Neue Ausstellung in der Haller St. Johanniskirche zeigt 96 uralte Bibelfliesen
Ein fast vergessener Schatz

Halle (WB). Wer erkennt es? Im Eingangsbereich der Haller St. Johanniskirche ist bis zum 23. August eine Ausstellung von historischen Kacheln zu sehen. Sie alle tragen biblische Motive – und die sind für den Betrachter nicht immer leicht zu erkennen. Dabei gibt es auch in Halle selbst solche Bilderfliesen.

Montag, 20.07.2020, 08:00 Uhr
Fliesen erzählen Geschichte(n): Pastor i.R. Kurt Perrey, Barbara Tillmann, Udo Waschelitz und Pastor Nicolai Hamilton (von links) zeigen bis zum 23. August rund 200 Bibelmotive, wie sie auf Fliesen des 16. bis 18. Jahrhunderts modern waren. Foto: Eische Loose
Fliesen erzählen Geschichte(n): Pastor i.R. Kurt Perrey, Barbara Tillmann, Udo Waschelitz und Pastor Nicolai Hamilton (von links) zeigen bis zum 23. August rund 200 Bibelmotive, wie sie auf Fliesen des 16. bis 18. Jahrhunderts modern waren. Foto: Eische Loose

Hauptsächlich kennt man die Bilderfliesen aus Deutschlands Norden und den Niederlanden. Dort befinden sich auch die meisten Manufakturen, die seit etwa 1520 den Wandschmuck in Handarbeit, aber dennoch massenweise herstellen.

Die Älteste ist 350 Jahre alt

Zuerst sind sie bunt. Das wird schnell zu teuer. Dann kommen sie einfarbig in markantem Blau oder Mangan-bräunlich auf den Markt. Neben Blumen, Landschaften, Kindern und Handwerksleuten sind auch immer wieder biblische Motive dabei. „Insgesamt kennt man 600 verschiedene Szenen. Das sind ungefähr sechs Prozent aller Fliesen“, weiß Pastor i.R. Kurt Perrey. Er hat in seinen 22 Jahren als Pastor im ostfriesischen Städtchen Norden und als ehemaliger Inselpfarrer von Juist die Motiv-Kacheln neu entdeckt. Im Jahr 2003, einem Jahr der Bibel, stellte er die ersten zusammen. Jetzt ist er mit 96 Original-Fliesen in Halle zu Gast, die älteste gezeigte ist 350 Jahre alt. Dazu kommen noch große Bild-Poster, die die Motive besonders gut sichtbar machen.

Außerdem ist ein großes Bild eines guten Bekannten aus Halle zu sehen: Einst aus der Landratswohnung in Meinders Hof gerettet, hat das Haller Rathaus nämlich seine eigene Bild-Geschichte. 45 Kacheln von circa 1700 zieren jetzt gegenüber dem Trauzimmer eine Kaminrückwand.

Wie kamen die Kacheln in den Süden?

Wie die Kacheln so weit in den Süden gewandert sind, ist nach wie vor unklar. Dabei waren sie einst schwer in Mode. Gerade bei den Friesen wurden Kamine, aber auch Küchen, Schankräume und Bäder mit den Bildern verziert. In Kirchen kamen die Bibel-Bilder ebenfalls niemals an. Schließlich waren Darstellungen in den reformierten Gotteshäusern streng verboten. Allerdings konnten die Geschichten daheim von Generation zu Generation weiter gegeben werden. Manchmal jedoch gehen die Motive auch im Gedränge anderer Darstellungen unter. Denn oft sind Abbildungen doppelt oder gar dreifach verwendet worden und in meist wahlloser Auswahl.

„Vor allem sind die Fliesen eben Fliesen, also Baustoffe“, meint Kurt Perrey, der mittlerweile von Emsdetten aus die Sammlung der Bibelfliesen betreut. Gemeinsam mit Barbara Tillmann erzählte er jetzt mit Dias und einem extra zusammen gestellten Bilder-Kreuz im Abendgottesdienst von den Fliesen. Dabei gilt für sie: Sind einmal irgendwo welche aufgetaucht, gibt es im selben Haus sicherlich noch weitere. Das liegt auch daran, dass viele Darstellungen erst langsam erraten werden müssen – in der neuen Ausstellung übrigens mit einem Quiz. „Heute geht das Wissen um die biblischen Geschichten ja sehr zurück, gerade bei den alttestamentlichen“, meint auch der Haller Pfarrer Nicolai Hamilton. Er unterstützt Organisator Udo Waschelitz nachdrücklich dabei, die Ausstellung in der Haller St. Johanniskirche samt dem lokalen Bezug zu zeigen.

Die Ausstellung in der Kirche ist während der Öffnungszeiten (dienstags, mittwochs und donnerstags von 15 bis 17 Uhr, freitags und samstags von 10 bis 12 Uhr) sowie jeweils vor und nach den Gottesdiensten zu besichtigen. Der Eintritt ist frei.

Kommentare

Diese Diskussion ist geschlossen. Kommentieren ist nicht mehr möglich.
 
https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/7500424?categorypath=%2F2%2F2158585%2F2158590%2F2198384%2F2198389%2F2516076%2F
Grenzkontrollen und Einreiseregeln wegen Corona verschärft
Das Nachbarland Tschechien zählt als Hochrisikogebiet. Nun gelten strengere Einreiseregeln nach Deutschland.
Nachrichten-Ticker