Ein Kommentar von Stefan Küppers
Storck und die Emotionen

Als die Storck KG 2017 erstmals ihren Antrag auf Erweiterung auf betriebseigenen (Wald-)Flächen gestellt hat, wird Halles größter Arbeitgeber kaum damit gerechnet haben, dass sein Vorhaben im Sommer 2020 Hauptthema im Kommunalwahlkampf werden würde. Hätte das Unternehmen seinerzeit seine Wachstumsplanung stattdessen auf einen ausländischen Standort ausgerichtet, wäre ein solches Werk womöglich längst fertiggestellt, ausgestattet wahrscheinlich mit großzügigsten Fördermaßnahmen und mutmaßlich viel geringeren Personalkosten.

Mittwoch, 19.08.2020, 03:01 Uhr aktualisiert: 19.08.2020, 05:01 Uhr
Blick auf den letzten Stand der Erweiterungspläne der August Storck KG in Halle. Rechts ist die Verlegung des Laibaches zu erkennen, wie sie von der Unteren Landschaftsbehörde des Kreises Gütersloh vorgeschlagen worden ist. Foto: WB
Blick auf den letzten Stand der Erweiterungspläne der August Storck KG in Halle. Rechts ist die Verlegung des Laibaches zu erkennen, wie sie von der Unteren Landschaftsbehörde des Kreises Gütersloh vorgeschlagen worden ist. Foto: WB

Nun, das international so erfolgreiche Familienunternehmen ist diesen Weg nicht gegangen, sondern hat sich an den Ausbau eines Verbundstandortes gewagt, eingedenk all der speziellen Vorgaben an Natur- und Umweltschutz, die hier nun mal gelten. Zweieinhalb Jahre ging es relativ ruhig zu. Doch mit der Ruhe ist es nach der Verabschiedung der Pläne im Regionalrat vorbei.

Seitdem werden mit Wasser und Wald große Emotionen erzeugt. Anerkannte Gutachter werden so scharf in Frage gestellt, als gebe es kein Mäßigungsgebot. Das erschwert sachliche Klärungen. Und dann sinnieren bestimmte Gruppen öffentlich über die Reputation eines Unternehmens, das sich in Sachen Umweltengagement, Mitarbeiterpflege und verschiedenste Förderungen in der Standortgemeinde eigentlich keine Noten geben lassen muss. Wertschätzung, das scheint mancher Akteur vor allem als Wert für den eigenen Wahlkampf zu verstehen. Und wer denkt, dass es nicht so wichtig ist, wie lange ein Planverfahren dauert, der hat nicht verstanden, durch welche Art von Wirtschaftförderung diese Stadt und dieser Industriestandort zu seinem Erfolg und Wohlstand gekommen ist.

 

 

 

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