55 Besucher erleben in Halle-Stockkämpen kurzweilige Aufführung des Theaters Töfte
Faust mit 20 Puppen im Garten

Halle-Hörste (WB). „Und jetzt erwarten Sie 12.111 Verse in rund acht Stunden!“, begrüßt Ralf Kiekhöfer fröhlich die 55 Kulturhungrigen im Café im Alten Pfarrhaus in Stockkämpen. Glücklicherweise ist das nur ein Scherz. Ralf Kiekhöfer hat den Dr. Faust von Goethe nämlich „verdichtet“ – puppen- und besucherfreundlich.

Montag, 20.07.2020, 21:00 Uhr
„Mein schönes Fräulein, darf ich’s wagen...“ Mit diesem Goethe-Zitat zeigt Schauspieler Ralf Kiekhöfer, dass Dr. Faust nicht nur außer Rand und Band ist, sondern auch sämtlichen Frauen verfällt – auch denen im Publikum. Foto: Eische Loose
„Mein schönes Fräulein, darf ich’s wagen...“ Mit diesem Goethe-Zitat zeigt Schauspieler Ralf Kiekhöfer, dass Dr. Faust nicht nur außer Rand und Band ist, sondern auch sämtlichen Frauen verfällt – auch denen im Publikum. Foto: Eische Loose

Im Biergarten und auf der Wiese stehen die Tische, an denen es an diesem Kulturabend um einen der größten Dichter Deutschlands geht. Unzählige Male sind die Verse zitiert, kennt ein jeder des „Pudels Kern“, den Goethe im Schauspiel vom Dr. Faust einzufangen versuchte. Dennoch erscheint die Geschichte immer wieder neu, die Ralf Kiekhöfer direkt am Anfang prosaisch zusammenfasst: „Ein enttäuschter alter Mann sucht das Glück und verliebt sich dabei. Dann vergisst er das Mädchen.“ Genauso unverschnörkelt ist denn auch die „Verdichtung“, bei der Kiekhöfer nurmehr 371 Verse benötigt. Sie sind aufgeteilt auf 20 Puppen und 67 Minuten.

Neue ausdrucksstarke Puppen angefertigt

Dabei hat sich der Schauspieler erst kürzlich neue ausdrucksstarke Puppen anfertigen lassen. Wer also die erste Darbietung seines Töfte-Theaters in der Städtischen Galerie schon kennt, ist überrascht. Keine Überraschung hingegen ist die Hingabe, mit der Schauspieler und Puppen verschmelzen. Ralf Kiekhöfer spielt nicht nur die Klappmaul- und Fingerpuppen, er spielt auch mit ihnen, als seien ihre Rollen echt.

So ist es nicht nur seine Hand, die Faust das Gift reicht und Gretchen die Fußnägel lackiert. Er spricht auch mit Mephisto, singt seine eigene Version von „Sympathy for the devil“. Dabei lässt er die Puppen fliegen, sterben und chillen, trägt sie aber auch ganz nah ans Publikum. Immerhin verfällt Dr. Faust wegen Mephisto allen Frauen, auch den Zuschauerinnen. Die sind daher schnell in das Stück hinein gesogen.

„Latin Rocks“ am 25. Juli

Da stört auch keine Menü-Folge. Denn die Gastgeber haben sich zum Kulturabend ein passendes Dinner einfallen lassen. So gibt es Goethe-Suppe aus Erbsen, Gretchen-Salat mit „Hund“, nämlich Hühnchen und Mephistos Matjessalat. Der oftmals so lange entbehrte Kulturgenuss wird für alle ein echter Höhepunkt.

Daher hat das Café auch schon weiter voraus geplant. „Wir wollen aber keine großen Events beginnen, sondern geruhsam Kultur anbieten“, sagt Gastgeberin Ilka Bischoff. Am kommenden Samstag, 25. Juli, können sich Besucher, die sich zuvor angemeldet haben, daher nach Lateinamerika begeben. Denn dann spielt die Gruppe „Latin Rocks“ aus Bielefeld. Anmeldungen unter Telefon 0178-8 45 40 83 oder per E-Mail: info@cafe-altes-pfarrhaus.de.

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