Historikerin Dr. Katja Kosubek zeigt bei Stadtführung Haller Besonderheiten
Im Umbruch das Alte bewahren

Halle (WB). „Halle befindet sich derzeit im Umbruch. Es hat sich noch nie so schnell verändert wie heute“, sagt die Historikerin und Leiterin des virtuellen Museums „Haller ZeitRäume“, Dr. Katja Kosubek. Ihr liege es daher am Herzen, auf diejenigen Gebäude aufmerksam zu machen, die für Halles Stadtgeschichte von besonderer Bedeutung waren und ihrer Meinung nach auch immer noch sind.

Donnerstag, 17.09.2020, 13:14 Uhr aktualisiert: 17.09.2020, 13:40 Uhr
Historikerin Katja Kosubek zeigt den Teilnehmern der Führung einen historischen Stadtplan Halles aus dem Jahr 1700. Damals spielte sich das Leben hauptsächlich rund um das Haller Herz und entlang der Langen Straße ab. Foto: Malte Krammenschneider
Historikerin Katja Kosubek zeigt den Teilnehmern der Führung einen historischen Stadtplan Halles aus dem Jahr 1700. Damals spielte sich das Leben hauptsächlich rund um das Haller Herz und entlang der Langen Straße ab.

Welche Gebäude sie meint, wer dort wohnte und warum Kosubek sich so für ihren Erhalt einsetzt, erfuhr nun eine kleine Gruppe von Geschichtsinteressierten. Anlässlich des bundesweiten „Tag des offenen Denkmals“, der in diesem Jahr unter dem Motto „Erinnern. Erhalten. Neu denken“ stand, hatte Katja Kosubek die Führung organisiert. Am Sonntagmorgen ging es ausgehend vom Kisker-Bogen am Haller Herz zunächst zum Familie-IsenbergPlatz, von dem aus drei Fachwerkhäuser zu erkennen sind, deren Baustil gleich mehrfach in Halle zu finden war. So zum Beispiel das Haus Kotthaus, die alte Schule, das Kiskerhaus oder die ehemalige Adler-Apotheke (heute Heim der Immobilientochter der Volksbank), die allesamt über ein Krüppelwalmdach verfügten. So auch das Haus von Gustav Willmanns, der seinerzeit Bürgermeister war.

Ein Wind der Aufklärung

Damals war Halle noch eine kleine Stadt, die laut Katja Kosubek „von der Kirche aus entlang der Hauptverkehrsader Lange Straße in Richtung Gartnisch und Osnabrück wuchs“. Insbesondere sei zu Halles Blütezeiten geschehen. Um 1700 entstanden nach dem Dreißigjährigen Krieg viele Häuser rund um den Kirchplatz (Haus Brune, Kiskerhaus), schilderte Katja Kosubek. Später um 1800 gab es dann schon mit Gericht, Geschäften und Verwaltungseinrichtungen deutlich mehr Gebäude. „Durch Halle wehte ein Wind der Aufklärung. Es wurde Handel betrieben, es gab Handwerker, Gelehrte oder auch Freimaurer wie den wohlhabenden Obercontrolleur Friedrich Schultz. Den Leuten ging es gut“, berichtete Katja Kosubek, die den Zuhörern auch einige alte Häuser vorstellt deren einstiger Baustil im Laufe der Jahre verändert wurde.

So zum Beispiel das Eckhaus Lange Straße/Wertherstraße oder das daneben befindliche „Schnipp-Schnapp Haus“ (Gegenüber vom Amtsgericht), welches 1790 gebaut und vom bekannten Wundarzt Engelhard Schmülling bewohnt wurde. Er galt damals als „Star-Stecher“ und führte Augenoperationen bei Personen aus Halle und weit darüber hinaus durch.

Fachwerkhäuser bedeutend für die Stadtgeschichte

Weiter ging es zu Häusern, von denen die Stadt bekanntlich einige erworben hat. Dazu gehört auch das Haus Deckenbrock (Lange Straße 26) in dem früher auch Glasermeister Schedefeld zu Hause war. Eines von den Fachwerkhäusern, die im Laufe der Jahre besonders unter dem Verkehr der B68 gelitten haben. Laut Katja Kosubek sind die Häuser aber dennoch mehr als erhaltenswert: „Sie stehen für das sich entwickelnde Bildungsbürgertum und Leute, die in Halle etwas bewegt haben. Es wäre jammerschade, wenn sie verschwinden, denn sie sind bedeutend für Halles Geschichte“.

Am Nachmittag lud Katja Kosubeks Vater, Wolfgang Kosubek, übrigens zu einer weiteren Führung ein. Diese befasste sich mit der spannenden Geschichte des alten Friedhofs, der 1828 als kirchlicher Friedhof eingeweiht wurde und laut Kosubek damals noch außerhalb der Stadt lag. Dies ist natürlich schon lange Vergangenheit, doch die mehr als 300 noch erhaltenen Grabsteine dienen ebenfalls als wichtige Zeitzeugen, die viel über die Lindenstadt und seine einstigen Bewohner verraten.

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