Reaktionen auf den Tod von Gerhard Weber
Ein Macher mit Herz für Halle

Halle (WB). Was für ein Macher! Was für eine Lebensleistung! Die Nachricht vom Tod von Gerhard Weber hat sich am Donnerstag wie ein Lauffeuer in Halle verbreitet. Denn es gibt keinen anderen, der so wie Gerhard Weber mit seinen Ideen und Visionen seine Heimatstadt in wesentlichen Teilen über Jahrzehnte mitgestaltet und verändert hat. „Halle wäre ohne Gerhard Weber heute eine andere Stadt“, hat dazu Bürgermeisterin Anne Rodenbrock-Wesselmann gestern festgestellt.

Freitag, 25.09.2020, 08:01 Uhr aktualisiert: 25.09.2020, 08:04 Uhr
Gerhard Weber hat als visionärer Unternehmer und entschlossener Macher seine Heimatstadt stark mitgestaltet. Nach kurzer, schwerer Krankheit ist er mit 79 Jahren gestorben. Foto: Küppers
Gerhard Weber hat als visionärer Unternehmer und entschlossener Macher seine Heimatstadt stark mitgestaltet. Nach kurzer, schwerer Krankheit ist er mit 79 Jahren gestorben. Foto: Küppers

In der Uniklinik Münster verstorben

Für die Familie ist die Todesnachricht ein Schock. Am Donnerstag ist Gerhard Weber in der Uniklinik Münster nach einer kurzen, schweren Krankheit gestorben. Vor zehn Tagen hatte Gerhard Weber sich von seinem bevorzugten Altersruhesitz in Mallorca zur Behandlung und einer OP in die Uniklinik begeben. In den frühen Morgenstunden des gestrigen Tages ist er dann überraschend verstorben. „Wir haben damit nicht gerechnet“, sagt Ralf Weber erschüttert.

„Wenn mein Vater Ziele verfolgte, hat er nicht lockergelassen.“

Der Sohn findet im WB-Gespräch dennoch einige Worte, wie er seinen Vater erlebt hat. Ralf Weber beschreibt einen unvorstellbaren Tatendrang, einen eigenen Kopf, die Eigenschaft auf ganz eigene Art unmögliche Dinge möglich zu machen. „Er war immer geradlinig und hat sich nie verbiegen lassen. Das habe ich sehr bewundert“, sagt Ralf Weber. Und er hat an der Seite des Vaters erlebt und mitgewirkt, wie die erst kleine Haller Tenniswelt mit wenigen Plätzen immer größer und erfolgreicher wurde. „Wenn mein Vater Ziele verfolgte, hat er nicht lockergelassen“, sagt Ralf Weber. Und er weiß noch genau, wie ihn der Vater nach Wimbledon schickte, um Unterstützung für das geplante Rasentennisturnier zu erlangen. „Es ist egal, wie du das machst, und wenn du über den Zaun klettern musst“, habe ihm der Vater auf den Weg mitgegeben.

Was dann folgte, haben viele Haller persönlich miterlebt. Nach dem Zuschlag für das erste größere Turnier entstand binnen nur 14 Monaten das erste Stadion. Und nur zehn Monate später hatte dieses Stadion ein Dach und eine Galerie. Und ein neues Hotel war auch gebaut. Es folgten die ersten großen Konzerte zum Beispiel mit Rod Stewart oder José Carreras. Ralf Weber weiß noch, dass sein Vater, als es um die Sponsorenfrage ging, eine klare Überzeugung äußerte: Das könne man auch mit den starken Unternehmen aus der Region OWL schaffen. Diese Region war Gerhard Weber auch als Sport-Sponsor wichtig. Arminia Bielefeld habe der Vater mit seinem privaten Geld vor der Insolvenz gerettet, weiß der Sohn.

Viel aufs Bauchgefühl verlassen

„Mein Vater hat sich weniger auf wissenschaftliche Analysen, als vielmehr auf sein Bauchgefühl verlassen. Er hatte ein gutes Gespür dafür, was dann auch funktionieren kann“, sagt Ralf Weber. Und Bauen sei so etwas wie sein Hobby gewesen. „Er ist viel rumgefahren und hat geschaut, wo man sich was abgucken kann“, erzählt Ralf Weber.

Der Sohn weiß, wie stark der Vater sich auch immer als Haller verstanden hat. Mit seinem Geschäftspartner Udo Hardieck hat Gerhard Weber immer zum Standort Halle gehalten. Ralf Weber erzählt, dass der Vater einst sogar an der Gründung der HIW mitbeteiligt war. Halle, das war seine Stadt, in der er viele, viele Menschen persönlich gekannt hat und die ihn ebenso. Alte Fotos zeigen ihn im Haller Schützenrock. Und im ehemaligen Restaurant Brune saß Gerhard Weber mit Freunden an einem Stammtisch.

Viele Trends erkannt oder erfunden

Langjähriger Weggefährte von Gerhard Weber ist der ehemalige Pressesprecher Frank Hofen. Weil Weber bereits Mitte der 80er Jahre an den Aufbau eines Tennisnachwuchscamps dachte, kam er mit Hofen als Vertreter des Westfälischen Tennisbundes zusammen. Als Anfang der 90er Jahre das erste kleine Turnier ein Erfolg wurde, folgte bald das erste ATP-Turnier. „Können Sie das auch?“, habe Weber ihn gefragt, berichtet Hofen. Er konnte. Und die Grundlage für eine langjährige Zusammenarbeit war gelegt. Hofen: „Ich habe Gerhard Weber immer bewundert, wie er Trends erkannt und erfunden hat. Und auch für seine Risikofreudigkeit. Wenn er etwas angefangen hat, hat er es durchgezogen.“ Natürlich habe man sich an der impulsiven Art reiben können, sagt Hofen. Aber dahinter habe er auch einen sehr feinfühligen Menschen erlebt.

„Halle wäre ohne Gerhard Weber heute eine andere Stadt.“

Bürgermeisterin Anne Rodenbrock-Wesselmann findet sehr wertschätzende Worte: „Mit Gerhard Weber verliert Halle eine herausragende Persönlichkeit, die durch vielfältige Weise unsere Stadt geprägt hat. Mit seiner anpackenden Art hat er nicht nur bleibende Werte, sondern auch unzählige Erinnerungen geschaffen, indem er die großen Stars aus Sport und Entertainment zu uns nach Halle geholt hat. Und er hat als Unternehmer und Arbeitgeber viele heutige Bürger überhaupt erst zu Hallern gemacht. Halle war dabei stets das Zentrum seines Handels, sowohl als Wohnort wie auch als Standort des Unternehmens, das er einst gemeinsam mit Udo Hardieck in einer Garage gegründet hat. Und er hat sich für die Belange der Haller eingesetzt - als Spender, Sponsor, Bauherr oder einfach als Privatperson. Halle wäre ohne Gerhard Weber heute eine andere Stadt. Wir alle haben ihm viel zu verdanken.“

Adenauers Respekt vor großartiger Lebensleistung

Landrat Sven-Georg Adenauer würdigt aus seinem Urlaub heraus den Verstorbenen: „Gerhard Weber war für mich einer der herausragenden Unternehmer des Kreises, der aus kleinsten Anfängen Großes aufgebaut hat. Trotz aller Schwierigkeiten, die das Unternehmen in den letzten Jahren hatte, überwiegt der Respekt und die Anerkennung vor seiner großartigen Lebensleistung.“ Und Adenauer fügt hinzu: „Ich habe Gerhard Weber immer außerordentlich geschätzt, denn er war ein Macher, dem es im positiven Wortsinne nie schnell genug gehen konnte.“ Diese Eigenschaft setzte Weber auch als Vorstandsmitglied im Aktionsbündnis A33 ein. Den A33-Lückenschluss hat er dann noch miterleben dürfen.

Hohe Wertschätzung von Weggefährten im Sport

Gerhard Weber und sein Sohn Ralf haben in Halle das ATP-Rasenturnier ins Leben gerufen, etabliert und den Tennisfans Topstars wie André Agassi, Boris Becker oder Roger Federer präsentiert. Schon lange vor dem ersten Aufschlag auf Rasen ist Gerhard Weber 1985 zum 1. Vorsitzenden des TC Blau-Weiß Halle gewählt worden. Die schicke Anlage an der Weidenstraße mit 10 Plätzen, drei Bundesliga-Courts und Clubhaus sowie der Anstieg der Mitgliederzahl auf mehr als 600 – all’ das wäre wie so vieles ohne ihn nicht möglich gewesen. In seiner Amtszeit hat sich Blau-Weiß Halle zu einem der erfolgreichsten Vereine überhaupt entwickelt, alleine fünf Mal die Deutsche MannschaftsMeisterschaft gefeiert. „Gerhard Weber war mehr als ein Vorsitzender. Er war auch an kleinste Details interessiert, kannte jedes Mitglied mit Namen und war vor allem mit ganz viel Herz dabei“, sagt Teamchef Thorsten Liebich, seit vielen Jahren auch im Vorstand tätig. Er hat den Verstorbenen als ehrlichen Menschen kennengelernt, auf dessen Wort man sich immer verlassen konnte: „Gerhard Weber war es sicherlich gewohnt, seine Ideen durchzusetzen. Aber es ging ihm dabei nie ums sich selbst, sondern um die AG, den Verein, die Stadt und die Region.“

Als eine außergewöhnliche Persönlichkeit hat auch Ralf Berhorst den Verstorbenen kennengelernt. Von dienstags bis freitags begleitete der Golflehrer des Haller Golfclubs Teutoburger Wald Gerhard Weber über die Bahnen in Eggeberg – 18 Jahre lang, Startzeit fünf Uhr morgens. „Wenn sein Arbeitstag um 7.30 Uhr im Büro begann, dann hatte er schon richtig was geleistet. Er war nicht nur ein leidenschaftlicher Golfer, sondern auch unglaublich diszipliniert“, erinnert sich Berhorst.

 

 

 

 

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