einladung zum Waldspaziergang mit Hartmut Lüker vom BUND (Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland, rechts vorn) und Altförster Aloys Tenkhoff haben am Sonntag viele Bürger wahrgenommen.                     Foto: Klaudia Genuit-Thiessen
Die Fridays-for-Future-Einladung zum Waldspaziergang mit Hartmut Lüker vom BUND (Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland, rechts vorn) und Altförster Aloys Tenkhoff haben am Sonntag viele Bürger wahrgenommen.                      Foto: Klaudia Genuit-Thiessen

Weil das Interesse an dem Spaziergang mit Hartmut Lüker vom BUND und Altförster Aloys Tenkhoff so groß war, begrüßte FFF-Sprecher Tobias Rüter schon zum ersten Termin am Morgen 35 Teilnehmer, darunter ein Kamerateam, das eine Dokumentation über den Flächenverbrauch dreht. Weitere 40 Interessierte waren nachmittags unterwegs. Möglicherweise gibt es einen dritten Termin. Tobias Rüter: „Wir stehen dem Storck-Vorhaben sehr kritisch gegenüber.“

Pläne auf der Homepage der Stadt

Mitgegangen sind auch zwei der drei Bürgermeisterkandidaten: Dr. Kirsten Witte für die Grünen und Thomas Tappe (CDU) sowie andere Haller Politiker. „Die Haller Politik ist bisher nicht beteiligt an dem Verfahren“, sagte Kirsten Witte. Sie schloss sich dem Hinweis von Hartmut Lüker an, dass es durchaus sinnvoll sei, sich über die Details der Planung beispielsweise über die Homepage der Stadt zu informieren und gegebenenfalls noch bis zum 17. Juli eine Stellungnahme abzugeben.

Die Storck-Erweiterung, der der Regionalrat kürzlich „nur dem Grunde nach zugestimmt“ habe, wie Lüker sagte, besteht nämlich aus vier einzelnen Verfahren, die insgesamt sogar eine Fläche von 22 Hektar betreffen: Flächennutzungs- und Bebauungsplan, das wasserrechtliche Verfahren und die Verlegung des Laibaches. 150 Seiten Erläuterungen, die nicht alle ganz aktuell sind. Doch noch im August wird schon eine erste Stellungnahme der Stadt erwartet.

BUND fordert mehr Sensibilität

„Uns geht es nicht darum, die Pläne grundsätzlich zu verhindern. Aber wir haben Angst davor, dass man sich nicht wirklich mit Details befasst. Warum müssen 1,5 Hektar Parkraum verschwendet werden, wenn Storck doch ohnehin ein Parkhaus bauen will? Dann kann man es doch richtig anpacken, gab Hartmut Lüker zu bedenken wie wichtig es ist, sich mit allen Aspekten des Antrages zu befassen – trotz Coronakrise. Dem BUND gehe es darum, klar zu machen, wie sensibel das Gebiet sei. Tenkhoff und Lüker wiesen auf Knackpunkte hin: Am Steinhausener Weg, der verlegt werden soll, geht fast ein Hektar reiner Laubholzbestand verloren. Übrigens im Stadtwald. Die Waldflanke wird offen daliegen und Stürmen und Sonneneinstrahlung preisgegeben. 40 Vogelarten sind betroffen. Laichgewässer für Amphibien gehen verloren. Tenkhoff: „Ersatzfläche ist kein Ersatz. Sämlinge sind erst in 50 Jahren herangewachsen“.

Ein „gewaltiges Artensterben“ sei absehbar und Lebensräume unwiederbringlich weg, wenn der Paulinenweg zudem Werksgelände werde und Storck die Zufahrt von der L 782 bekomme. „Jeder Trampelpfad wird kaputt gemacht – wie beim Bau der A 33“, bemerkte ein Bürger. Die Grundwasserfrage, die einige besonders interessierte, wurde beim Spaziergang weitgehend ausgespart. Das zweidimensionale Modell des Gutachters entspreche jedoch nicht mehr dem heutigen Stand der Technik, kritisierte Hartmut Lüker mit Blick auf den Umweltschutz. „Wir fordern ein dreidimensionales Modell“.

Kommentare

Diese Diskussion ist geschlossen. Kommentieren ist nicht mehr möglich.
 
https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/7490867?categorypath=%2F2%2F2158585%2F2158590%2F2198384%2F2198389%2F2516076%2F
Grenzkontrollen und Einreiseregeln wegen Corona verschärft
Das Nachbarland Tschechien zählt als Hochrisikogebiet. Nun gelten strengere Einreiseregeln nach Deutschland.
Nachrichten-Ticker