Halles lettische Partnergemeinde lässt sich von der Pandemie nicht unterkriegen
Valmiera hebt trotz Corona ab

 

Halle/Valmiera (WB) Alle großen Veranstaltungen gestrichen bis Ende Oktober, die große OWL-Arena verwaist, das Haller Bürgerzentrum ungenutzt. Corona legt das Leben lahm. Und in der Haller Partnerstadt Valmiera? Da freuen sich die Menschen auf das Stadtfest vom 24. bis 26. Juli, um den 737. Geburtstag der lettischen Hansestadt zu feiern. Ein Fest der besonderen (Virus-)Art.

Samstag, 18.07.2020, 06:00 Uhr
Die bunte Wald-Beleuchtung direkt am Ufer der Gauja wurde bislang zu einem Spektakel, das immer viele Besucher angelockt hat. Gefeiert werden soll auch dieses Jahr. Und doch wird man dieses Event höchstens von Ferne genießen können.        Foto: Stadt Valmiera
Die bunte Wald-Beleuchtung direkt am Ufer der Gauja wurde bislang zu einem Spektakel, das immer viele Besucher angelockt hat. Gefeiert werden soll auch dieses Jahr. Und doch wird man dieses Event höchstens von Ferne genießen können.        Foto: Stadt Valmiera

Halle/Valmiera (WB) Alle großen Veranstaltungen gestrichen bis Ende Oktober, die große OWL-Arena verwaist, das Haller Bürgerzentrum ungenutzt. Corona legt das Leben lahm. Und in der Haller Partnerstadt Valmiera? Da freuen sich die Menschen auf das Stadtfest vom 24. bis 26. Juli, um den 737. Geburtstag der lettischen Hansestadt zu feiern. Ein Fest der besonderen (Virus-)Art.

Kaum ein anderes Land in Europa hat Corona so gut in den Griff bekommen wie Lettland. Die Einschnitte für die Bevölkerung und die Wirtschaft waren erfolgreich, bis Anfang Juli gab es über mehrere Wochen fast keine Neuinfektionen. Aber schon kurz nach der Lockerung der Quarantäne-Bestimmungen für Besucher aus anderen Ländern gingen die Zahlen – für lettische Verhältnisse – steil nach oben. Erst sieben Neuinfektionen, dann ein Tag mit 13. Die Regierung bereitete die Bevölkerung vorsichtshalber schon mal auf wieder verschärfte Maßnahmen vor.

Selbst Feiern geht online

Das geplante Stadtfest dürfte davon nicht betroffen sein, denn wie Elina Rubule, die Partnerschaftsbeauftragte im Rathaus von Valmiera, auf Anfrage berichtet, ist der Ablauf ganz auf die Einschränkungen der Pandemie abgestimmt. „Fertig zum Abheben“ lautet das Motto. Und getreu dieser Anlehnung an die Fliegersprache wird es in Valmiera gleich mehrere „Flugfelder“ geben mit Überraschungen und musikalischen Darbietungen. „Wir können uns ja nicht in großer Zahl an einem Ort treffen“, schreibt Elina Rubule. Deshalb habe man die Bürger eingeladen, sich in kleinen Gruppen zusammenzufinden, die über die Stadt verteilten Ziele anzusteuern und sich auch selbst einzubringen in die Organisation und die Aktivitäten.

Wer sich gar nicht recht ins „Getümmel“ trauen möchte oder auf Reisen ist, „kann das Geschehen in seiner Wohnung verfolgen, kann auf dem Balkon, bei einem Picknick an der Gauja oder anderswo in Lettland oder auf der Welt mitfeiern. Auf der Facebook- und der Internetseite der Stadt Valmiera sowie beim lokalen Fernseh-Sender ReTV wird live berichtet - Stadtfest online.

Warmes Essen für Schüler

Hier wird die ausgezeichnete digitale Infrastruktur Lettlands zur Unterhaltung genutzt, in den vergangenen Monaten war sie für Verwaltung, öffentliches Leben und die Unternehmen von enormem Vorteil. Das Rathaus, so Elina Rubule, habe eine Vorreiterrolle übernommen, habe verstärkt auf den Einsatz von e-Government-Angeboten gesetzt. Beispielsweise sei eine Plattform geschaffen worden für lokale Unternehmer und Bürger, um die Nutzung von Lieferdiensten an die Haustür zu fördern. Viele Geschäftsleute hätten Kreativität bewiesen, „um unter ungewöhnlichen Bedingungen weiterarbeiten zu können“, heißt es im Schreiben aus dem Rathaus.

Auch in der Verwaltung war Einfallsreichtum gefragt. Allein schon für den Schulbereich. Schließlich waren die Schulen seit Beginn der Pandemie bis zu den dreimonatigen Sommerferien geschlossen. Lehrer und Schüler mussten binnen weniger Tage auf Online-Unterricht umschalten. Ein Nebeneffekt: In den Schulen gab es auch kein Essen, die Eltern aber waren oft tagsüber zur Arbeit. Also organisierte das Rathaus ein warmes kostenloses Mittagessen für alle Erst- bis Sechstklässler sowie für Schüler der Klassen sieben bis neun aus Familien mit niedrigem Einkommen. Elina Rubule hat genau nachgefragt: In dieser Zeit wurden 42.529 warme Mahlzeiten verteilt, geliefert mit Kleinbussen über zwölf Routen an 313 Abgabestellen.

Abschluss ohne Prüfung

Natürlich sind auch die Abi-Prüfungen nicht ganz normal gelaufen. Immerhin konnten die Schüler der Abschlussklassen – unter Einhaltung aller Corona-Regeln - seit Mitte Mai auch mal wieder persönliche Kontakte mit ihren Lehrern aufnehmen, um spezielle Fragen zur Prüfung besprechen zu können. Die Zeugnisse nach der neunten Klasse sind auf Beschluss der Regierung ausnahmsweise ohne Prüfungen ausgestellt worden.

Wie sehr die Kinder von Valmiera nach Kontakt mit Gleichaltrigen lechzen, zeigt ein Angebot des Jugendzentrums. Dort haben in der vergangenen Woche die Kreativ-Workshops während der Sommerferien begonnen. „In zwei Stunden waren alle 50 Plätze belegt“, berichtet Sanita Loce.

Übrigens gibt es in diesem Sommer sogar leibhaftige Kultur in Valmiera. Bekannte lettische Musiker treten zu einer Konzertreihe unter freiem Himmel auf, jedes Konzert ist einem der Elemente Erde, Feuer, Luft und Wasser gewidmet. Die Natur soll dabei eine große Rolle spielen. Und zum ersten Mal gibt es in Halles Partnerstadt auch ein Autokino.

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