Borgholzhausen auf Hilfe aus Halle und Steinhagen angewiesen
Freibad wegen Wasserknappheit zeitweise dicht

Borgholzhausen  (WB). Die Lage war dramatisch – und bleibt auf unabsehbare Zeit angespannt: In Borgholzhausen (Kreis Gütersloh) ist das Trinkwasser knapp geworden, zeitweise drohte der Ausfall der gesamten Versorgung. Sogar das Freibad musste zeitweise schließen.

Montag, 10.08.2020, 03:01 Uhr aktualisiert: 10.08.2020, 14:40 Uhr
Gärten dürfen nicht mehr bewässert, private Pools nicht mehr befüllt werden – und auch das Borgholzhausener Freibad hat vorsorglich wegen des dramatisch gesunkenen Trinkwasserpegels geschlossen. Aus den Nachbarstädten kommt jetzt Hilfe. Foto: Ulrich Fälker
Gärten dürfen nicht mehr bewässert, private Pools nicht mehr befüllt werden – und auch das Borgholzhausener Freibad hat vorsorglich wegen des dramatisch gesunkenen Trinkwasserpegels geschlossen. Aus den Nachbarstädten kommt jetzt Hilfe. Foto: Ulrich Fälker

Inzwischen hat sich Situation dank einer erheblichen Wasserbereitstellung aus dem Notverbund mit der Technischen Werke Osning (TWO) Halle zwar etwas stabilisiert – doch von Entspannung kann keine Rede sein.

Die Stadt hat bereits am Freitag per Ordnungsbehördlicher Verordnung das Befüllen von Pools und das Bewässern der Gärten mit städtischem Trinkwasser verboten und am Sonntag auch das Freibad geschlossen – nicht zuletzt deshalb, weil dort am Sonntagmorgen auch ein Filter hätte gespült werden müssen, was einen erheblichen Trinkwasserverbrauch bedeutet hätte.

Die Feuerwehr fährt durch die Stadt und informiert die Bevölkerung per Lautsprecherdurchsage. Am Altenheim Haus Ravensberg läuft die Notversorgung: Dort haben das THW und das Wasserwerk Wassertanks aufgebaut. Diese werden jetzt extern befüllt mit Wasser, das der Trinkwasserzug des THW Lemgo aus dem benachbarten Versmold heranschafft, genauer gesagt: über eine Kette vom Feuerwehrgerätehaus Bockhorst.

500 Kubikmeter mehr entnommen als gefördert

Durch das heiße Wetter ist der Frischwasserbedarf in Borgholzhausen massiv angestiegen, der angesichts der niedrigen Grundwasserstände aber nicht gedeckt werden kann. „Die Reserve im Wasserspeicher ist in den kritischen Bereich gesunken und damit auch die Löschwasserreserve der Feuerwehr in Gefahr“, teilte Bürgermeister Dirk Speckmann am Freitag mit. Bei 900 Kubikmetern liegt der Verbrauch in der Stadt pro Tag – an normalen Tagen. Doch Ende vergangener Woche sind 500 Kubikmeter Wasser mehr aus dem Hochbehälter entnommen worden als gefördert werden konnten. Im Hochbehälter lag der Pegelstand nur noch 80 Zentimeter über der Löschwasserreserve.

Inzwischen ist der Pegelstand dank Zuleitungen durch die TWO Halle wieder deutlich gestiegen – auf 2,50 Meter am Sonntagmorgen. Die Komplettbefüllung liegt bei drei Metern: „Wenn die Bürger vernünftig bleiben und sonst keine Sondereffekte eintreten, kommen wir gut über den Tag. Trotz einer weiterhin deutlich reduzierter eigener Förderleistung“, so Speckmann.

Öffnung am Dienstag

Denn in Borgholzhausen kommen zwei Momente zusammen: zum einen extrem hohe Verbrauch, zum anderen eine unvorhergesehene Verminderung der Pumpenleistung. „Wir stehen vor der großen Herausforderung, dass zwei Pumpen nicht mehr voll betrieben werden können, weil nicht mehr genug Grundwasser nachsickert“, so Speckmann. Am Donnerstag seien sie trocken gelaufen und nicht wieder voll angesprungen. „Das war in der Dramatik nicht vorhersehbar, und wir waren auch nicht darauf vorbereitet. Und wir können das Problem nicht sofort lösen.“

Auf Wochen, wenn nicht Monate wird Borgholzhausen auf die Hilfe eines (Not-) Verbundes mit Halle und Steinhagen angewiesen sein, sagte Bürgermeister Dirk Speckmann am Sonntag im Gespräch mit dem WESTFALEN-BLATT. Die Stadt nicht nur kurzfristig reparieren, sondern auch langfristig neu konzipieren. Das ist Thema am 17. August im Betriebsausschuss. 1400 Haushalte sind in Borgholzhausen an die Wasserversorgung angeschlossen.

Notversorgung auch nach Steinhagen

An diesem Montagmorgen wurde auch wieder die Notversorgung mit Steinhagen in Betrieb genommen, die wegen Umbauarbeiten an der Übergabestation zwischen Halle und Steinhagen einige Zeit inaktiv war. „Dann sind wir im Verbund mit den großen Gemeindewerken Steinhagen und den Stadtwerken Bielefeld“, so der Bürgermeister.

Dann kann auch am Dienstag – zum letzten Ferientag – das Freibad wieder geöffnet werden. Doch bei der Warnung Speckmanns und der Ordnungsbehördlichen Verordnung bleibt es erst einmal: „ Es ist wichtig zu verstehen, dass es gerade unsere Bürgerinnen und Bürger sind, die mit Gartenbewässerung und Pools zu den Spitzenverbräuchen beitragen. Denn unsere Unternehmen machen nur einen vergleichsweise geringen Anteil des Verbrauches aus: Die Top 3 Bartling, Nagel, Düpmann haben einen Jahresverbrauch von gerade mal grob sieben Prozent unserer Liefermenge.“

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