Künsebecker befreien Trockenrasen-Areal vom Jakobskreuzkraut
Pflanze mit einnehmendem Wesen

Halle-Künsebeck (WB). „Ist es das? Raus oder nicht raus?“ Das war am Wochenende oft die Frage bei den Künsebeckern. Rund 20 Freiwillige hatten sich auf Einladung der Interessengemeinschaft Künsebecker Bürger (IGKB) am Trockenrasen-Areal zwischen Finkenstraße und B68 eingefunden, um dort Jakobskreuzkraut zu entfernen.

Dienstag, 21.07.2020, 08:00 Uhr
Mit Handschuhen und Spaten ausgerüstet kann’s losgehen: IGKB-Mitglieder und weitere Künsebecker treffen sich auf der Magertrockenrasen-Fläche an der Finkenstraße, um dort das Jakobskreuzkraut zu entfernen. Foto: Kerstin Panhorst
Mit Handschuhen und Spaten ausgerüstet kann’s losgehen: IGKB-Mitglieder und weitere Künsebecker treffen sich auf der Magertrockenrasen-Fläche an der Finkenstraße, um dort das Jakobskreuzkraut zu entfernen. Foto: Kerstin Panhorst

Doch zunächst musste Stephan Borghoff von der Stadt Halle eine kleine Aufklärungsrunde einschieben. Denn einige andere Pflanzen wie der Rainfarn oder der Beifuß erwiesen sich auf den ersten Blick der Giftpflanze sehr ähnlich. Im direkten Vergleich ließen sich dann aber doch Unterschiede erkennen; denn während das Jakobskreuzkraut gelbe Zungenblütenblätter hat, gibt es beim Rainfarn zum Beispiel dunkelgelbe, knopfartige Blüten.

Mit Spaten und Handschuhen geht’s los

Nachdem also das „Ist es das?“ geklärt war, zogen die Helfer mit Spaten und Handschuhen los, um der Pflanze samt Wurzel den Garaus zu machen. Zwar ist das Jakobskreuzkraut eine alte heimische Pflanze, doch seit ungefähr 2004 entwickelt sich die Ausbreitung der Giftpflanze in Nordrhein-Westfalen zum Problem. Die Verbreitung der Pflanze erfolgt über ungezählte Samen, die ähnlich wie beim Löwenzahn über den Wind verteilt werden. Verbreitet ist es besonders auf Stilllegungsflächen, extensiv genutzten Weiden, Extensivgrünlandflächen, Wegrändern und Böschungen. Und leider auch auf dem Künsebecker Areal, auf dem der wertvolle Magertrockenrasen wächst. Trockenrasen sind besondere Biotope, die sich an trockenen, nährstoffarmen Standorten ausbilden und auf denen niedrige Kräuter und Halbsträucher wachsen, wie sie eigentlich typisch für Steppen sind.

„Wir wollen hier eigentlich den Sandmagerrasen haben. Aber das Jakobskreuzkraut macht anderen Lückenpflanzen wie beispielsweise Thymian den Lebensraum streitig und nimmt ihnen das Licht aufgrund seiner Größe von bis zu 1,20 Metern“, erklärt Stephan Borghoff. Deswegen seien Maßnahmen zur Verhinderung der Ausbreitung wichtig, hinzu komme die Giftigkeit der Pflanze. Die ist zwar für Menschen nicht allzu besorgniserregend, da aufgrund ihrer Bitterstoffe kaum jemand auf die Idee kommen dürfte, sie in Mengen zu verzehren. Aber auf dem städtischen Grundstück befindet sich auch ein Bolzplatz, viele Künsebecker Kinder nutzen das Areal zum Spielen und könnten unabsichtlich kleine Mengen über die Schleimhäute aufnehmen.

Keine Königin gekrönt...

„Wir haben damals als Verein die Tore auf dem Platz aufgestellt, deswegen sehen wir uns auch in der Verantwortung, uns weiter darum zu kümmern“, erzählt Friederike Hegemann über die Motivation für die Aktion. Die Vorsitzende der IGKB zeigt sich erfreut von der großen Resonanz: „Wir hatten nicht mit so vielen Helfern gerechnet. Wir sind überrascht, wie viele Künsebecker gekommen sind, obwohl es ja kein Fest ist oder ähnliches, sondern Arbeit.“

Beinahe wäre dann doch noch spontan ein Fest aus der Aktion geworden. Denn unter den Helfern kam eine hübsche Idee auf: Wenn Steinhagen seine Heidekönigin kürt, warum dann Künsebeck nicht seine Jakobskreuzkrautkönigin? Mangels Krone wurde der Einfall dann aber doch wieder fallen gelassen und lieber weiter gearbeitet.

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