Wertpapiere vieler regionaler Aktiengesellschaften aus OWL weiter stark im Minus
Schwarzes Halbjahr an der Börse

Frankfurt/Bielefeld/Delbrück/Halle (WB). Börsianer führen gern eine drastische Sprache. Insofern könnte man das, was sich um den 18. März auf dem Frankfurter Parkett ereignete, durchaus als „Gemetzel“ bezeichnen. Der Dax sackte innerhalb kurzer Zeit von mehr als 13.000 auf – an der tiefsten Stelle – 8473 Punkte, der MDax von über 29.000 auf unter 18.000 und der SDax von 11.500 auf weniger als 8000 Punkte.

Montag, 20.07.2020, 03:00 Uhr aktualisiert: 20.07.2020, 06:52 Uhr
Tendenziell geht es am deutschen Aktienmarkt mit den Kursen wieder aufwärts. Allerdings tun sich Automobilzulieferer und Unternehmen aus der Modebranche weiter sehr schwer. Positiv nach sticht Symrise (Holzminden) ab. Foto: dpa
Tendenziell geht es am deutschen Aktienmarkt mit den Kursen wieder aufwärts. Allerdings tun sich Automobilzulieferer und Unternehmen aus der Modebranche weiter sehr schwer. Positiv nach sticht Symrise (Holzminden) ab. Foto: dpa

Doch während sich zur Halbzeit des Börsenjahres der Dax schon wieder auf fast 13.000 und der MDax immerhin schon wieder auf fast 28.000 Punkte erholt haben und der SDax sogar schon die 12.000er-Marke geknackt hat, sieht die Börsenbilanz der verbliebenen Aktiengesellschaften in und um Ostwestfalen-Lippe zum großen Teil düsterer aus.

So sieht es in OWL aus

Die Baisse der AGs in OWL hat mit den Branchen zu tun, in denen sie zum großen Teil beheimatet sind. Die Autoindustrie ist nicht nur vom Coronavirus, sondern auch von den allgemeinen Diskussionen um Mobilität und Klimaschutz betroffen. Das hat Auswirkungen auf die Zulieferer. Die Delbrücker Paragon GmbH & Co. KGaA weist mit einem Minus von 35,7 Prozent seit Jahresbeginn den größten Rückgang aus. Für Voltabox (Delbrück), an der Paragon noch eine Beteiligung von 60 Prozent hält, von der sie sich aber trennen will, sieht die Bilanz nur unwesentlich besser aus.

Die Wertpapiere des Blomberger Holzwerkstoff-Herstellers Delignit, der ebenfalls vor allem die Autoindustrie beliefert, verloren 19,7 Prozent. Dagegen hat sich Hella (Lippstadt) von dem Tiefstand wieder etwas erholt, liegt aber im Vergleich zum Jahresbeginn immer noch mit 23,8 Prozent im Minus.

Eine zweite, stark kriselnde Branche ist die Modeindustrie. Nach Insolvenzverfahren und erneutem Gläubigerschutz werden Aktien der Gerry Weber International AG (Halle) noch nicht wieder gehandelt. Die Ahlers AG (Herford) als weiterer Modehersteller aus OWL notiert im Vergleich zum Jahresbeginn mit fast 42,5 Prozent im Minus. Vergleicht man den Kurs vor einem Jahr (2,90) so hat er sich aktuell (1,42) sogar mehr als halbiert.

DMG Mori schlägt sich sehr gut

Im Vergleich dazu schlägt sich der weltweit führende Werkzeugmaschinenbauer DMG Mori (Bielefeld) mit einem Kursrückgang von nur rund 5 Prozent sehr gut.

Bei den kleineren Aktiengesellschaften der Branche sieht es dagegen schlechter aus. Die Lewag Holding in Beverungen im Kreis Höxter, deren größte Tochterfirma Maschinen für die Glasindustrie herstellt, liegt im Vergleich zum Januar mit fast 20 Prozent, der Beelener Anlagen- und Maschinenbauer Aumann mit 18,4, Prozent und der Sassendorfer Komponenten-Hersteller Technotrans mit 17 Prozent im Minus. Die Friwo AG in Ostbevern, Spezialist für Netzwerk- und Ladetechnik, konnte einen zwischenzeitlichen Einbruch um 60 Prozent zuletzt auf ein Minus von 20 Prozent reduzieren.

Ein Blick jenseits der engen Grenzen von OWL zeigt ebenfalls wenig Erfreuliches. Der US-Zahlungssystemhersteller Diebold Nixdorf, der weiterhin ein großes Werk in Paderborn betreibt, büßte am Aktienmarkt 44,6 Prozent ein. Dass das Papier des TV-Konzern RTL Group 35,1 Prozent an Wert verlor, kann Mehrheitseigentümer Bertelsmann nicht kalt lassen. Die Gütersloher haben kürzlich zugestimmt, dass die ursprünglich geplante Dividende für 2019 gestrichen wird und das Geld im Unternehmen verbleibt. Einzig der Duft- und Aromen-Hersteller Symrise, der den Sitz auf der niedersächsischen Seite der Weser in Holzminden hat, machte den Verlust Mitte März längst wett und liegt gegenüber dem Jahresbeginn sogar mit 15,8 Prozent im Plus.

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